15.11.2018 11:27

Wenn sich „Familien (wieder) Treffen“

Seit einem Jahr ist Herr K.'s Familie Teil des Projektes "FamilienTreffen" - mittlerweile sind die Buddys Anja und Dajana für sie unverzichtbar.

Wenn sich „Familien (wieder) Treffen“

 

Mit einem Lächeln werden Anja und Dajana von Herrn K. empfangen. Seit drei Jahren lebt der gebürtige Syrer in Österreich. Besonders in der Anfangszeit hatte er Schwierigkeiten, Wien zu seiner neuen Heimat zu machen. Seit drei Monaten unterstützen ihn die zwei jungen Frauen nun als freiwillige Buddys im Rahmen des Projektes „FamilienTreffen“.

 

Familienzusammenführung mit Hindernissen

Den ersten Kontakt zum Wiener Roten Kreuz fand Herr K. vor einem Jahr. Er kam nach Österreich und ließ vieles in Syrien zurück – seinen Besitz, sein soziales Umfeld und vor allem seine Familie, welche ihm nach zwei Jahren nach Österreich folgte. Sobald er einen positiven Asylbescheid hatte, wünschte er sich, seine 9-köpfige Familie zu sich zu holen. „Das ging nur mit einer eigenen Wohnung. Mit den finanziellen Mitteln der Mindestsicherung war es jedoch nicht möglich, den Makler, die Kaution und die Provision zu bezahlen“, erzählt Herr K. Mit der Hilfe von Ella-Maria Moritz, Leiterin des Projektes „FamilienTreffen“ suchte er vergangenes Jahr beim Spontanhilfefond des Wiener Roten Kreuzes um Unterstützung an, welcher Herrn K. in Form einer Monatsmiete zu Hilfe kam und damit den ersten Grundstein für das gemeinsame Leben der Familie in Österreich legte.

 

„FamilienTreffen“

Seitdem ist die Familie von Herrn K. ein fester Bestandteil des Projektes „FamilienTreffen“, im Zuge dessen freiwillige Buddys Familien, die nach ihrer Flucht wieder zusammengeführt wurden, wöchentlich besuchen und sie im Alltag unterstützen. „Unsere Kinder hatten es anfangs sehr schwer in der Schule. Sie sprachen kein Deutsch, worunter das Lernen, aber auch das Finden von Freunden litt“, erzählt Herr K. Er ist dankbar, dass Anja und Dajana regelmäßig kommen, um mit ihm, seiner Frau und den Kindern Deutsch zu sprechen und die jungen Familienmitglieder auf den Unterricht vorzubereiten. Aber auch abseits des Lernens stehen die beiden Buddys der Familie mit Rat und Tat zur Seite. Gemeinsam besuchten sie bereits wichtige österreichische Institutionen – wie z.B. WienXtra, um das Schulsystem in Österreich kennenzulernen. Aber auch das Persönliche kommt nicht zu kurz: „Die Kinder reden oft über Anja und Dajana und fragen, wann sie wiederkommen. Nicht nur, dass ihr Deutsch schon besser wurde – sie haben sie auch schon ins Herz geschlossen.“

 

Harmonie als Basis

 „Bevor es zu einem ersten Kennenlernen zwischen dem Buddy und der Familie kommt, unterhalten wir uns mit den interessierten Freiwilligen und fragen sie nach ihren Erwartungen. Anhand dessen suchen wir nach einer passenden Konstellation. Nur wenn die Harmonie stimmt, kann eine gute Zusammenarbeit funktionieren: Das Projekt lebt von den engagierten und freiwilligen Buddys, die sich persönlich dafür einsetzen, dass Wien für die Familien ein Zuhause wird – bei so engem Kontakt muss man gerne miteinander Zeit verbringen“, betont Ella-Maria Moritz. Auch Anja und Dajana, die selbst erst vor kurzem von Serbien und Bosnien nach Wien gekommen sind, stimmen dem zu: Ihre Motivation als Buddy tätig zu sein ist es, die ersten Schritte im Integrationsprozess auf unbürokratische Weise zu unterstützen. „Gleichzeitig fühle ich mich immer gut, wenn ich zu Besuch bei der Familie war. Wir essen, lachen, reden über alles. Und wieso sollte man nicht helfen, wenn man es kann. Für uns ist es kein Aufwand, einen Anruf zu tätigen, aber es macht alles ein wenig einfacher für die Familie“, betont Dajana mit einem Lächeln.

 

 

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