06.07.2019 09:19

Vom Dauerwohnplatz zu den eigenen vier Wänden

Acht Jahre war Rudolf R. wohnungslos. Die letzten 18 Monate verbrachte er in unserem Haus Henriette – bis er den Schritt zur eigenen Wohnung wagte.

Vom Dauerwohnplatz zu den eigenen vier Wänden

 

Leben im Griff

Nicht nur die Wohnsituation von Rudolf veränderte sich vor drei Jahren, mittlerweile habe er auch sein Leben im Griff. Bis zu seinem Auszug vom Haus Henriette, einem Sozial betreuten Wohnhaus des Wiener Roten Kreuzes, kämpfte er regelmäßig mit Alkoholproblemen – dieser Sucht gibt er nun keine Chance mehr: „Wenn du eine Gemeindebauwohnung hast, bringt das ja nichts. Du versaufst dein Geld und am nächsten Tag schaust du blöd, weil du rote Zahlen hast. Jetzt ist alles viel zu schön, als dass ich mir das jetzt selbst kaputt machen würde. Wenn man schon die Gelegenheit hat, eine Wohnung zu haben, dann sollte man auch darauf schauen und seine Fehler nicht zu wiederholen.“

 

Als er zusammen mit seinem Sozialarbeiter Lukas Spinka die Wohnung das erste Mal betrat, war ihm sofort klar: Da passt alles. Auf 49 Quadratmetern hat er alles was er braucht – vor allem einen Rückzugsort, an dem er sich wohlfühlt: „Ich war mein ganzes Leben schon ein Einzelgänger, ich brauche einfach meine Ruhe. Im Haus Henriette hatte ich die auch bereits, aber in der eigenen Wohnung ist das einfach etwas Anderes“, erzählt Rodolf R., während er in seiner hellen Wohnung sitzt, deren Wände in satten Gelb- und Grüntönen gestrichen sind. Er verwendet sehr viel Zeit darauf, die eigene Wohnung genau so zu gestalten, wie es ihm gefällt – schließlich muss man sich Zuhause ja wohl fühlen. „Mit bald 60 bin ich so glücklich wie noch nie und dafür bin ich allen MitarbeiterInnen vom Haus Henriette unheimlich dankbar“, betont er.

 

Auf eigenen Beinen

Durch die eigene Wohnungslosigkeit lernte er unterschiedliche Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe kennen – bis er schlussendlich ins Haus Henriette umzog: „Alles hat gepasst, sowohl die Betreuung durch das engagierte Personal, als auch das schön hergerichtete Zimmer. Sozial gesehen war es die beste Einrichtung, in der ich gelebt habe. Man sagt, was man braucht und die BetreuerInnen bemühen sich, zu helfen. Als Lukas eines Tages vorschlug, dass wir daran arbeiten könnten, wieder eine eigenständige Wohnform zu finden, dachte ich zuerst: Das bringt doch nichts. Aber er überzeugte mich und wir fingen an neue Ziele zu setzen und daran zu arbeiten.“ Nachdem Rudolf seine Schulden abbezahlt hatte und eine Wohnungsvergabe durch das Haus Henriette bei der Sozialen Schiene von Wiener Wohnen befürwortet wurde, ging alles sehr schnell. Er bekam die Wohnung im 20. Bezirk und stand von da an wieder auf eigenen Beinen. „Seitdem hat er nie wieder etwas von uns gebraucht“, sagt Lukas mit einem anerkennenden Nicken.

 

Jedes Stück ein Unikat

Was Rudolf an seiner Wohnung am besten gefällt? Alles. Jeden Gegenstand habe er gefunden. Besonders stolz ist er auf die Sammlung von ungefähr 30 Tonmasken, für die er zahlreiche Floh – und Sozialmärkte in Wien besuchte. „Jede Maske hat ein anderes Gesicht und ist etwas ganz Besonderes – das gefällt mir. Am liebsten hätte ich ungefähr 300, aber das dauert wohl noch ein wenig“, erklärt Rudolf, während er stolz seine Maskensammlung betrachtet.

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