19.08.2019 08:28

Haustürwerbung:
Klopf, klopf – wer ist da?

Mit einer Rotkreuz-Jacke bekleidet und einer Mappe unter dem Arm klopft Leslie L. an eine Wohnungstür im Gang eines Wiener Mehrparteienhauses. Obwohl es keine Reaktion gibt, merkt er, dass jemand durch den Türspion auf den Gang schaut.

Haustürwerbung:<br>Klopf, klopf – wer ist da?

„Entschuldigung, mein Schnitzel brennt gerade an!“, wird ihm gleich darauf zugerufen. Er dreht sich um und zuckt mit den Schultern. „Das kommt öfter vor“, sagt er, geht zur nächsten Tür und klopft sympathisch lächelnd an. Dieses Mal wird ihm die Tür geöffnet und ein älterer Mann sieht ihn fragend an. „Guten Tag, keine Sorge – niemand ist verletzt. Wir wollen heute Menschen zum Spenden für das Wiener Rote Kreuz motivieren. Es geht darum, auch in Zukunft Menschen in Not helfen zu können – und dafür brauchen wir Ihre Unterstützung.“

Vom Katastrophenhilfsdienst bis zum Rettungsdienst

Zusammen mit seiner Kollegin Stephanie F. arbeitet Leslie L. als Spenden-Werber für das Wiener Rote Kreuz. Die Wohnungstüren des 16. Wiener Gemeindebezirkes sind in dieser Woche ihr Arbeitsplatz. Durch persönliche Kontaktaufnahme mit den BewohnerInnen informieren sie potentielle SpenderInnen über das vielseitige Leistungsangebot des Wiener Roten Kreuzes und bitten sie um eine Spende. Willigt der Besuchte ein, wird eine Spendenvereinbarung ausgefüllt und der weitere Ablauf erklärt. 

 

Langfristig statt einmalig

Diese Art der Zuwendung ist ein sehr wichtiger Teil der Mittelbeschaffung für das Wiener Rote Kreuz, weil es bei dieser Unterstützung nicht um eine einmalige spontane Spende geht, sondern um die längerfristige Bereitschaft, das Rote Kreuz mit einem bestimmten und selbstgewählten Betrag regelmäßig zu unterstützen. Aus diesem Grund wird kein Bargeld angenommen, sondern die bequeme Form der Einzugsermächtigung angeboten. Nach einer gewissen Zeit bekommen die SpenderInnen Informationsmaterial zugesandt, aus dem sie erfahren, was mit ihren Beiträgen geschieht. Es geht nicht darum, hohe Beiträge zu gewinnen, sondern Menschen, die aus Überzeugung spenden. Der erfolgreiche Werber wird mit einer Provision an der zugesagten Spende beteiligt. Mit dieser zeitaufwendigen Arbeit finanzieren die Werber ihr Studium oder ihren Lebensunterhalt.

 

Neue Wege

Durch diese Haustürwerbung gelingt es seit 2007, immer wieder neue UnterstützerInnen für das Wiener Rote Kreuz zu gewinnen. Diese Form der Werbung ergänzt die persönlich adressierten Informations- und Spendenzusendungen. „Da wir mit den Briefen allein jüngere Menschen nicht erreichen konnten, musste eine Alternative her. Denn Menschen wollen persönlich angesprochen und von Angesicht zu Angesicht informiert werden. Das erfüllt diese Art der Werbung in optimaler Form. In meinen Augen ist es die überzeugendste Art der Spenderwerbung“, sagt Christian Listopad, Bereichsleiter der Mitgliederbetreuung vom Wiener Roten Kreuz.

 

G`spür für die Menschlichkeit

Ohne das nötige Feingefühl geht in diesem schwierigen Job nichts. Innerhalb weniger Sekunden müssen Leslie und Stephanie sich auf ihr Gegenüber einstellen und in deren Lebenssituation hineindenken. „So viel Einfühlungsvermögen unsere Werberinnen und Werber auch aufwenden, manche der Besuchten fühlen sich dennoch durch die Uhrzeit des Besuchs oder durch den Gesprächsverlauf belästigt und rufen verärgert beim Service-Telefon oder im Büro der Mitgliederbetreuung an. Doch zumeist lassen sich Missverständnisse durch klärende Worte und aktives Zuhören aus der Welt schaffen“, weiß Eva Preiß, eine langjährige Freiwillige des Wiener Roten Kreuzes.

Um derartige Situationen zu vermeiden, erhalten alle angehenden WerberInnen im Vorfeld eine Kommunikations-Einschulung. Darüber hinaus erfahren sie einiges aus der Welt des Wiener Roten Kreuzes und aus seinen vielfältigen Wirkungsbereichen. 

Dennoch können Missverständnisse entstehen, weshalb wöchentlich Treffen mit der Teamleitung der Spendensammlung stattfinden. Hier werden Beschwerden besprochen und Verbesserungen gemeinsam erarbeitet. Jeder Mensch hat ein anderes Empfinden, ab wann Situationen unangenehm sind. Nur wenn diese Differenzen kommuniziert und wahrgenommen werden, können sich die WerberInnen weiter entwickeln, um in Zukunft noch besser auf die Bedürfnisse der GesprächspartnerInnen eingehen zu können.

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