01.06.2018 11:16

Dann kann ich zufrieden heimgehen.

Franziska Fauster hat den Besuchsdienst erfunden – und ist immer noch aktiv.

Dann kann ich zufrieden heimgehen.
Der Besuchsdienst holt Menschen aus ihrer Einsamkeit.©ÖRK/LV Stm/Lucas Kundigraber

Im Aufenthaltsraum der Rotkreuz-Dienststelle in Fehring, einem 7000-Einwohner-Ort im steirischen Thermenland, duftet es: Franziska Fauster hat Zwetschkenkuchen gebacken. "Ich hab mich auch fesch gemacht", lacht die energiegeladene Pensionistin und deutet auf ihren Ring mit dem kleinen roten Kreuz darauf. "Den hab ich für die ersten 2500 Freiwilligenstunden bekommen." 1990 begann sie als Diplomschwester in der Hauskrankenpflege beim Roten Kreuz zu arbeiten. Später "erfand" sie etwas, von dem zu Pflegende heute noch profitieren: den freiwilligen Besuchsdienst, für den sie auch heute tätig ist.

Dienstag ist Besuchstag

Heute fährt sie zu Irmgard Lerner, ins vier Kilometer entfernte Leitersdorf. In einem kleinen gelben Haus mit liebevoll gepflegten Geranien an den Fenstern lebt die Krebspatientin mit ihrem Mann Franz. Am Dienstag, wenn er in die Sauna geht, schaut Franziska Fauster vorbei. Die beiden Frauen begrüßen sich herzlich. Ist das Wetter schön genug? Ist man fit genug für einen Spaziergang? "Meist fordern uns Ärzte oder Verwandte an, aber das muss mit den Besuchten abgeklärt sein", sagt Fauster. "Heute ist Frau Lerner wieder viel aktiver und ich gehöre fast schon zur Familie."

Zeit schenken

Als Fauster in der Hauskrankenpflege zu arbeiten begann, fiel ihr am Ende ihres Besuchs der Abschied oft schwer, weil sie merkte, dass ihr die Menschen noch etwas erzählen wollten. "Wir haben dann mal eine Abfrage in der Gemeinde gemacht und waren schockiert, wie viele Menschen, zumindest tagsüber, alleine sind - und wie viele sich einsam fühlen." Bald sei klar gewesen, dass es eine vereinbarte Uhrzeit und eine vertraute Bezugsperson brauche, die einfach Zeit schenkte. Fauster schrieb ein Konzept für einen freiwilligen Besuchsdienst im Roten Kreuz, der seit 1999 umgesetzt wird.

Allein im Bezirk Feldbach koordiniert sie 50 Freiwillige, die 3.600 Stunden ihrer Zeit pro Jahr schenken. Frau Lerner hatte selbst ihre Mutter gepflegt. Nun ist sie diejenige, die es genießt, besucht zu werden. "Manchmal machen die Füße halt nicht mit, was der Kopf will", sinniert sie, "Dann freu ich mich besonders über Besuch". Ihre Kinder arbeiten in Wien - und unterstützen sie nun eben anders, durch den Besuchsdienst.

Franziska Fauster besucht viele Menschen über einen langen Zeitraum. "Manche Dinge könnten sie niemand anderem erzählen, höre ich oft. Ich biete den Menschen dann an, dass sie ihre Sorgen und Ängste bei mir loswerden aber schaue immer, dass am Ende Besuches die Stimmung positiv ist. Jetzt habe ich Zeit, für diese Menschen da zu sein. Dann kann ich zufrieden heimgehen."

KONTAKT & INFORMATIONEN

Der Besuchsdienst ist ein ergänzendes Angebot zur mobilen Pflege und Betreuung. Freiwillige kommen zum Plaudern, Vorlesen, Kartenspielen und begleiten im Alltag.

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