24.07.2019 11:10

DIE SYRIENKRISE im 9. JAHR

Im März 2019 ist der Konflikt in Syrien in sein 9. Jahr getreten. Trotz zwischenzeitlicher Meldungen des Siegs über die Milizen des Islamischen Staats ist die Krise noch lange nicht vorbei. Weite Teile Syriens liegen in Schutt und Asche - ein Großteil der Häuser und Gesundheitseinrichtungen ist zerstört oder beschädigt, und Wasser und Strom sind vielerorts Mangelware. Die Hälfte der syrischen Bevölkerung hat ihre Heimat verlassen: Davon sind 6,2 Millionen Menschen zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden, und 5,5 Millionen haben in den Nachbarländern Türkei, Libanon, Jordanien und Irak Schutz gesucht. In Syrien selbst sind rund 11,7 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Und selbst wenn "nur" noch in wenigen Gebieten heftig gekämpft wird, so leben die Menschen in vielen Gebieten mit der Gefahr, von nicht detonierten Kampfmitteln verletzt zu werden.

Im Libanon gehen unsere ADA-geförderte Projekte "in die Verlängerung". Per Ende Mai 2019 waren 935,454 syrische Flüchtlinge beim UNHCR registiert. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass sich inoffiziell etwa 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge im Land aufhalten. An der Gesamtzahl seiner Bevölkerung gemessen hat kein Land mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen wie der kleine Zedernstaat. Die Tatsache, dass auf einer Fläche von 10.452 km² (entspricht der Größe der Bundesländer Salzburg und Burgenland) jeder 4. Mensch ein Flüchtling ist, hat die Gastgemeinden stark unter Druck gebracht und für zunehmende Spannungen im Bereich der Gesundheitsversorgung, am Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie in den Schulen gesorgt.

Dem Umstand, dass eine wachsende Zahl von Libanesinnen und Libanesen von Armut betroffen ist, trägt das ÖRK gemeinsam mit seiner libanesischen Schwesterorganisation LRC (Lebanese Red Cross) insofern Rechnung, als die definierten Projekte nicht nur syrischen Flüchtlingen zugute kommen, sondern auch die Bedürfnisse der Aufnahmegemeinden berücksichtigen. Dieser Zugang bezieht sich sowohl Sachleistungen (Hilfspakete & Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäreinrichtungen) als auch auf Geldleistungen.

Nachdem die an keine Bedingungen geknüpfte Bargeldhilfe aus Mitteln der ADA für 250 Haushalte (darunter 30% bedürftige libanesische Familien) nach 20 Monaten Laufzeit im Jänner 2019 zu Ende gegangen war, konnte dank der Unterstützung der Stiftung Nachbar in Not (NiN) die Bereitstellung von Geldleistungen von 175 USD / Monat bis November dieses Jahres verlängert werden. Gleichzeitig wurde der vom ÖRK gestellte Antrag auf Unterstützung von insgesamt weiteren 350 Familien in den Distrikten Zahle und Rachaya von der ADA positiv beschieden. Novum bei diesem Folgeprojekt mit einem Volumen von einer Million Euro: Neben den monatlichen Geldzuwendungen werden besonders bedürftige Haushalte in der Bewältigung von periodisch auftretenden Katastrophensituationen (wie den Schneestürmen im vergangenen Jänner) unterstützt.

Ebenfalls von der ADA genehmigt wurde die Finanzierung eines Folgeprojekts in der ca. 70-80 km nordöstlich von Beirut gelegenen Gemeinde Haouch Er Rafqa, die sich in einer Zone mit einer hohen Konzentration an Flüchtlingen befindet. Syrische Flüchtlinge leben hier in informellen Zeltlagern auf Privatgründen der libanesischen Aufnahmegemeinde. Aufgrund einer immer restriktiver gehandhabten Flüchtlingspolitik, die von einer immer schärferen Rhetorik gegen den Verbleib syrischer Flüchtlinge im Libanon begleitet ist, werden Abfallwirtschaft und Wasserversorgung für entlegene Gemeinden von den betroffenen Gemeindeverwaltungen nicht bereitgestellt. Aufbauend auf den Maßnahmen der noch bis September 2019 laufenden Phase I des Projekts, in der der Zugang zu sauberem Trinkwasser für Flüchtlinge und die Aufnahmegemeinde auf individueller Ebene verbessert wird, soll in Phase II verstärkt auf institutioneller Ebene - d.h. in Schulen und Gesundheitszentren - an der Verbesserung des Zugangs zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen gearbeitet werden. Darüber hinaus wird mit der Fortführung des in Phase I pilotierten E-Voucher-Systems eine erfolgreiche Innovation auf neu in die Gemeinde Haouch Er-Rafqa integrierte Flüchtlingsfamilien ausgedehnt und dadurch für Kontinuität gesorgt. Geplanter Start des auf 2 Jahre anberaumten Folgeprojekts ist Oktober 2019.

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