11.03.2020 14:33

Effektive Hilfe für Menschen auf der Flucht

Zwei Delegierte des österreichischen Roten Kreuzes helfen in Griechenland und Bosnien, Flüchtlinge mit Geldleistungen zu unterstützen. Eine Aufgabe, die nicht immer leicht ist.

Effektive Hilfe für Menschen auf der Flucht
Fotocredit: ÖRK / Fathi Isci

Das Rote Kreuz hilft Menschen, die Unterstützung brauchen, unabhängig davon, warum sie geflohen sind. Im ersten Schritt geht es dabei um Nahrung, medizinische Versorgung und ein Dach über dem Kopf. Auf der griechischen Seite der Grenze zur Türkei sind mobile Einsatzteams des Griechischen Roten Kreuzes unterwegs, die Erste-Hilfe und andere Gesundheitsmaßnahmen leisten. Sobald die Menschen in einem Camp auf dem griechischen Festland gelandet sind, könnte es sein, dass sie Stefan Pankl gegenüber sitzen. Der 37-jährige Wiener kümmert sich als Delegierter im Auftrag der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) um die Verteilung von Prepaid-Karten und administriert das sogenannte Cash-Programm. Immer wieder ist er in den Camps in der Nähe der Stadt Thessaloniki unterwegs.

 

Die wichtigsten Dinge selbst kaufen

 

„Jene Flüchtlinge, die einen Asylantrag gestellt haben, bekommen als Teil ihrer Grundversorgung eine Karte, mit der sie einen genau festgelegten monatlichen Geldbetrag abheben können“, erklärt der gelernte IT-Techniker Pankl, dessen Einsatz sechs Wochen dauert. „Eine einfache und sehr effiziente Methode, die es den Menschen überlässt, sich die allernötigsten Dinge für den täglichen Lebensbedarf selbst zu kaufen.“ Das Geld stammt von der EU und anderen Geldgebern, die Verteilung besorgen internationale Organisationen wie das Rote Kreuz. Mehr als 90 Prozent aller Flüchtlinge werden auf diese Weise versorgt. Im Dezember haben laut UNHCR mehr als 90.000 Menschen so eine Bargeld-Unterstützung bekommen.

 

Pankl fühlt sich sicher bei seiner Arbeit, aber es bedrückt ihn, täglich mit dem Leid so vieler Menschen konfrontiert zu sein. „Sie haben wirklich schlimme Sachen erlebt.“ Solange die Menschen im Asylverfahren sind und sich regelmäßig melden, erhalten sie die finanzielle Unterstützung aus internationalen Töpfen. Eine Spannung ergibt sich daraus, dass viele nach Zusicherung eines positiven Asylbescheids aus diesem System herausfallen, und noch keine griechische Unterstützung bekommen, weil sie sehr lange – auch wenn ihr Aufenthaltsstatus schon positiv bestätigt ist – auf eine vom griechischen Staat ausgestellte Karte warten müssen, die sie dafür brauchen. „Das ist ein Problem“, sagt Pankl. „Nicht wenige Menschen blicken deshalb in eine ungewisse Zukunft, einige landen auf der Straße. Heute bin ich einer 60-jährigen Frau gegenübergesessen, die mit ihrem 17-jährigen Enkelsohn geflohen ist. Sie hat seit Jänner kein Geld mehr bekommen, weil sie noch keine griechische Unterstützung beziehen kann. Wir haben ihren Fall an UNHCR übergeben und hoffen, dass man eine Ausnahme geltend machen kann.“

Keine Politik zu Lasten der Menschen

 

Auch in Bosnien-Herzegowina ist ein Österreicher im Einsatz, um die Arbeit des Roten Kreuzes zu koordinieren. „Das Rote Kreuz betreut Flüchtlinge in Empfangszentren“, erzählt Christopher Jahn, normalerweise Mitarbeiter im Bereich Internationale Katastrophen und Krisen des Roten Kreuzes in Wien. „Wir haben auch 15 mobile Teams im Einsatz, die Schlafsäcke, Essen und Hygiene-Artikel verteilen.“ Er kümmert sich ebenfalls um Cash-Programme, die im Norden des Landes auch einheimischen Familien zugutekommen, die von der Migrationskrise stark betroffen sind. Das Geld an mehr als 200 Familien, umgerechnet etwa 75 Euro, bringt dort die Post.

 

Solange es an politischen Lösungen fehlt, werden sich von Krieg und Verfolgung betroffene Menschen weiter in Richtung Europa aufmachen. Staaten haben das Recht ihre Grenzen zu beschützen. Was sie aber nicht tun dürfen ist, dafür menschliches Leid in Kauf zu nehmen. Jede politische Entscheidung, die die fundamentalen Rechte, Sicherheit und Würde von Menschen bedroht, ist nicht akzeptabel. Das Rote Kreuz wird helfen, solange Menschen in Not sind.

socialshareprivacy info icon