Wappen
Fassaden-Schrift der Dienststelle Grabengasse 25

"Der gefertigte, provisorische Vereins- Ausschuß wendet sich nun mit diesem Aufrufe an alle Frauen und Mädchen des Bezirkes, welche ein patriotisch fühlendes Herz für die Leiden unserer braven Krieger haben, mit der Bitte dem Vereine als wirkliche Mitglieder beizutreten."

 

Dieser Aufruf des "Patriotischen Frauen-Hilfsvereins - Zweigverein Baden" wurde im Oktober 1878 veröffentlicht. Das war die Geburtsstunde des Hilfs- und Rettungswesens in Baden. Der Verein wurde entsprechend dem Wunsch Kaiserin Elisabeths gegründet. Bereits der erste Geschäftsbericht des Vereins, der im Jänner 1879 veröffentlicht wurde, trug das Rote Kreuz als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer im Aufbau befindlichen Organisation. Seine Tätigkeit beruhte auf der Genfer Konvention vom Oktober 1863 und dem von der k.u.k. Regierung im Jahr 1866 bestätigten internationalen Vertrag. Jedes ordentliche Mitglied war auch gleichzeitig Mitglied der "Österreichischen Gesellschaft vom Rothen Kreuz", welche 1880 gegründet wurde.

 

Der Verein widmete sich der Pflege und Unterstützung verwundeter und kranker Soldaten und führte diese Arbeit mit der Unterstützung der Bevölkerung erfolgreich durch. Im Jahr 1879 hatte der Verein bereits 377 Mitglieder, die insgesamt 754 Gulden Jahresbeitrag bezahlten. Die Sachspenden, die im Rechenschaftsbericht angeführt wurden, reichten von 287 Bouteillen Wein, 1 Tiegel Preiselbeeren, 950 Stück Cigarren, 7 Kilo 56 Dekagramm Fleischextract über 143 Paar Socken, 20 Unterbeinkleidern bis zu 17 Paketen Verbandsmaterial. Schließlich wurde durch ein Benefizkonzert ein Ertrag von 221 Gulden erwirtschaftet. Als Präsidentin fungierte Frau Benjamine Gelinek und als Vizepräsidentin Frau Meta Rollett. Allmählich wandelten sich jedoch die Aufgabenbereiche und der Transport von Verwundeten oder Erkrankten wurde notwendig. Durch die Anschaffung von drei Krankentransportwagen im Jahr 1904 konnte diese Aufgabe übernommen werden.


Das Vereinsvermögen betrug 34.740 Kronen und der Verein wurde in einen Damen- und Herrenverein umgestaltet. 1906 wurden noch zwei Fahrzeuge gekauft und von den vier Rettungsstationen - Traiskirchen war dazu gekommen - bereits 33 Transporte durchgeführt. Anlässlich der Feiern zum 60. Geburtstag Kaiser Franz Josephs wurde das Pflegerinnenheim in der Rathgasse seiner Bestimmung übergeben und von 12 Schwestern betreut. Zugunsten dieses Heimes wurde ein Ball veranstaltet, der gut besucht war und einen beachtlichen Reinerlös brachte - 2534 Kronen und 97 Heller. 1910 war die Anzahl der Transporte auf 92 gestiegen und der Verein wurde 1913 in den "Zweigverein Baden des patriotischen Hilfsvereins vom Roten Kreuze für NÖ" umgewandelt.

 

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges kam eine Reihe von neuen Aufgaben, wie die Errichtung von Hilfsspitälern und die Unterstützung der Militär-Sanitätspflege dazu. Es wurden Spendenaufrufe für die verwundeten Soldaten erlassen. Besonders betreut wurden die aus Rußland heimgekehrten Gefangenen. In den Kriegsjahren wurde der Verein unter der Leitung von Frau Paula Baltazzi weitergeführt.

Bereits 23. Juni 1895 wurde von der I. Freiwilligen Feuerwehr Baden, auf Antrag von Dr. Franz Trenner, eine "Rettungs-Abtheilung" gegründet und damit auch für die Stadt Baden ein regulärer Rettungsdienst installiert.

 

"Die Rettungs-Abtheilung kann zu jeder Stunde zu Unglücksfällen aller Art (in den Straßen, Fabriken, öffentlichen Gebäuden, an Belustigungsorten und auf Eisenbahnen), ferner bei Irrsinns- und plötzlichen Erkrankungsfällen, die sich im Currayon Baden-Weikersdorf ereignen, zur Hilfeleistung gerufen werden. Dieselbe erfolgt unentgeltlich. Behufs rascher Avisierung ist das Sanitätsdepot (Spritzhaus II, Grabengasse) mit der k. k. Telephoncentrale in Baden verbunden. Ausnahmsweise werden auch alle von den k. k. Civil- und Militärbehörden und den praktischen Herren Ärzten in Baden beanspruchten Krankentransporte durchgeführt." 

 

Begonnen wurde die Arbeit mit einem pferdebespannten Rettungswagen. 35 Feuerwehrleute erklärten sich bereit der Rettungsabteilung beizutreten. Für die Ausbildung der Rettungsmänner wurden von Anfang an Kurse abgehalten. 1913 wurde, nach zwei weiteren Pferdewagen, das erste Rettungs-Automobil angeschafft. Während des ersten Weltkrieges wurden über 22.000 Militärpersonen befördert und zahlreiche Verwundeten- und Krankentransporte durchgeführt.

 

aussenansicht der alten Dienststelle
Frontansicht der späteren Dienststelle in der Rathgasse

Nach Ende des ersten Weltkrieges übersiedelte die Rettungsabteilung gemeinsam mit der Feuerwehr in die Grabengasse. 1925 wurde ein zweites Rettungsauto in Betrieb genommen und ab 1926 ein regelmäßiger Ambulanzdienst im Strandbad eingeführt. Ab 1938 wurde ein Horch-Automobil zu einem modernen Krankentransportauto umgebaut.

 

 

Am 30. April 1925 beantragte Trudo Exner die Gründung einer Bezirksrettungskolonne im Rahmen des Zweigvereins Baden des Landesvereines vom Roten Kreuz und wurde dessen Kolonnenkommandant.

 

 

Aus den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Baden II kamen die ersten Helfer und diese begannen den Dienst mit einem pferdebespannten Wagen, dem ab 1926 ein Kraftwagen, ein Benz-Chassis mit entsprechendem Aufbau, und im Laufe der nächsten Jahre zwei weitere Fahrzeuge, ein Katastrophenhilfswagen, ein Gasschutzwagen und ein Kommandowagen, Marke Puch, folgten.

 

Der Aufbau vollzog sich unter der Leitung des Bezirkshauptmannes Hofrat Dr. Adolf Pilz. Die Finanzierung der Ankäufe erfolgte mit Unterstützung der Gemeinden des Bezirkes und durch Sammlungen bei Veranstaltungen.

 

Rettungsautos standen damals auch in Bad Vöslau, St. Veit, Berndorf, Hirtenberg und Blumau. In jeder Gemeinde des Bezirkes Baden entstanden bei den freiwilligen Feuerwehren Rettungsstellen des Roten Kreuzes. Diese waren mit einem Sanitätskistchen und einer Trage ausgerüstet und wurden von geprüften Rettungsmännern besetzt.

 

An besonders gefährlichen Stellen, wie z.B. in der Kurve der Badenerstraße in Pfaffstätten, wurden Straßen-Rettungsstellen errichtet.

 

Ab 1931 wurden auch Frauen in den Sanitätsdienst einbezogen. Unter der Leitung von Sr. Anna Exner wurden diese "Samariterinnengruppen" besonders in der Säuglings- und Hauskrankenpflege ausgebildet und standen dort im Einsatz. Helene Blank arbeitete zu dieser Zeit als "Telefonistin und Kanzlistin".

Der von Trudo Exner aufgestellte Katastrophenvorsorgeplan stellte die Weichen für die Zukunft des Katastrophenwesens. Baden war zu seiner Zeit, sowohl von der Ausstattung, als auch von den Alarmplänen und der Ausbildung der Mannschaft, Vorbild für Rettungsstellen aus allen Bundesländern. Zahlreiche Katastrophenübungen wurden abgehalten und zwischen 1928 und 1937 viele Großereignisse sanitätsdienstlich betreut.

 

Durch die rasch steigenden Anforderungen aufgrund der entstehenden Fabriken und der Zunahme der Unfälle im Straßenverkehr wurde der Raummangel akut. Die Unterkunft der Rettungskolonne befand sich anfangs im Zeughaus der Freiwilligen Feuerwehr Baden II. Im Jahr 1929 wurde unter Bürgermeister Joseph Kollmann eine eigene Garage errichtet, welche die Rettungsautos beherbergte. Das Haus in der Rathgasse, das sozusagen vom Frauenhilfsverein "in die Ehe eingebracht" wurde, bestand noch immer als Pflegerinnenheim. Die im Rath´schen Krankenhaus untergebrachte Lungentuberkulose-Fürsorgestelle wurde ebenfalls von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Roten Kreuzes betreut.

Die bereits damals geführte Ausfahrtenstatistik zeigt eine Zunahme der Ausfahrten ausgehend vom Jahr 1925 mit 7 Hilfeleistungen auf 1113 Interventionen, davon allein 726 Krankentransporte im Jahr 1930. Auch die Ausbildung der Bevölkerung in Erster Hilfe wurde in dieser Zeit erfolgreich aufgebaut.

 

Im März 1938 hörten sowohl die Rettungsstelle bei der Feuerwehr Baden I als auch die Rettungskolonne bei der Feuerwehr Baden II auf zu bestehen. Ein kommissarischer Leiter übernahm die Geschäfte und führte die Rettung Baden in das Deutsche Rote Kreuz über. Die Dienststelle war bei der FF Baden II in Leesdorf untergebracht. Fast alle Dokumente aus den Jahren 1878 bis 1938 wurden in diesem Zusammenhang vernichtet. Trudo Exner wurde 1939 zur deutschen Wehrmacht einberufen.

 

Für die verbleibenden Mitarbeiter brachten die kommenden Jahre vielfältige Aufgaben, die vor allem durch die Schwesternhelferinnen bewältigt wurden. Sie pflegten Verwundete und Kranke in Lazarettzügen und Spitälern und leisteten Erste Hilfe bei Luftangriffen.

Dienststelle Baden
Neue Dienststelle Baden, Rotes Kreuz Gasse

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges 1945 fanden sich Angehörige des einstigen Zweigvereines Baden zusammen, um das Erbe Trudo Exner´s, der bei Stalingrad vermisst wurde, zu übernehmen und weiterzuführen.

Dir. Franz Schweighofer übernahm die provisorische Leitung und begann mit Fiakerfahrzeugen einen Rettungsdienst aufzubauen. Allein 1945 wurden 2100 Transporte durchgeführt. Neben der Betreuung des Pflegerinnenheims, das als Notspital geführt wurde, begann auch ein Suchdienst mit den Nachforschungen nach vermissten Wehrmachtsangehörigen. Unter größtem persönlichen Einsatz gelang es Kolonnenkommandant Michael Sommer, in seiner eigenen Werkstätte aus Autowracks die ersten Sanitätswagen zusammenzubauen und damit Rettung- und Krankentransportdienst zu ermöglichen. Dem Einsatz aller Beteiligten ist es zu verdanken, dass es bereits 1947 gelang, aus den Einnahmen den ersten neuen Krankentransportwagen der Nachkriegszeit, Marke Skoda, anzuschaffen. Gleichzeitig wurde in Bad Vöslau, Landegg und St. Veit mit dem Wiederaufbau der Rettungsstellen begonnen. Anna Exner wurde in den Dienst der Landesstelle übernommen und Sr. Maria Elsinger übernahm die Leitung des Verwaltungsdienstes.

 

Im Jahr 1949 übernahm Richard Kurtics die Bezirksstellenleitung. Nachdem er 1950 zum Präsidenten des Landesverband gewählt wurde, bekleidete Bezirkshauptmann Hofrat Carl Rupprecht diese Stelle bis zum Jahr 1953. Zu diesem Zeitpunkt trat Regierungsrat Walter Waldheim an seine Stelle. Während seiner Amtszeit wurde das Haus in der Rathgasse umgebaut. Die neuerbaute Garage für 10 Rettungswagen mit einem Verbindungsgang zum Hauptgebäude wurde 1957 in Anwesenheit des damaligen Außenministers Dr. Leopold Figl eingeweiht.

 

Den Anstrengungen der Kommandanten Michael Sommer und ab 1964 Karl Firtik ist es zu verdanken, dass trotz spärlicher Subventionen der öffentlichen Hand, die Ausstattung modernisiert und der immer anspruchsvoller werdende Rettungsdienst weitergeführt werden konnte.

 

Während der Flüchtlingswelle, die 1956 aus Ungarn nach Österreich kam, halfen viele Mitarbeiter der Bezirksstelle Baden bei der Betreuung mit. Flüchtlinge wurden von der Staatsgrenze in verschiedene Auffanglager transportiert, Verletzte wurden versorgt und Essen und Getränke verteilt.

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