29.11.2019 12:23

Rotes Kreuz NÖ startet Projekt für die Ukraine

Anfang November besuchte nun eine Delegation des ÖRK gemeinsam mit dem Roten Kreuz Niederösterreich die Westukraine, um Erstgespräche zum Projektstart zu führen. Präsident Josef Schmoll zeigte sich beeindruckt von den Aktivitäten der doch recht kleinen Rotkreuz-Mannschaft vor Ort, sieht aber auch dringenden Handlungsbedarf. Seine Eindrücke sprechen für sich.

Rotes Kreuz NÖ startet Projekt für die Ukraine
Fotocredit: Stefan Schocher

Ziel unseres ersten Besuchs vor Ort war es, erste Gespräche sowohl mit unseren Kollegen des Roten Kreuzes in Tschernowitz und Vizhnitsa zu führen als auch mit Vertretern der regionalen Regierung und Gemeindevertretern. Wesentlich waren aber auch die Besuche in der staatlichen Blutspendezentrale, in Krankenhäusern und im „Red Cross Center for Medical and Social Support and Rehabilitation“, die es uns ermöglicht, erste Eindrücke zu sammeln und den tatsächlichen Bedarf besser einschätzen zu können.

Was ich von diesem Besuch mitgenommen habe ist, dass Unterstützung dringend gebraucht wird: veraltete Fahrzeuge und Ausrüstung sind ebenso allgegenwärtig wie der Mangel an freiwilligen Helfern. Fakt ist, dass aufgrund der fehlenden beruflichen Möglichkeiten viele Menschen abwandern – übrig bleiben alte oder behinderte Menschen, die Hilfe benötigen. Das Red Cross Center lindert in der Region den Bedarf ein wenig – aber es reicht bei weitem nicht. Hier können alte Menschen, die von ihrer Pension kaum leben können und oft nicht einmal die nötigen Mittel haben, um heizen zu können, auf bis zu zwei Wochen unterkommen. Betreut werden zudem alte Menschen mit Behinderungen. Der Platz reicht aber kaum aus.

Unser Ziel ist es, mit dem gemeinsamen Projekt mit dem Roten Kreuz vor Ort, die Gewinnung und das Management von Freiwilligen zu verbessern, aber auch Curricula zu entwickeln, die die Ausbildung von freiwilligen Helfern im Bereich der Betreuungsangebote ermöglicht. In Niederösterreich haben wir die glückliche Situation, dass sowohl das Freiwilligenmanagement als auch die Angebote im Bereich der Seniorenbetreuung einen sehr hohen Stellenwert haben und unsere Kolleginnen und Kollegen über viel Erfahrung verfügen. Jetzt gilt es, hier aufzusetzen und einen Austausch zu ermöglichen. Wir stehen ganz am Anfang – aber jetzt ist wichtig, dass wir überlegt vorgehen, aber dennoch rasch die ersten Schritte einleiten.

Fact-Box

Die Ukraine ist mit etwas mehr als 600.000 m² der größte Staat in Europa. Die Krimhalbinsel und Teile der Ostukraine sind seit 2014 nicht mehr unter der Kontrolle der ukrainischen Regierung. Derzeit leben rund 42 Millionen Menschen in dem osteuropäischen Land.

 

Die Aktivitäten des Österreichischen Roten Kreuzes konzentrieren sich auf zwei Regionen. Im Westen in der Oblast Tschernowitz gibt es eine Kooperation mit dem regionalen Roten Kreuz, deren Ziel es ist, die Freiwilligenarbeit zu stärken und in den Bereichen Pflege und Katastrophenhilfe zu unterstützen.

 

Im Osten der Ukraine ist die humanitäre Lage auch knapp sechs Jahre nach Ausbruch des bewaffneten Konfliktes prekär. Insgesamt benötigen fast 3,5 Millionen Menschen Unterstützung, allein 600.000 Menschen leben entlang der so genannten Kontaktlinie, die das von der Regierung kontrollierte Gebiet und jenes der Separatisten trennt. Ihnen mangelt es an Gesundheitsversorgung und Einkommensmöglichkeiten. Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt in beiden Bereichen.

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