10.04.2019 14:17

Erstes Restoring Family Link - Center in Baden

Familienzusammenführung und Personensuche als Auftrag

Erstes Restoring Family Link - Center in Baden

Menschen „verschwinden“, weil sie die falsche politische oder religiöse Überzeugung, Sprache, Hautfarbe oder Herkunft haben. Oft sind auch Flucht oder Naturkatastrophen die Ursache für eine Trennung. Der Suchdienst des Österreichischen Roten Kreuzes unterstützt Menschen bei der Wiederherstellung des Kontaktes mit ihren Familienangehörigen bzw. bei der Klärung von Schicksalen aus dem Zweiten Weltkrieg – allein in Österreich wandten sich im vergangenen Jahr 799 Familien an das Rote Kreuz, um bei der Suche nach ihren Angehörigen zu helfen.
Das Rote Kreuz Niederösterreich setzt mit der Eröffnung des Restoring Family Link (RFL) -Centers in Baden auf einen leichteren, regionalen Zugang.

„Der Suchdienst ist schon seit langem ureigene Aufgabe des Roten Kreuzes und ist bereits in den Genfer Abkommen verankert. Diese Aufgabe wird nur vom Roten Kreuz durchgeführt und zwar weltweit, um Menschen zu helfen ihre Angehörigen zu finden“, erklärt Präsident Josef Schmoll, Rotes Kreuz Niederösterreich. „Zu wissen, wo meine Angehörigen sind, ist ein Menschenrecht. Deshalb vernetzt sich die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung auf der ganzen Welt und bietet den Suchdienst an.“

Um dieses Angebot nun auch verstärkt regionalisieren zu können – und damit den Zugang zu erleichtern – baut das Rote Kreuz die Angebote der Familienzusammenführung und des Suchdienstes nun durch eigene „Restoring Family Link Center“ weiter aus. Geplant ist, ein derartiges Center als Anlaufstelle für Betroffene in jedem Viertel Niederösterreichs zu etablieren. „Wir freuen uns natürlich besonders, dass das Rote Kreuz Baden hier einmal mehr Vorreiter in der Neu- und Weiterentwicklung von Rotkreuz-Angeboten ist“, meint Bezirksstellenleiter Gernot Grünwald. „Das Restoring Family Link - Center ist derzeit noch an der Bezirksstelle in Baden untergebracht – wird aber künftig in unserem neuen Haus der Menschlichkeit zu finden sein, das Ende Mai eröffnet wird.“

„Besteht der Wunsch nach einer Familienzusammenführung in Österreich, so berät das Rote Kreuz zu den rechtlichen Voraussetzungen und unterstützen im Familienzusammenführungsverfahren“, meint Schmoll. „Im vergangenen Jahr haben sich 799 Familien an das Österreichische Rote Kreuz gewandt. Mehr als 350 Familien konnten erfolgreich vereint werden.“ In den vergangenen drei Jahren wurden allein vom Roten Kreuz Niederösterreich 238 Fällen neu in die Betreuung der Personensuche aufgenommen. In der Familienzusammenführung konnten in diesem Zeitraum in Niederösterreich 365 Familien betreut werden, das sind insgesamt 1.429 Klient/innen.

Die neuen Family Restoring Link Zentren sollen als Erstanlaufstellen fungieren – von den Rotkreuz-Mitarbeiter/innen werden hier Beratung, Bearbeitung von Anträgen und das Einholen der benötigten Dokumente durchgeführt. Die weiterführende Bearbeitung der Anträge, die Kommunikation mit dem ÖRK, den österreichischen Botschaften und anderen Behörden bleibt weiterhin in der Verantwortung der Abteilung Migration & Suchdienst in der Landesverbandszentrale in Tulln.

Um die Integration der zusammengeführten Familien in Österreich zu begleiten, bietet das Rote Kreuz Niederösterreich mit dem Familien.Treffen zudem ein Projekt, in dem  geschulte Rotkreuz-Buddies diese Familien beim Ankommen in der neuen Heimat und dem Aufbau eines neuen Lebens in Österreich unterstützen.

Bei zwei Drittel der jährlich im ÖRK eingehenden Fälle handelt es sich um Menschen, die durch aktuelle Konflikte oder Migrationsbewegungen betroffen sind. Das dritte Drittel bilden jene Betroffenen, die durch weiter zurückliegende Konflikte bis hin zum zweiten Weltkrieg getrennt wurden – denn allein aus dem zweiten Weltkrieg gibt es nach wie vor rd. 20.000 ungeklärte Schicksale. Der größere Teil der vom Österreichischen Roten Kreuz gesuchten Personen stammt aus Kriegsgebieten und Krisengebieten wie Afghanistan (62 Prozent), Somalia (8 Prozent), dem Irak (5 Prozent), Syrien (4 Prozent) oder Eritrea (4 Prozent).


Tulln, am 10. April 2019


Fotocredit: RK NÖ/F. Schodritz



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Mag. Sonja Kellner, Andreas Zenker, MSc., MBA
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