17.10.2018 06:00

Armut kann jeden treffen: Mehr Achtsamkeit und Solidarität gegen Armutsgefährdung

Die Augen vor den Dingen zu verschließen, die einen nicht betreffen, ist einfach. Armut ist jedoch ein Thema, das jeden treffen kann. In Niederösterreich leben rund 1,6 Millionen Menschen, 13 Prozent davon sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Besonders betroffen sind ältere Menschen, alleinerziehende Frauen sowie Familien mit mehr als drei Kindern. „Armut ist ein Thema, das viel zu selten öffentlich diskutiert wird. Deshalb braucht es mehr Menschen, die sich solidarisch und engagiert einsetzen und das Thema nach außen tragen“, erklärt Präsident Josef Schmoll, Rotes Kreuz Niederösterreich.

Armut kann jeden treffen: Mehr Achtsamkeit und Solidarität gegen Armutsgefährdung
Fotocredit: ÖRK

„Vielen Menschen ist gar nicht bewusst was Armut bedeutet“, meint Schmoll. „Ob plötzliche Arbeitslosigkeit, Tod des Ehepartners oder Verlust des Hab und Guts aufgrund von Hochwasser oder anderen Katastrophen. Armut hat viele Formen und gerade auch ältere Menschen sehen sich oftmals mit diesem Thema konfrontiert. Was hier gefragt ist, ist vor allem der Mut zum sorgenden Blick – sorgend, indem man über die Familie hinaus auch einmal auf den Nachbarn schaut, um nur ein Beispiel zu nennen.“

 

Armut kann jeden treffen und das meist unmittelbar und unvorhergesehen. Viele können diese plötzlichen Situationen nicht bewältigen und rutschen immer tiefer in die Armut. „Leider passieren diese Dinge oftmals hinter verschlossenen Türen, weil sich die Betroffenen für ihre Situation schämen“, meint Thomas Wallisch, stv. Landesgeschäftsführer des Roten Kreuzes Niederösterreich. „Wie soll man also jemandem helfen, der scheinbar keine Hilfe braucht? Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, achtsamer zu werden und diesem Thema mehr Achtsamkeit und Solidarität zu schenken.“ Wichtig ist dabei auch, dass das Solidaritäts-Netzwerk innerhalb der Gemeinden verdichtet und ausgebaut wird. „Armut beginnt bereits im Kindergarten und der Schule. Mangelnde Bildung führt zu schlechtbezahlten Arbeitsplätzen und somit wieder zu Armutsgefährdung und in späterer Folge zu niedrigen Pensionen. Geldmangel und Existenzkampf führen auch zu einem schlechteren Gesundheitszustand und schließlich zu einem höheren Pflegebedarf. Der Bogen spannt sich also von der Geburt bis hin zum Begräbnis und Armut vererbt sich weiter – die Armutsspirale ist schwer zu durchbrechen. Solidarität und Hinschauen ist also in allen Altersgruppen dringend erforderlich.“

 

Das Rote Kreuz Niederösterreich setzt sich daher aktiv für armuts- und ausgrenzungsgefährdete Menschen ein und leistet dort Hilfe, wo diese dringendst benötigt wird. Mit den insgesamt 32 Team Österreich Tafeln in Niederösterreich werden Menschen versorgt, die sich den Kauf von Lebensmitteln nicht mehr so einfach leisten können. In Wiener Neustadt werden durch die Team Österreich Tafel beispielsweise bereits 157 Haushalte versorgt, in denen 14,6 Projekt Alleinerziehend sind. Insgesamt leben in diesen Haushalten in Wiener Neustadt 148 Kinder. „Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Hollabrunn“, erklärt Wallisch. „Hier werden insgesamt 106 Haushalte regelmäßig mit Lebensmitteln versorgt, 123 Kinder zählen zu den hier Betroffenen.“

 

Im Zuge der Team Österreich Tafeln wird vom Roten Kreuz vielerorts auch Sozialbegleitung angeboten. Die Rotkreuz-Mitarbeiter/innen übernehmen die Begleitung von Betroffenen und bieten organisatorische Hilfestellung zur Wiedererlangung der selbstständigen Handlungsfähigkeit. Sie unterstützen bei der Suche nach Lösungen in den Bereichen Finanzen, Wohnen, Arbeit, Familie etc. und informieren über bestehende Hilfsangebote und vermitteln an Beratungsstellen und Behörden. Mehr als 90 speziell geschulte freiwillige Mitarbeiter/innen des Roten Kreuz kümmern sich Niederösterreichweit in diesem Rahmen um Personen in schwierigen sozialen Situationen. Ziel ist es, die Klient/innen über einen gewissen Zeitraum zu unterstützen und mit ihnen gemeinsam auf die zuvor gesetzten Ziele hinzuarbeiten.

 

Auch mit den 18 HenriLäden – der Second Hand Boutique des Roten Kreuzes – werden armutsgefährdete/ oder -betroffene Menschen unterstützt. Hier kann jedermann einkaufen gehen und das eine oder andere Schnäppchen ergattern. „Der Reingewinn aus diesen Läden kommt wiederum jenen Menschen zugute, die Unterstützung benötigen“, erzählt Thomas Wallisch. „Übrigens kann jeder helfen, um im Kampf gegen Armut zu unterstützen: selbst aktiv werden und auf den Nachbarn achten, mitarbeiten oder auch entsprechende finanzielle und Kleiderspenden an unsere HenryLäden abgeben – durch Zusammenhalt kann vieles bewegt werden. Danke an alle, die hier bereits tolle Arbeit leisten.“

socialshareprivacy info icon