Blutkonserve alt

Die Schilderung der ersten bekannten Bluttransfusion lässt einem heute noch das Blut in den Adern gefrieren:
Im Juli 1492 gaben drei Zehnjährige dem im Sterben liegenden Papst Innozenz VIII. ihr Blut. Man erhoffte sich dadurch die Verjüngung des betagten Kirchenfürsten. Die drei Kinder überlebten das Experiment nicht, und auch der Papst blieb so krank wie zuvor.

Blut wurde auch von einem lebenden Hund auf einen anderen übertragen, Tierblut - etwa von Schafen - kranken Menschen verabreicht. Blut hat von je her nicht nur die Fantasie von "Zauberern" und Mystikern angeregt, die ihm magische Wirkung zugeschrieben haben. Noch heute bringen Naturvölker Blutopfer dar. Der rote Lebenssaft hat zu allen Zeiten auch das Interesse der Ärzte geweckt, die ihn zur Behandlung von Patienten einsetzen wollten.

Die meisten Experimente, die in den letzten Jahrhunderten durchgeführt wurden, erscheinen uns heute haarsträubend. Die naturwissenschaftliche Erforschung von Blut begann genau genommen erst vor knapp 100 Jahren. Vorher standen den Wissenschaftern die notwendigen Geräte wie Mikroskope und die erforderlichen Techniken für Experimente nicht zur Verfügung. Erst als der Wiener Arzt Karl Landsteiner in den Jahren 1901 und 1902 die Blutgruppen A, B und 0 entdeckte, war der Grundstein für die moderne Transfusionsmedizin gelegt.

 

1492 Papst Innozenz VIII. bekommt die erste "Frischzellenkur". Er bekommt das Blut von drei zehnjährigen Knaben zu trinken. Zuerst sterben die drei Kinder, dann der doch nicht so verjüngte Papst.

1615 Der Alchemist A. Libavius beschreibt die Möglichkeit wie "das arterielle, warme und gasreiche Blut vom Gesunden auf den Kranken überspringen wird".

1616 Entdeckung des Blutkreislaufes durch den englischen Arzt William Harvey.

1666 Erste dokumentierte Bluttransfusion von Hund zu Hund.

1667 Erste Tierblut-Mensch-Transfusion.

1668 Entscheidung eines französischen Gerichtes, dass nur Ärzte transfundieren dürfen und dass noch viele Versuche notwendig sind.

1788 Tierversuch. Es wird demonstriert, dass ein ausgebluteter Hund nur Blut zur Wiederbelebung benötigt. Entdeckung der Funktion des Blutes als Sauerstoffträger sowie die Erkenntnis dass artgleiches Blut besser ist.

1818 Erste Transfusion von Mensch zu Mensch: Ausgebluteten Frauen wird nach der Geburt ihres Kindes Blut transfundiert.

1820 Gerinnungsprobleme bei "Mensch zu Mensch"-Transfusionen und Rückfall in die Tierbluttransfusion.

1860 Erste Beschreibung der Blutplättchen.

1874 Erkenntnis, dass die Transfusion zwischen unterschiedlichen Spezies tödlich ist.

1900 Veröffentlichung der Blutgruppen (AB0-System) durch Karl Landsteiner.

1916 Es gelingt erstmals die Konservierung von Blut.

1919 In den USA wird im Rockefeller-Center die erste Blutbank gegründet.

1920 Erste Bluttransfusion in Österreich in der Klinik Eiselberg in Wien.

1924 Na-Citrat (Natrium-Citrat) wird zur Gerinnungshemmung des Blutes verwendet.

1930 Karl Landsteiner bekommt für die Entdeckung der Blutgruppen (AB0-System) den Nobelpreis für Medizin.

1940 Karl Landsteiner entdeckt den Rhesus-Faktor.

1947 beschließt das Österreichische Rote Kreuz, ein nationales Blutspendewesen auf der Basis von freiwilligen und unbezahlten Blutspendern einzurichten. Beginn und Aufbau eines modernen Blutspendesystems in Österreich.

1957 1. Kunststoff-Blutbeutel.

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