21.05.2019 17:16

„Caring Communities – Sorgenetze stärken“ im Zukunftsraum Eferding

Ein Modellprojekt des Österreichischen Roten Kreuzes in Kooperation mit der Karl-Franzens Universität Graz, gefördert vom Fonds Gesundes Österreich

„Caring Communities – Sorgenetze stärken“ im Zukunftsraum Eferding

Sorge für andere: aktuelle und zukünftige Herausforderungen

„Der demografische Wandel und die Ausdünnung der „sozialen Infrastruktur“ stellen unsere Gemeinden im Zukunftsraum Eferding mit Eferding, Fraham, Hinzenbach und Pupping vor neue Herausforderungen.“, sagt Caring Community Projektleiterin Eva Wurzinger vom Roten Kreuz Eferding und weiter:

 

„Beispielhaft sehen wir besonderen Bedarf für Menschen, die im hohen Alter einsam sind, bei Personen die ihre Angehörigen zuhause pflegen oder für Mitmenschen, die in „versteckter“ Armut leben oder in Obdachlosigkeit. Nicht nur aber für Menschen jeglichen Alters und jeglichen Hintergrunds in sozialer Isolation, sondern auch für Personen, die einer Minderheit angehören und vielleicht auch schwerer Zugang zu Hilfe und Teilhabe finden.“

 

„Bürgerschaftliche“ und „nachbarschaftliche“ Impulse für Sorge-Aufmerksamkeit

Vielfache Erfahrungen zeigen, dass es in der Regel viele Angebote gibt – aber diese werden nicht umfassend in Anspruch genommen und passende und adäquate Informationen kommen nicht an. Es gibt auch „versteckten“ Hilfebedarf, daher braucht es „bürgerschaftliche“ und „nachbarschaftliche“ Impulse für Sorge-Aufmerksamkeit und ein Zusammenspiel von formeller und informeller Hilfe.“, betont Bezirksstellenleiterin Michaela Schwinghammer-Hausleithner die Wichtigkeit dieses Pilotprojektes, welches parallel noch in Groß-Enzersdorf im Marchfeld (NÖ) ins Leben gerufen wurde.

 

Im Bezirk ist die Koordinationsstelle das Rote Kreuz Eferding, wo Eva Wurzinger als Nahtstelle zwischen den einzelnen Organisationen und dem Roten Kreuz die Fäden zieht. Nicht nur Caritas, Volkshilfe oder Hilfswerk sollen eingebunden werden, sondern auch Initiativen wie Selbsthilfegruppen, Pfarren, Bildungseinrichtungen, Behörden und so weiter. Ziel des zweijährigen Pilotprojektes ist es, zu erkennen, wo Bedarf ist. „Wo wir eindeutige Schwachstellen aufdecken, sollen neue Initiativen entstehen“, erklärt Wurzinger.

Die Grundidee von Caring Communities: Vernetzen, kommunizieren, informieren, getreu dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ gemeinsam zu helfen.

 

Multiplikatoren bei Auftaktveranstaltung im Bräuhaus gesucht

Daher lädt das Rote Kreuz alle Interessierten aus dem Zukunftsraum Eferding–Fraham–Hinzenbach–Pupping zu einer öffentlichen Auftaktveranstaltung am 11. Juni ab 16 Uhr ins Bräuhaus ein. Dabei sollen aus unterschiedlichen Themengruppen Multiplikatoren und sorgende Bürger für folgende Workshops hervorgehen. Dieses einzigartige Pilotprojekt wird von der Universität Graz wissenschaftlich begleitet. Aus den Erkenntnissen wird ein Handbuch mit Kontaktdaten der Ansprechpartner und praktischen Informationen herausgebracht.

 

Eine „Caring Community“ ist eine sorgende, fürsorgende Gemeinschaft im Zukunftsraum Eferding, in der alle Menschen Verantwortung übernehmen und Sorge tragen können. Somit steht Caring Community für ein neues Verständnis von subsidiärer und gemeinschaftlicher Verantwortung für jene Menschen in unserer wunderschönen Region, die für ein gutes Leben Unterstützung benötigen. Der Fokus liegt deshalb gezielt auf der Förderung von sozialem Kapital im Lebensumfeld der Bürgerinnen und Bürger.

 

Ein kluges Zusammenspiel von professioneller und „informeller“ Sorge und die Stärkung der lokalen Sorgenetze wird angestrebt. Genau diese Bewegungen stehen größtenteils in der Tradition eines Public Health Zuganges.

 

Im Mittelpunkt stehen dabei gezielt unsere familiären, nachbarschaftlichen, lokalen und regionalen Beziehungsnetze in Kooperation mit professionellen AkteurInnen, mit dem Ziel alternden und isoliert lebenden und vielleicht sogar sozial benachteiligten Mitmenschen eine soziale, politische und kulturelle Teilhabe sowie eine aktive selbstständige Lebensführung zu ermöglichen.

 

„Caring Communities“ – Sorgende Gemeinden

  • Machen die gelebte Hilfe-Kultur und die existierenden Angebote sichtbar(er)
  • Befähigen Bürgerinnen und Bürger zum Umgang mit zentralen Lebensfragen
  • Überlegen mit Bürgerinnen und Bürgern in der Gemeinde, wie Nachbarschaftlichkeit, sozialer Zusammenhalt, Sorge-Kultur und ein ‚Einander-im-Blick-Haben‘ gefördert werden können
  • Ermuntern die Vereine, Unternehmen, Kirchen, Organisationen der Gemeinde dazu, sich mit diesen Fragen der Sorgekultur in der Gemeinde zu beschäftigen und Ideen dazu zu entwickeln
  • Ermöglichen ein gutes und neues Zusammenspiel („Wohlfahrtsmix“) von professionellen Diensten, ehrenamtlichem Engagement, nachbarschaftlichen und informellen Beziehungen

 

Konkrete Ziele des Modellprojekts

Den Kern des Projekts bilden die 4 Workshops für „MultiplikatorInnen & sorgende BürgerInnen“, dafür suchen wir engagierte Menschen, ‚Schlüsselpersonen‘ zum Thema. In den Workshops werden vielfältige Formen der Aktivierung, des Gesprächs und der (kreativen) Sensibilisierung entwickelt und von den TeilnehmerInnen dann in den Gemeinden (z. B. in Vereinen, Schulen, Betrieben, Nachbarschaft, Kulturbereich) umgesetzt.

 

Dokumentationen dieser Gespräche und ‚Events‘ werden ausgewertet, in die Workshops zurückgespielt und dienen als Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung von Initiativen und Maßnahmen. Zwei öffentliche Veranstaltungen für die breite Bevölkerung und das Netzwerk sollen entsprechende Aufmerksamkeit für die Sorgekultur im Zukunftsraum Eferding schaffen. Laufende Projekt- und Steuerungsgruppen-Treffen, Kommunikation und wissenschaftliche Begleitung bilden den Rahmen. Als „Produkt“ entsteht ein Handbuch „Caring Communities“.

 

Im Vorfeld der Projektentwicklung haben folgende Unterstützer mittels „Letter of Intent“ ihre Zusage bestätigt:

 

  • Bezirkshauptmannschaft Eferding
  • Sozialhilfeverband Eferding
  • Regionalentwicklungsverband Eferding
  • Stadtamt Eferding
  • Gemeinde Fraham
  • Gemeinde Hinzenbach
  • Gemeinde Pupping
  • Gesunde Gemeinde Pupping
  • OÖ Gebietskrankenkasse
  • Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule Eferding
  • Neue Sportmittelschule Eferding Süd
  • Volksschule Nord

Foto: ÖRK

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