11.08.2017 16:50

Zwei Männer und ein Rotkreuz-Auto

Im März 1969 gründete sich auf Initiative des Tischlermeisters Johann Offenthaler die Rotkreuz-Ortsstelle Waldhausen: Karl Holzer und Josef Hundegger waren in dieser historischen Stunde bereits mit dabei. Damit überblicken sie fast fünf Jahrzehnte Strudengauer Rotkreuz-Geschichte.

Zwei Männer und ein Rotkreuz-Auto

Nach ihrer Sanitäter-Ausbildung hatten sie im Frühjahr 1969 gleich jede Menge zu tun: eine Paratyphus-Epidemie war ausgebrochen. „Wir haben sehr viele Krankentransporte in alle Spitäler des näheren Umkreises und darüber hinaus gehabt“, erzählt der 88-jährige Karl Holzer. „Die Sache ist aber medial ziemlich aufgebauscht worden … In einer französischen Zeitung ist sogar gestanden, dass in Waldhausen die Toten auf den Straßen liegen“, ergänzt der drei Jahre jüngere Josef Hundegger lachend. „In Wahrheit ist den rund 50 Betroffenen nichts wirklich Ernsthaftes passiert.“
Die beiden rüstigen Herren waren auch im zivilen Leben Kollegen: der jüngere diente unter dem älteren als Gemeindebeamter, bevor er ihn nach dessen Pensionierung 1989 für drei Jahre – bis zum eigenen Ruhestand – als Amtsleiter beerbte. Als öffentlich Bedienstete genossen sie das Privileg der Tagesverfügbarkeit, des Öfteren sprangen sie daher kurzfristig ein. „Unsere Dienststelle war in den ersten Jahren im Gasthaus Schauer; der Wirt hat auch fast als einziger im Ort ein Telefon mit Dauerverbindung gehabt: wenn er in der Nacht einen Notfall reinbekommen hat, ist er aufs Moped gesprungen und hat einen Rotkreuz-Fahrer verständigt; der ist zur Garage gefahren und hat dann eine ‚Schwester‘ geholt, indem er z. B. mit einer für diesen Zweck angebrachten Dachlatte am Schlafzimmerfenster im 1. Stock geklopft hat“, geben die beiden Rotkreuz-Geschichten aus der kommunikationstechnischen Frühzeit zum Besten. Mindestens alle 14 Tage, eher öfter, haben die beiden – übrigens niemals zusammen – Dienst als Sanitäter gemacht. Der ehemalige Kraftfahrer Josef Hundegger war zusätzlich für die Wartung des Autos zuständig.
2001 sind sie dann in der neu installierten Rotkreuz-Sparte Essen auf Rädern eingestiegen, nachdem sie im Rettungsdienst altersbedingt ausgeschieden waren. So fahren sie nach wie vor regelmäßig mit roter Jacke durch die hügeligen Weiten von Waldhausen und Umgebung und bringen einen Mittagstisch und freundliche Worte zu den Menschen. Und warum? „Wir mögen halt die Leute und das Gefühl, helfen zu können“, so beide unisono. Danke, meine Herren, für diese beeindruckende Lebensleistung!

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