18.01.2019 14:52

25 Jahre Notarztdienst im Bezirk Perg

Am 17. Jänner 1994, 7.04 Uhr, rückte das neu installierte Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) das allererste Mal aus. Bis heute wurde das hiesige NEF-Team zu jeder Tages- und Nachtzeit rund 22.500 Mal angefordert. Die Chancen, schwere Unfälle oder lebensbedrohliche, akute Krankheiten zu überleben, sind damit in unserer Region beträchtlich gestiegen. Das weiß auch Gabriele P.

25 Jahre Notarztdienst im Bezirk Perg
Notarzt-Team im Einsatz
Notfallsanitäter Offroad-Training
1. Notarzt-Einsatz-Fahrzeug vor 25 Jahren

Es ist Heiliger Abend. Wie jeden Tag, nimmt die 56-Jährige ihre Medikamente ein. Nach einer Weile spürt sie, dass ihr Rachen anschwillt und das Atmen schwerer fällt. Da sie mit allergischen Reaktionen Erfahrung hat und kein Risiko eingehen möchte, wählt sie selbst den Rot-kreuz-Notruf, packt eine Tasche und geht zur Haustüre. „Gleich danach setzt meine Erinnerung aus“, erzählt die Mutter eines erwachsenen Sohnes. Hier die Rekonstruktion: Das NEF-Team – Dr. Philipp Karner und Thomas Leonhartsberger – und die gleichzeitig eintreffende Besatzung des Rotkreuz-Rettungswagens nehmen die Frau in Empfang und beginnen im Auto mit der Therapie, die leider nicht anschlägt. Da sich die Lage zuspitzt, entschließt sich der Arzt zur Intubation. Aber der herkömmliche Weg, den Beatmungsschlauch durch den Rachen einzuführen, ist buchstäblich verschlossen – es bleibt als letzte Möglichkeit nur ein Luftröhrenschnitt. Der Eingriff (der erste seiner Art in 25 Jahren Perger Notarztgeschichte) gelingt und Frau P. kann künstlich beatmet und stabilisiert werden. Danach wird sie vom Rettungswagen unter notärztlicher Begleitung in ein Linzer Spital gebracht, wo sie intensivmedizinisch weiterversorgt und 14 Tage später gesund entlassen wird.

Hier wird sichtbar, was Notärzte und ihre Sanitäter leisten, tagtäglich: 2018 fuhr das jeweils diensthabende Perger NEF-Team in ihrem geländegängigen VW Amarok genau 1.190 Mal aus, was gegenüber den 600 Einsätzen von 1994 eine Verdopplung bedeutet. „Zurückzuführen ist dieses Plus einerseits auf das Wachsen und Altern der Bevölkerung, andererseits auf die mit der zunehmenden Etablierung verbundene höhere Nachfrage“, erklärt der leitende Notarzt Dr. Walter Mitterndorfer. „Seit Anfang an sind in Perg ausnahmslos Anästhesisten tätig, was ein großes Qualitätsmerkmal ist. Meine Notarztkollegen hier sind alle am Kepler Universitätsklinikum, Med Campus III (vormals AKh), beschäftigt.“

Als ihre Fahrer und Assistenten wirken vier hauptamtliche und drei freiwillige Notarztsanitäter, die neben einer fundierten medizinischen auch eine fahrerische Ausbildung durchliefen. Ihr Leiter, Andreas Neulinger, dazu: „Wir können unser Allrad-Fahrzeug auch in unwegsames Terrain steuern und bringen damit den Arzt auf raschestem Wege zum Patienten – einer der Vorteile des flexiblen NEF-Systems.“

Notfallmedizin ist unbedingt Teamwork, einer allein vermag wenig. Das gilt neben dem bereits Erwähnten auch für die Zeit bis zum Eintreffen am Unglücksort. „Die unmittelbaren Minuten nach Auftreten des Notfalls sind die alles Entscheidenden“, weist Egon Leitner, der seit Anfang an am NEF Perg als Sanitäter fährt, auf die Verantwortung der dort Anwesenden hin. „Ohne Erste Hilfe, die dem Patienten von seinen Angehörigen oder seinen Kollegen zuteil-wird, sind seine Überlebenschancen auch bei späterer professioneller Versorgung eher gering.“ Der Notarzt ist nur so gut wie die Ersthelfer vor ihm. Das sollte uns allen Verpflichtung sein, entsprechende Kurse zu besuchen.

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