18.03.2015 13:39

Gastkommentar: Wo bleibt der Notarzt?

Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer formuliert in einem Gastkommentar für die Ärztewoche Bedenken gegen die neue Arbeitszeitrichtlinie für angestellte Ärzte. Ein Plädoyer für den freiberuflichen Notarzt.

Gastkommentar: Wo bleibt der Notarzt?


Wie schnell wird in Zukunft der Notarzt kommen? Und wird er überhaupt kommen? Die Antwort darauf ist derzeit ungewiss. Bereits jetzt sind immer wieder Notarztdienste unbesetzt. Es gab schon Fälle, bei denen der Notarzt aus einem benachbarten Bezirk anrücken musste.

 

Die Lage ist angespannt – und wenn nicht alle Verantwortlichen effektiv an einer Lösung arbeiten, wird sie sich noch weiter verschlechtern. Das notarztgestützte Rettungssystem in Österreich ist ein bewährtes Modell, das die beste Versorgung bietet. Die Arbeitszeitbeschränkung für angestellte Ärzte bringt dieses Modell  ins Wanken.

 

Wenn die Richtlinie umgesetzt wird und Ärzte maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, werden sie in dieser Zeit primär im Krankenhaus und nicht für  den Notarztdienst eingeteilt, damit die Versorgung in den Spitälern gesichert ist.

 

Wir glauben, dass genügend Notärzte zur Verfügung stehen und wir – wie bis vor einigen Jahren –  den Notarztdienst auf Werkvertragsbasis ausreichend besetzen können. Allerdings ist das nach Ansicht der Gebietskrankenkassen und des Sozialministeriums rechtlich nicht möglich. 

 

Bis zum Jahr 2010 war das freiberufliche Modell kein Problem, seither wird es allerdings blockiert. Beim freiberuflichen Notarztdienst geht es nicht darum, Mediziner auszubeuten oder ihre Überarbeitung zu forcieren. Durchschnittlich kommen auf einen Notarztstützpunkt des Roten Kreuzes drei Einsätze in 24 Stunden.

 

Das bedeutet für Patienten eine hochqualitative Versorgung durch Notfallmediziner mit klinischem Hintergrund und gleichzeitig für die Ärzte wertvolle Erfahrungen in der präklinischen Notfallmedizin. Für das weitere Funktionieren des Notarztsystems ist eine rasche österreichweite Regelung notwendig, mit der tragbare Arbeitsbedingungen für Ärzte geschaffen werden und gleichzeitig die Möglichkeit besteht, zusätzlich zur Arbeit im Krankenhaus  Notarztdienste zu übernehmen.

 

Die flächendeckende Versorgung mit Notärzten ist Verantwortung der Politik. Deshalb muss, im Sinne von allen Notfallpatienten, hier ein Umdenken stattfinden.  

Gastkommentar von ÖRK-Präsident Gerald Schöpfer, erschienen am 19. März 2015 in der Ärztewoche.

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