05.11.2019 13:41

Telefonische Gesundheitsberatung 1450 startet

Gesundheitliche Beschwerden bzw. Krankheiten halten sich nicht an Öffnungszeiten. Und viele Menschen sind bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen unsicher, ob eine medizinische Behandlung notwendig ist. Heute wird deshalb offiziell in Salzburg die telefonische Gesundheitsberatung „Wenn´s weh tut! 1450“ gestartet.

Telefonische Gesundheitsberatung 1450 startet

Unter der Rufnummer 1450 (ohne Vorwahl) berät ab sofort besonders medizinisch geschultes, diplomiertes Krankenpflegepersonal Hilfesuchende, wenn die Gesundheit plötzlich Sorgen macht. Die Anrufenden erhalten über diese neue Säule im Gesundheitssystem kompetente, qualitätsgesicherte Verhaltensempfehlungen nach der Abfrage ihrer Symptome. Im Bedarfsfall wird der Weg zur richtigen Behandlungsstelle gewiesen. Die Diagnose findet wie gewohnt bei den Ärztinnen und Ärzten statt.

Nach dem Vorbild vieler anderer europäischer Länder wie Großbritannien oder der Schweiz wird nun auch in Österreich die telefonische Gesundheitsberatung flächendeckend ausgerollt. Es handelt sich dabei um ein ergänzendes, telefonisches Erstkontakt- und Beratungsservice. Durch das neue Angebot wird der Zugang zur medizinischen Versorgung für die Salzburgerinnen und Salzburger spürbar vereinfacht. 1450 ersetzt keine ärztliche Behandlung. Das Angebot ist aber die erste, niederschwellige Anlaufstelle bei neu aufgetretenen oder akut gewordenen Beschwerden und der ideale Wegweiser durch das große Angebot der unterschiedlichen Gesundheitsdienstleister.
Vor allem bei Kindern oder älteren Menschen beunruhigen plötzlich auftretende Symptome. Etwa wenn mitten in der Nacht der Zahn pocht, es am Sonntag im Bauch krampft oder ein Insektenstich stark anschwillt. Dann wissen Betroffene oft nicht, was zu tun ist. Können die Schmerzen selbst behandelt werden, soll am nächsten Tag ein Hausarzt aufgesucht werden oder ist die Behandlung durch einen Facharzt bzw. in einer Notfallambulanz erforderlich? 1450 ist dafür rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr bei gesundheitlichen Problemen erreichbar. Die Hilfesuchenden bekommen unkompliziert und qualitätsgesichert Auskunft über die Dringlichkeit ihrer Beschwerden.

 

 

Das neue Angebot bietet zahlreiche Vorteile:

· kostenlos und ortsunabhängig
· freiwillig und niederschwellig – jede/r kann mit allen Gesundheitsfragen anrufen (keine Vorselektion)
· die Anrufe sind zeitlich nicht limitiert (möglichst hohe Sicherheit für die Anrufenden)
· unkompliziert und schnell bei der Einholung von Informationen, Rat und Hilfe
· effizient durch die Reduktion von unnötigen Behandlungen, Fahrten sowie Wartezeiten
· qualifiziert durch Beratungen durch speziell geschultes Krankenpflegepersonal (DGKP wegen der
Erfahrungen im Akutbereich)
· qualitätsgesicherte Verhaltensempfehlungen auf Basis des medizinisch-wissenschaftlichen Leitfadens
· doppelt sicher durch die schnelle Verbindung mit allen Notrufnummern

So laufen die Gespräche ab

Im ersten Schritt werden die persönlichen Daten der Anrufenden erfasst und es wird geklärt, ob es sich um einen Notfall handelt. Bei Notfällen wird sofort die Rettungskette ausgelöst. Braucht es dagegen im zweiten Schritt eine Gesundheitsberatung, so erhalten die Personen diese durch das medizinische Fachpersonal.
Die Gesundheitsberaterinnen und -berater werden bei den Gesprächen durch ein protokollgestütztes, medizinisch-wissenschaftliches Expertensystem unterstützt. Basierend auf den geschilderten Symptomen wird in einem ausführlichen Gespräch das vorliegende Zustandsbild beurteilt, schwerwiegende und zeitkritische Krankheitsbilder werden identifiziert bzw. ausgeschlossen. Dabei werden natürlich auch Faktoren wie Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen berücksichtigt. Je nach Symptomen werden dann Selbstbehandlungen oder der sinnvollste persönliche Weg durch das Gesundheitssystem empfohlen. So erhalten die Menschen zielgenau die nötige Hilfe am „Best point of service“. Bei Unklarheiten oder heiklen Fällen halten die Beraterinnen bzw. Berater mit einer Ärztin bzw. einem Arzt Rücksprache.
Die meisten Anrufe gehen in den frühen Morgenstunden (ca. 6 bis 9 Uhr), am Abend (ca. 16 bis 21 Uhr) sowie an den Wochenenden ein. Zu den häufigsten Anrufgründen zählen: Erbrechen, Schwindel, Insektenstiche, Brust- und Rückenschmerzen, Erkältungen und grippale Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen sowie Bauchschmerzen, Fieber und Krämpfe bei Kindern, Augen-Entzündungen, Ohrenschmerzen, Vorsorgeuntersuchungen, Ernährungsfragen, psychische Probleme, Schwangerschaft und Verhütung oder Suchtprobleme. Es gibt natürlich auch saisonale Schwankungen, in der warmen Jahreszeit gibt es etwa vermehrt Anrufe zu Allergien, Sonnenbränden, Hitzebeschwerden oder Zeckenstichen.

 

Spezialisierte Fachkräfte

Die speziell geschulten Mitarbeitenden des Roten Kreuzes bestehen ausnahmslos aus diplomierten, erfahrenen Krankenpflegepersonen. Diese wurden auch in ihrer Sozial- und Kommunikationskompetenz geschult und mit regelmäßigen Fortbildungen auf dem Laufenden gehalten. Im Echtbetrieb konnten sich die Mitarbeitenden bereits während der Schulungsphase in Oberösterreich bewähren und entsprechende Erfahrungen mit dem System und den Anrufenden sammeln.

Welchen Unterschied macht 1450?

Der Unterschied durch das neue Angebot 1450 wird schnell klar: Es ruft z. B. eine Person mit nicht traumatischen, also nicht unfallbedingten Rückenschmerzen an. Vor 1450 wurde diese Person vielfach – mangels Alternativen – mit einem Rettungsdienst versorgt. Und nicht selten landeten sie in einer Ambulanz bzw. in einem Krankenhaus. Nun erfolgt über 1450 eine genaue, strukturierte Abfrage der Beschwerden und Umstände. Das gesamte System ist auf der Dringlichkeitseinschätzung der aktuell vorhandenen Symptome aufgebaut.

Nach der Abklärung und dem Ausschluss von Notfall-Symptomen ist es vielfach möglich, die betroffene Person sicher und zielgenau zur alternativen, richtigen Behandlung im niedergelassenen Bereich zu lotsen – ohne Einsatz von Rettungswägen und Notfallambulanzen. Abhängig von Tageszeit und Aufenthaltsort planen die Beraterinnen bzw. Berater gemeinsam mit der hilfesuchenden Person die weitere Versorgung. Das kann z. B. die Empfehlung zur Konsultation des Hausarztes oder zum Besuch einer Notfallaufnahme in einem Spital sein. Oder die beschriebene Person wird z. B. am Abend oder am Wochenende zum diensthabenden Arzt bzw. der diensthabenden Ärztin in der Nähe empfohlen. Jedenfalls bekommt die Person rasch die richtige medizinische Hilfe auf dem richtigen Versorgungslevel. 1450 klärt also schnell und sicher, welche Beschwerden (Was?) an welchem Ort (Wo?) zu welcher Zeit (Wann?) von welcher Person (Wer?) in welcher Form (Wie?) behandelt bzw. weiterbetreut werden sollen.

 

Steuerung zum „Best point of service“

Das neue System ermöglicht somit erstmals eine Steuerung (Triage) zum „Best point of service“. Aus internationalen Erfahrungen ist bekannt, dass viele Menschen die Dringlichkeit ihrer gesundheitlichen (Not-)Fälle falsch einschätzen. Langjährige Erfahrungswerte zeigen, dass es sich bei vier von fünf Fällen um keinen Notfall handelt. Bei den Einschätzungen durch die Betroffenen spielen auch die vielfach nicht gesicherten (Fehl-)Informationen aus dem Internet eine Rolle. Mit 1450 sollen vor allem die Spitalsambulanzen entlastet werden: Zwei Drittel der bisherigen Anrufenden wurden nach den Beratungen über 1450 zu Hausärzten, Fachärztinnen oder Therapeuten weitergeleitet - die Patientinnen und Patienten bleiben möglichst in der hausärztlichen Versorgung. Rund ein Fünftel der bisherigen Anrufenden in Wien gab z. B. an, dass sie ohne die telefonische Gesundheitsberatung in eine Ambulanz gefahren wären. Internationale Daten zeigen weiters, dass rund die Hälfte (zwischen 50 und 60 Prozent) aller telemedizinischen Fälle abschließend behandelt werden können – ohne weitere Aktivitäten im Gesundheitssystem.

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