07.07.2010 09:28

Haiti: Kleines Wunder im Rotkreuz-Spital

Mit einem Gewicht von nur 1,2 Kilo ist Baby Stacey ein statistisches Wunder. Die kleine Haitianerin kam 12 Wochen zu früh auf die Welt - im RK-Hospital in Carrefour. Auch österreichische Ärzte wie der Salzburger Chirurg Dr. Helmut Probst helfen dort.

Haiti: Kleines Wunder im Rotkreuz-Spital

"Als ich sie im Kreißsaal sah, wusste ich nicht, ob sie überleben würde", sagt Dr. Zubair Masood, Kinderarzt im Feldspital. "Sie war so klein, sie passte auf meine Handfläche."

 

Bei ihrer Geburt wog Stacey nur 810 Gramm und ist damit eines der kleinsten Babys, das im Feldkrankenhaus auf die Welt kam, seit seine Zelte im Fußballstadion von Carrefour aufgeschlagen sind. Aber als das kleine Mädchen es durch die ersten wichtigen Tage geschafft hatte, wusste Dr. Masood: "Das Baby wollte nicht sterben."

 

"Wir haben keine spezielle Intensivstation für Babys mit Inkubatoren, Ventilatoren, Wärmestrahlern und anderen Möglichkeiten, um den Frühgeburten beim Atmen zu helfen, sie warm und frei von Keimen zu halten", erklärt der österreichische Rotkreuz-Arzt Helmut Probst. "Aber wir haben Ärzte und Krankenschwestern, die sich mit viel Engagement um die Rettung der kleinen und großen Haitianer einsetzen."

 

Die Hilfsorganisationen haben mit ihren Feldspitälern die Anzahl der Krankenhausbetten in Haiti vervielfacht. Dadurch ist auch ein gewisse Spezialisierung entstanden. "Wir sind soetwas wie die Neonatologie von Haiti", erklärt der Salzburger Chirurg, der seit Anfang Juli in Haiti im Einsatz ist.

 

Zahlreiche Geburten – viele zu früh

 

Seit das Krankenhaus am 28. Jänner eröffnete, wurden 815 Babys geboren, durchschnittlich 40 pro Woche. Es gibt zwar keine Statistik über die die Zahl der Frühgeburten, doch Dr. Probst kann bestätigen, dass zahlreiche Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. 

 

"Frühgeburten sind sicherlich eine Spätfolge der Katastrophe - sie werden durch viele Faktoren beeinflusst, aber die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mutter ist der Schlüssel", sagt Dr. Probst.

 

Viele der Frauen mit Frühgeburten sind den sehr schwierigen und belastenden Bedingungen in den Notunterkünften ausgesetzt.

 

Hilfe beim schweren Start

 

Außerhalb des Krankenhauses erwarten Mütter und Babys riesige Herausforderungen. "Nach ihrer Entlassung müssen sie ihre Töchter und Söhne während der kritischsten Monate ihres Lebens in einem Zelt oder unter einer Plane großzuziehen," berichtet der Rotkreuz-Arzt. "Die Nachsorge wird ein Thema, aber die einheimischen Ärzte sind fit und gut ausgebildet."

 

Schon vor dem Erdbeben, waren die Chancen für Kinder unter einem Jahr in Haiti schlecht: Ganze 25 Prozent der Babys wurden untergewichtig geboren und nur 50 Prozent der Säuglinge waren gegen Krankheiten wie Masern, Polio und Keuchhusten geimpft. Fast sechs Prozent der Kinder starben vor ihrem ersten Geburtstag.

socialshareprivacy info icon