Familien in Quarantäne

Kindergärten und Schulen zu, die Eltern im Homeoffice, Großeltern keine Option: Das ist der Alltag vieler Familien in Zeiten des Coronavirus. Den ganzen Tag zu Hause zu verbringen sind die meisten Familien aber nicht gewöhnt. Gerade mit Kindern und Jugendlichen im Haushalt, kann die aktuelle Situation die einzelnen Familienmitglieder durchaus auf die Probe stellen!

 

Wir haben dazu einige Tipps, diverse Angebote zum Zeitvertreib und Materialien für verschiedene Altersstufen zusammengestellt, damit das Durchhalten auch weiterhin gut klappt.  

Die Kleinsten: 0-2 Jahre

Eltern übertragen ihre Ängste.©McCutcheon

Die Kleinsten orientieren sich an den Eltern. Sie spüren Stress, Angst oder Trauer und werden unsicher. Säuglinge und Kleinkinder reagieren darauf häufig mit Unruhe, vermehrtem Weinen oder einem erhöhten Bedürfnis nach Körperkontakt. Um ihr Grundbedürfnis nach Schutz und Sicherheit zu stillen, haben wir ein paar Verhaltensempfehlungen für Sie zusammengestellt.

ROTKREUZ-TIPPS

  • Achten Sie auf sich selbst und versuchen Sie Ruhe auszustrahlen
  • Kontakt (auch telefonischen) zu Personen meiden, die sie runterziehen
  • Aufmerksamkeit auf Positives lenken
  • Machen Sie es Ihrem Kind nach: leben Sie im Augenblick!
  • Machen Sie Pausen!
  • Seien Sie pragmatisch: Nicht alles muss perfekt laufen
  • Kuscheln Sie mit den Kindern: das durch Körperkontakt ausgeschüttete Bindungshormon Oxytocin beruhigt Sie und das Kind gleichermaßen
  • Alltagsroutinen einhalten: das schafft Sicherheit und gibt Vertrauen

Das Kindergartenkind: 3-6 Jahre

Kindergartenkinder brauchen Stabilität. ©libs

Wie die Allerkleinsten orientieren sich auch Kindergartenkinder stark am Verhalten der Eltern. Die Gefühle werden durch die Reaktionen der Bezugspersonen verstärkt. Der Vorteil von Kindergartenkindern gegenüber Kleinkindern und Babies: Sie können sich artikulieren. Der Nachteil: Die sprachlichen Fähigkeiten reichen manchmal ebenso wenig aus wie das Verständnis für die aktuelle Lage. Manche Kinder werden in Ausnahmesituationen wie dieser unruhig, sind aggressiv, weinerlich oder suchen mehr Zuwendung. Manchmal reagieren Kinder dieser Altersspanne mit psychosomatischen Symptomen, wie z.B. Bauchschmerzen.

ROTKREUZ-TIPPS

  • Erklären Sie Ihrem Kind die Lage dem Alter entsprechend.
  • Hängen Sie mit Ihrem Kind die Hygiene-Poster von Gemeinsam Lesen auf und lassen Sie es Ihr Kind gleich ausprobieren!
  • Beantworten Sie dem Kind alle Fragen und zeigen Sie Verständnis für Unmut.
  • Fördern Sie den Kontakt zwischen Kind und Verwandten oder Freunden über Skype, WhatsApp, Telefon,...
  • Helfen Sie dem Kind dabei einen Brief oder eine Zeichnung per Post an seine Freunde zu schicken.
  • Strukturieren Sie den Tag, auch wenn Sie den ganzen Tag zu Hause sind.
  • Nutzen Sie die Chance und binden Sie Ihr Kind in kleinere Tätigkeiten im Haushalt mit ein.
  • Überlegen Sie sich - je nachdem was die Wohnsituation zulässt - Bewegungsspiele.

Das Schulkind: 7-12 Jahre

Schulkinder brauchen Regeln und Verständnis.©stem_t4l

Schulkinder können sich ausdrücken und wollen alles verstehen. Der Austausch mit anderen ist sehr wichtig, jedoch reagieren Schulkinder auch auf die Anspannung von Erwachsenen. In diesem Alter können verstärkt Ängste auftreten, z.B., dass eine nahestehende Person krank werden könnte. Auch Streit kann ausbrechen, weil die Kinder sich gegen den Tagesablauf oder Regeln stellen.

ROTKREUZ-TIPPS

  • Lesen Sie mit Ihrem Kind die neuen Schülerzeitschriften und lösen sie gemeinsam die Rätsel.
  • Helfen Sie mit, in dem Sie ihrem Kind die derzeitige Situation rund um Corona erklären. Informationen dazu finden Sie im Infopaket von Gemeinsam Lesen.
  • Signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft, konfrontieren Sie Ihr Kind aber nicht andauernd mit dem Thema
  • Wissbegierig, gleichgültig oder ängstlich: Sie kennen Ihr Kind am besten und wissen was es braucht!
  • Bieten Sie Ihrem Kind neben den schulischen Aufgaben, die es erledigen muss, die Möglichkeit sich kreativ auszudrücken, sich zu bewegen und Pläne für die Zeit nach der Quarantäne zu schmieden.
  • Erlauben Sie Ihrem Kind altersgerechten Medienkonsum, auch um mit Freunden in Kontakt zu sein.
  • Beziehen Sie Ihr Kind in die Tagesplanung mit ein! So fühlt sich das Kind nicht so machtlos.

Jugendliche: 13-18 Jahre

Keine Freunde, kein Sport, kein Ausgehen - Teenager daheim.©portraitofsan

Jugendliche wollen meistens mit Freunden unterwegs sein. Den ganzen Tag zu Hause zu sein ist für diese Altersgruppe ein große Herausforderung. Konflikte, Stimmungsschwankungen, aber auch psychosomatische Beschwerden, können auftreten (z.B. Kopfschmerzen, Rückzug oder aber auch vermehrtes Suchen nach Nähe und Aufmerksamkeit).

ROTKREUZ-TIPPS

  • Legen Sie den Jugendlichen die Peer Beratung time4friends des Österreichischen Jugendrotkreuzes ans Herz 
  • Schauen Sie mit Ihrem jugendlichen Kind seriöse Nachrichten und sprechen Sie über den Inhalt
  • Bringen Sie auch Fakenews zur Sprache. #humanity bietet viele Übungen, wie Jugendliche (oder man selbst) beispielsweise HOAXES erkennen kann.
  • Medienkonsum sinnvoll gestalten: Seien Sie ein Vorbild!
  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass es um die Verantwortung gegenüber Älteren und Kranken geht.
  • Wenn die Möglichkeit besteht: Lassen Sie den Teenager - natürlich mit guter Planung und Beachtung der Sicherheit - etwas Gutes tun (Hund der alten Nachbarin spazieren führen, Einkäufe erledigen lassen,...)
  • Lassen Sie das Kind die Tagesstruktur mitgestalten.
  • Erteilen Sie ihrem jugendlichen Kind Aufgaben im Haushalt, Garten usw., die es erledigen kann.
  • Drücken Sie ein oder auch zwei Augen zu, wenn Ihr Kind viel Zeit beim Chatten, Telefonieren oder WhatsAppen verbringt.
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