24.12.2002 11:25

Brief an das Christkind

Armut: Was die nächste Bundesregierung zur Beseitigung der tristen Situation machen sollte. Gastkommentar von Fredy Mayer erschienen in der Tageszeitung die Presse am 24. Dezember 2002

Nun liegt sie schon fast wieder hinter uns, die "stillste Zeit" des Jahres - doch neben Besinnung auf das Gute im Menschen, auf die Familie und die Herbergssuche ist auch die Bildung der neuen Regierung im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Es ist schon lange her, daß ich einen Brief schrieb, der mit "Liebes Christkind . . ." begonnen hat, denn die Art der Beantragung von Weihnachtswünschen hat sich für mich geändert mit der Zeit. Doch heute will ich wieder - mit derselben Vorfreude auf die Erfüllung meiner Wünsche - einen derartigen Brief schreiben. Empfänger ist allerdings nicht das Christkind, sondern die neue Regierung, wer auch immer in ihr vertreten sein wird.

Wir wissen ja heute schon, daß sich die Anzahl der hilfs- und pflegebedürftigen Menschen bis zum Jahr 2011 von derzeit 550.000 um etwa ein Drittel auf knapp 800.000 erhöhen wird.

80 Prozent dieser hilfs- und pflegebedürftigen Menschen werden innerhalb der Familie versorgt, das heißt jede vierte Familie in Österreich ist mit dieser Thematik früher oder später konfrontiert. Hier wünsche ich mir von unserer neuen Regierung auf der einen Seite klare und nachhaltige Maßnahmen zur Finanzierung dieses steigenden Pflegebedarfs. Denn gerade im Bereich der Pflege am Ende des Lebens, sollte es keine "Mehrklassengesellschaft" geben, weder geteilt nach dem Einkommen, noch nach regionalen Gesichtspunkten.

Auf der anderen Seite wünsche ich mir, daß sich auch die Rahmenbedingungen für das "pflegende Personal" ändern. Bereits jetzt herrscht in vielen Regionen ein Mangel an qualifiziertem Personal - wenn gleichzeitig die Betreuungsfälle steigen, kommt es hier demnächst zu einem "Pflegenotstand". Die einzelnen Rechtslagen sind, genauso wie in vielen anderen Bereichen - je nach Bundesland – oft ganz verschieden. Berufe wie zum Beispiel die "Altenpflegerin", die in Oberösterreich und Salzburg bestehen, kennt man im Burgenland gar nicht. Darum wünsche ich mir hier bundesweit einheitliche, einfache Regelungen zugunsten der Betreuten, die aber auch den in diesem Bereich Arbeitenden die Situation vereinfachen. Ich wünsche mir, dass bei dieser Thematik wieder der Klient im Mittelpunkt gesehen wird, nicht mehr der Jurist oder das "Optimierungspotential".

Doch auch im Umgang mit Sterbenden im Hospizbereich besteht "Wunschbedarf" an die neue Regierung. Unter dem Motto "Lindern, wo Heilung nicht möglich ist" werden Patienten, die unheilbar krank sind, ganzheitlich betreut und begleitet. Das Angebot des multiprofessionellen Teams reicht von Schmerzbehandlung und Symptomlinderung bis hin zu psychosozialer Betreuung und Trauerbegleitung der Angehörigen. Der erste Schritt der vergangenen Regierung, die Familienhospizkarenz geht hier in die richtige Richtung, ich wünsche mir eine dauerhaft gesicherte Finanzierung der
Hospizleistungen im stationären, aber auch im mobilen Bereich, aber auch die Errichtung eines universitären Lehrstuhls für "Palliative Care".

Mein allergrößter Wunsch kommt ganz zuletzt. Ich wünsche mir gerade bei diesem Thema einen nationalen Schulterschluß aller Beteiligten - der Länder, der Gemeinden und des Bundes - über alle Parteigrenzen hinweg, um diese wichtigen und dringenden Herausforderungen im Sinne aller Betroffenen, und damit über kurz oder lang im Sinne von uns allen in allernächster Zeit gemeinsam einer Lösung zuzuführen.

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