04.03.2013 Von: Pekka Reinikainen, Finnisches Rotes Kreuz

Mongolei: extreme Kälte zwingt Familien von ihrer traditionellen Lebensweise in die Armenviertel der Städte

Eine Reportage von einer "stillen Katastrophe" von Pekka Reinikainen, Finnisches Rotes Kreuz
Mongolei: extreme Kälte zwingt Familien von ihrer traditionellen Lebensweise in die Armenviertel der Städte

In der Mongolei ist der Dsud eine stille Katastrophe. Die wenigsten Menschen kennen das Wort, dennoch leiden Tausende darunter. Es ist auch kein einfach zu übersetzendes Wort.

 

Der Dsud kündigt sich durch einen trockenen Sommer und eine schlechte Heuernte für das Winterfutter an. Der Schwarze Dsud bedeutet extreme Kälte mit Temperaturen bis zu -50°C, der Weiße Dsud bringt Kälte und extreme Schneemassen mit sich. Es ist ein Phänomen mit großen Auswirkungen auf das Leben und die Lebensgrundlage der Menschen in der Mongolei.

 

Die Mongolen haben sich an die Kälte gewöhnt, aber beim Dsud verendet das Vieh, wenn es den niedrigen Temperaturen und dem schneidenden Wind ausgeliefert ist. Die Tiere leiden auch an Hunger, denn das Gras ist unter Schnee begraben oder von dickem Eis umgeben.

 

Tausende von Jahren haben sich mongolische Nomaden unter dem weiten Himmel der Steppen und Wüsten dieses riesigen Landes sicher und geschützt gefühlt. Aber durch den Dsud mussten tausende Hirten und ihre Familien ihre Heimat verlassen und sich in den überfüllten Zelten der Armenviertel der Hauptstadt Ulan-Bator und anderer Städte niederlassen.

 

Auf dem Weg von der grenzenlosen Weite in die Slums der Städte verlieren diese einst freien Menschen nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern auch ihre Jahrtausende alte Kultur und Traditionen.

 

Durch die Anfang 1990 beginnende Marktwirtschaft wurden viele Mongolen arbeitslos, daraufhin wurden schätzungsweise 150.000 Menschen zu Hirten. Der Nutztierbestand des Landes - Rinder, Yaks, Kamele, Pferde, Ziegen und Schafe - stieg von 26 Millionen im Jahr 1992 auf 33 Millionen im Jahr 1998. Mit der Überweidung des Landes wurden die Auswirkungen der Dsud-Zeit noch verstärkt.

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