14.12.2018 08:20

Verwenden statt verschwenden

Die Team Österreich Tafel verteilt in Graz jeden Samstag Lebensmittel an Menschen, die an der Armutsgrenze leben. Aber wie sieht ein Tag als Freiwilliger bei der Team Österreich Tafel aus?

Verwenden statt verschwenden

Kurz vor 12. Der ausrangierte Rettungswagen steht startklar in der Liebenauer Hauptstraße. Keine Fahrtrage, kein Tragstuhl, keine medizinischen Geräte sind im Patientenraum, dafür einige leere Schachteln. Die Nachmittagstour kann beginnen.

 

Jeden Samstag sind vormittags vier und nachmittags drei Fahrzeuge auf den Grazer Straßen unterwegs, um Lebensmittel und verschiedene Produkte wie Waschmittel und Hygieneartikel einzusammeln. Die Waren werden von derzeit 96 Filialen unterschiedlicher Handelsketten gespendet. Würde sie die Team Österreich Tafel nicht abholen, müssten die Waren im Müll landen – sie sind zwar einwandfrei, aber abgelaufen.

 

Elf Filialen stehen auf der Liste, eine nach der anderen fährt Karen an. Er kennt den Weg, immerhin fährt er ihn fast jeden Samstag. Die MitarbeiterInnen der Filialen haben die Waren bereits hergerichtet: Obst, Brot, Süßigkeiten, Fertiggerichte, Waschmittel, Getränke… Nach und nach füllt sich der RTW mit vollen Schachteln. Eine nach der anderen landet im Patientenraum, bis die Tour nach zwei Stunden erledigt, die Liste abgearbeitet und der RTW schließlich voll ist.

 

Karen ist einer von derzeit mehr als 260 Freiwilligen, die bei der Team Österreich Tafel der Rotkreuz-Bezirksstelle Graz-Stadt arbeiten. Dort kann man im Fahrdienst und/oder bei der Lebensmittelausgabe mitarbeiten. Freiwillige müssen dann mindestens sechs Dienste pro Jahr verrichten. Dafür ist man Teil eines tollen, hilfsbereiten und freundlichen Teams, das Spaß an der Arbeit hat und dabei viel zur Gesellschaft beiträgt.

 

Mit dem vollbepackten RTW geht es zurück in die Liebenauer Hauptstraße. Sobald eines der Fahrzeuge von der Tour zurückkommt, hört man im Gebäude der Team Österreich Tafel Rufe: „Ein Auto ist da!“ Und schon eilen einige Freiwillige zur Tür, um die schweren Kisten auszuladen. Innerhalb weniger Minuten ist der Patientenraum des RTW wieder leer. Karen macht ihn dann noch sauber und beendet damit seinen Dienst für diese Woche.

 

Im Gebäude der Team Österreich Tafel sortieren die Freiwilligen inzwischen die eingesammelten Lebensmittel. Im ersten Raum lagern Obst und Gemüse, im zweiten stehen zwei große Kühlregale voll mit Milch, Eiern, Joghurt und anderen Lebensmitteln. Im nächsten Raum türmen sich Kartons mit verschiedenen Backwaren und in einer Ecke lagern Getränke. Süßigkeiten, Knabbergebäck, Saucen und Hygieneartikel findet man im letzten Raum. Es ist fast unvorstellbar, wie viele Lebensmittel innerhalb einer Woche weggeworfen werden müssten und es ist fast genauso unvorstellbar, dass der Großteil dieser Lebensmittel innerhalb von nur zwei Stunden ausgegeben sein wird.

 

Bevor die Team Österreich Tafel um 18 Uhr ihre Tore öffnet, werden die letzten Vorbereitungen getroffen, aber auch der Spaß und die Gemeinschaft kommen nicht zu kurz: Die Freiwilligen unterhalten sich ausgelassen, Lachen erfüllt die Räume – während sich draußen bereits immer mehr Kunden anstellen und darauf warten, dass die Ausgabe beginnt. Doch bevor es soweit ist, trommelt Sybille Uller, seit 2014 Leiterin der Team Österreich Tafel, ihr Mitarbeiter zusammen. Zwischen den Schachteln voller Brot, Semmeln und Gebäck versammeln sich alle Freiwilligen. Herzlich begrüßt Sybille alle, bedankt sich, dass wieder so viele gekommen sind. Es folgen noch die letzten Anweisungen, nämlich wie viel Stück von welchem Lebensmittel ausgegeben werden dürfen, damit auch die letzten Kunden noch etwas bekommen. Alle Freiwilligen gehen wieder zurück auf ihren Platz, dem sie zugeteilt wurden und die Ausgabe beginnt.

 

Bei jeder Ausgabe werden die Kunden der Team Österreich Tafel registriert. Dafür benötigen sie eine Kundenkarte, die ein Jahr gültig ist und dann verlängert werden muss. Um diese zu bekommen, müssen sie einen Lichtbildausweis und den Meldezettel vorlegen. Erst dann kann die Ausgabe der Team Österreich Tafel in Anspruch genommen werden.

 

Jene Freiwilligen, die die KundInnen durch die Räume führen, stellen sich unten im Hof an. Jeder bekommt einen Kunden zugeteilt und macht sich mit ihm auf den Weg zur Ausgabe. Schnell bildet sich im Stiegenhaus eine Schlange, in der links die Kunden und rechts die freiwilligen MitarbeiterInnen stehen. Auch hinter den aufgestapelten Kisten mit Lebensmitteln stehen Freiwillige. Sie geben die Lebensmittel aus, denn die Kunden dürfen aus hygienischen Gründen die Waren nicht selbst nehmen. Alle Freiwilligen tragen blaue Einweghandschuhe, in jedem Raum hängt Desinfektionsmittel an der Wand – auf Hygiene wird großer Wert gelegt.

 

Hat der Kunde von allen Stationen Waren bekommen, geht es für den Freiwilligen wieder zurück auf Anfang und er macht sich wieder mit dem nächsten Kunden auf den Weg durch die Räume. Runde für Runde werden die Kartons leerer, bis kurz nach 20 Uhr der letzte Kunde die Team Österreich Tafel mit einer vollen Einkaufstasche verlässt. Zum Schluss wird noch zusammengekehrt und alles sicher verstaut, bevor auch die letzten Freiwilligen an diesem Samstagabend von der Team Österreich Tafel nach Hause gehen.

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