28.12.2018 09:18

Als Zivildiener beim Roten Kreuz

Ende Oktober haben 13 Zivildiener an unserer Rotkreuz-Bezirksstelle abgerüstet – Alexander Winkler ist einer von ihnen. Im Interview gibt er einen Einblick in seinen Zivildienst und schildert, warum er sich dazu entschieden hat, als Freiwilliger weiterhin beim Roten Kreuz Graz zu bleiben.

Als Zivildiener beim Roten Kreuz

Warum hast du dich für den Zivildienst entschieden?

Dafür hat es viele Gründe gegeben. Beispielsweise hatte ich einfach das Gefühl, so etwas für die Gesellschaft tun zu können. Als ich noch ein Kind war, habe ich zu Sanitätern immer aufgesehen. Deshalb wollte ich die Chance nutzen, die Ausbildung zum Rettungssanitäter während meines Zivildienstes zu absolvieren.

 

Wie läuft das eigentlich ab, wenn man sich dafür entscheidet, den Zivildienst zu machen?

Zuerst wird man ja zur Stellung aufgefordert, ich hatte den Stellungstermin im Juli 2017. Wenn man tauglich ist, jedoch nicht zum Bundesheer möchte, kann man dann eine Zivildiensterklärung abgeben. Hat man das einmal gemacht, bekommt man in der Regel recht schnell den Feststellungsbescheid für den Zivildienst zugeschickt. Ich habe dann den Verantwortlichen der Bezirksstelle Graz-Stadt, Helmut Strohmaier, kontaktiert und einen Termin für einen Probetag ausgemacht.

 

Muss jeder einen Probetag machen?

Nein, der ist freiwillig. Aber so habe ich die Möglichkeit gehabt, mich vorzustellen und zu zeigen, dass ich das wirklich machen will und kann. Immerhin wollen viele ihren Zivildienst in Graz machen, manchmal mehr als möglich sind.

 

Warum wolltest du unbedingt nach Graz?

Ich habe einige Bekannte, die gute Erfahrungen an der Bezirksstelle Graz-Stadt gemacht haben und mir empfohlen haben, meinen Zivildienst hier zu machen. Außerdem spiele ich in Graz Eishockey. Das war mit einer der Hauptgründe, warum ich in Graz bleiben wollte. Für mich war das sehr praktisch, weil ich nach dem Dienst meistens direkt zum Training gehen konnte.

 

Wie läuft der Probetag eigentlich ab?

An dem Tag, bei mir war es der 6. September, bin ich als Dritter im Rettungswagen (RTW) mitgefahren – also neben dem Fahrer und dem Rettungssanitäter. Ich war an diesem Tag von 6:30 Uhr bis 15:30 Uhr am RTW und habe einen guten ersten Einblick in den Alltag des Dienstes bekommen.

 

Wann hast du dann deinen Zivildienst begonnen?

Ich habe im Februar meinen Zivildienst begonnen. Ich wollte zwar schon im August bzw. Oktober beginnen, da mein Stellungstermin mit Juli 2017 aber verhältnismäßig spät war, gab es leider in Graz keine freien Plätze mehr für diese Monate.

 

Dann hast du gleich mit der Ausbildung zum Rettungssanitäter begonnen?

Ja, genau. Also ich war ein Monat in Laubegg, dort findet die theoretische Ausbildung statt. Danach musste ich ein Monat im Praktikum absolvieren. Dabei bin ich wieder als Dritter am RTW mitgefahren. Abschließend gibt es dann eine kommissionelle Prüfung. Ich war also nach zwei Monaten fertiger Rettungssanitäter und habe dann fast sieben Monate gemeinsam mit einem Fahrer Tagdienste gemacht.

 

Bist du immer nur am Tag gefahren?

Ja, in Graz fährt man als Zivi immer am Tag. Es gibt zwar Früh- und Spätdienste, aber keine Nachtfahrten, weil diese eigentlich von Freiwilligen übernommen werden. Auch am Wochenende hat man als Zivi meistens frei.

 

Warst du anfangs nie überfordert?

Nein, ich habe immer Unterstützung durch den Fahrer, der ja selbst Rettungssanitäter ist, bekommen. Bei mir beispielsweise war das besonders am Anfang so, dass mein Fahrer mich vorgeschickt hat und mir dann eventuell zugleich Tipps gegeben hat. Er war also immer da und hat mich unterstützt, wenn ich Hilfe gebraucht habe. Außerdem lernt man in der Ausbildung alle wesentlichen Dinge. Das konnte ich auch in Stresssituationen gut abrufen.

 

Hat es besondere Herausforderungen gegeben, denen du dich im Zivildienst stellen musstest?

Ich musste im Zivildienst das erste Mal wirklich eine größere Verantwortung übernehmen. Die Patientinnen und Patienten verlassen sich ja schließlich auf dich. Aber wie gesagt, mit der Unterstützung erfahrener Kolleginnen und Kollegen und der absolvierten Ausbildung schafft man das.

 

Hat es einen Einsatz gegeben, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, also eigentlich war es ein ganzer Tag. Am 18. September war der erste Einsatz eine Reanimation und dann fuhren wir direkt zu dem Großeinsatz, bei dem ein Bus und ein Zug kollidiert waren. Dort half ich dann beim Abtransport der Verletzten mit. Bei solchen Einsätzen habe ich natürlich auch danach noch darüber nachgedacht – nicht lange, aber das bleibt schon im Gedächtnis.

 

Kommen solche Einsätze wie an diesem Tag öfter vor?

Normalerweise sind tagsüber, vor allem in Graz, viele Krankentransporte durchzuführen. Aber natürlich gibt es dann zwischendurch auch Einsätze wie diese und dann muss man als Rettungssanitäter funktionieren.

 

Hast du es jemals bereut, dich für den Zivildienst entschieden zu haben?

Nein, bereut habe ich es nie. Ich habe viel für mein weiteres Leben gelernt, beispielsweise im Umgang mit Menschen und Stresssituationen. Außerdem habe ich mich mit allen Zivi-Kollegen gut verstanden und bin mit einigen auch jetzt noch befreundet.

 

Wann war dir klar, dass du nach deinem Zivildienst als Freiwilliger weiter beim Roten Kreuz bleiben willst?

Gegen Ende meines Zivildienstes habe ich begonnen, darüber nachzudenken. Ich habe das Gefühl, als Rettungssanitäter etwas für die Gesellschaft tun zu können – deshalb habe ich mich dafür entschieden, als Freiwilliger dabei zu bleiben. Außerdem lernt man tolle Leute kennen und erlebt viel. Ich habe beispielsweise schon ein paar Ambulanzdienste bei Konzerten gemacht und bin so sogar zu einem Selfie mit Timmy Trumpet gekommen.

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