19.12.2007 20:49

Family News Nr. 04/07, Dezember 2007

Ein Informations-Service des Suchdienstes des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK)

Family News Nr. 04/07, Dezember 2007

Österreichisches Rotes Kreuz (ÖRK)
Ein Informations-Service des Suchdienstes
suchdienst.roteskreuz.at
                         

I. Suchdienst Österreich

„Kompetenzzentrum Familienzusammenführung“ – die Bilanz eines Jahres

Im Dezember 2006 startete der Suchdienst des Österreichischen Roten Kreuzes das durch den eff (Europäischer Flüchtlingsfonds) und das BM.I geförderte Projekt „Kompetenzzentrum Familienzusammenführung“. Mit November 2007 konnte dieses erfolgreich abgeschlossen werden. Insgesamt erreichten uns 272 Anfragen von Menschen, die ihre Familien nach Österreich holen wollten. Der Großteil davon kam aus dem Großraum Wien, aus Oberösterreich, der Steiermark und Tirol. Die Klienten und ihre Familien stammten zumeist aus Afghanistan, der Russischen Föderation (Tschetschenien), Somalia und dem Irak.

Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Kompetenzzentrums liegt darin, Asylberechtigte hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zur Familienzusammenführung umfassend zu beraten, bei der komplizierten Antragstellung auf Familienverfahren behilflich zu sein, in regelmäßigem Kontakt mit den zuständigen Behörden und den Klienten zu stehen, Zuschüsse zu den Flugkosten an besonders bedürftige Familien zu vergeben und bei eventuell auftretenden  Ausreisehürden  unterstützend einzugreifen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Zusammenarbeit mit IOM, den Delegationen des IKRK, dem Bundesasylamt und den Österreichischen Botschaften.

56 Familien wurden im Projektjahr in Österreich wieder vereinigt, die Hälfte von ihnen erhielt aufgrund ihrer prekären finanziellen Situation einen Zuschuss zu den Flugkosten.
So konnte etwa Herr Kodula aus dem Sudan, seit einem Jahr Krankenpflegeschüler mit perfekten Deutschkenntnissen, seine Gattin nach 6 Jahren der Trennung wieder in seine Arme schließen.

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„Kompetenzzentrum Familienzusammenführung“ – das Folgeprojekt: Elongó

Aufgrund des großen Bedarfs an kompetenter Beratung im Rahmen des Familienverfahrens wird das Projekt „Kompetenzzentrum Familienzusammenführung“ bis vorläufig August 2008 weiterhin von eff und BM.I gefördert.  
Neu ist nun, dass auch die besonders wichtige Integrationskomponente darin Berücksichtigung findet.

Unter dem Projekttitel „Elongò“ (kongolesisch für „gemeinsam, zusammen“) erhalten Familien, die zu ihren Angehörigen nach Österreich nachziehen, bei Bedarf einen Buddy – einen speziell geschulten Freiwilligen, der der Familie bei der Integration in Österreich behilflich sein soll. Die Aufgaben sind vielfältig: Begleitung zu verschiedenen Behörden und Ämtern, Hilfe bei der Wohnungssuche oder der Einschulung der Kinder, Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache, gemeinsame Freizeitaktivitäten, etc. Besonders wichtig ist, dass die Familie durch diesen Buddy die österreichische Gesellschaft „erfährt“ und Anschluss an sie findet. Die Buddies werden direkt von unserem Projektpartner, dem Diakonie Flüchtlingsdienst, der auf eine langjährige Erfahrung in der Integrationsarbeit zurückgreifen kann., eingeschult und betreut.

Sollten Sie Interesse an der Begleitung einer Familie als Buddy haben, wenden Sie sich bitte an: johanna.goldmann@roteskreuz.at; 01 589 00 125

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“Refugee resettlement - broadening the basis in Europe”

Am 12 und 13.11.07 organisierte der Diakonie Flüchtlingsdienst ein internationales „resettlement event“ in Wien im Rahmen des Projektes: “Refugee resettlement - broadening the basis in Europe“. Neben zahlreichen Vertretern aus NGO Kreisen, nationalen und internationalen Regierungsvertretern und internationalen Organisationen, wie dem UNHCR, war auch der Suchdienst des Österreichischen Roten Kreuzes eingeladen worden, einen Beitrag zum Thema zu leisten, indem er das Projekt „Kompetenzzentrum Familienzusammenführung“ vorstellte.
(näheres zum Projekt: www.ecre.org/resources/project_documents/764)

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Der Suchdienst auf Radio Afrika

Im Zusammenhang mit der Zielsetzung des ÖRK - Suchdienstes, die potentiell Betroffenen im Hinblick auf die Vermissensproblematik noch besser zu erreichen, konnte in den vergangenen Wochen wieder ein bedeutender Schritt gemacht werden. Nachdem wir Kontakt zu einigen „Migranten Communities“ aufgenommen hatten, um unsere Arbeit vorzustellen, erreichte uns eine positive Reaktion von Radio Afrika. Eine Redakteurin kam in unser

Büro zu Besuch und interessierte sich sehr für unser Leistungsangebot. Schließlich mündete das Interesse in einem Beitrag mit Interview, der am 22. November auf Radio Afrika ausgestrahlt wurde. (http://www.radioafrika.net/)
 

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II. Suchdienst International

Bangladesh nach dem Sturm „Sidr“

Am 19. November 2007 war der verheerende Sturm „Sidr“ über Bangladesh gezogen. Über 3 Millionen Menschen sind von den Auswirkungen der Katastrophe betroffen, etwa 3.000 Tote wurden gezählt, über 1.000 Menschen gelten als vermisst
Am schlimmsten wurde der Süden des Landes getroffen, wohin sich Field Assessment-Teams des Roten Halbmondes von Bangladesh und des IKRK aufgemacht haben, um sich ein besseres Bild von der Situation zu verschaffen. Ein wichtiges Element der Mission ist das Erfassen der Daten aller vermissten Personen. Die Gebiete im Süden sind aber schwierig zu erreichen, weil viele Straßen immer noch überflutet sind und die meisten Flussfähren nicht verkehren können.
Mit im Gepäck haben die Helfer unter anderem einige Mobiltelefone, die sie, im Zielgebiet angekommen, den Menschen vor Ort zur Verfügung stellen, um – wenn möglich - den Kontakt zu vermissten Familienmitgliedern und Freunden wiederherzustellen.

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Somalia – keine Aussicht auf Frieden

Auch 2007 waren zahlreiche Somalis mit dem anhaltenden Konflikt und Naturkatastrophen konfrontiert. Schwerpunkt des IKRK ist es, die Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und v.a. den Vertriebenen beizustehen. Auch das Wiederherstellen von Familiebanden stellt einen wichtigen Teil der Arbeit des IKRK dar.
So wurden dieses Jahr über 10.000 Rotkreuz-Nachrichten verteilt, viele davon aus dem Ausland. Nach über 1.000 Menschen wird gesucht und über 100 IKRK-Reisedokumente wurden für Somalis ausgestellt.
Der Leiter der IKRK Delegation, Pascal Hundt, ist besorgt über die Entwicklung der humanitären Situation in Somalia. „Überschwemmung und Dürre bleiben Gefahren, gemeinsam mit dem langwierigen Konflikt. Wir wissen nicht, wann die Menschen aus Mogadishu und andere Vertriebene wieder zurückkehren können.“



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III. Diverses
„Verschwunden“ auf der Flucht

Immer wieder hört man in den Nachrichten von Flüchtlingsdramen, bei denen verzweifelte Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben umkommen.
So geschah es auch im Oktober diesen Jahres im Golf von Aden, wo etwa 66 Personen ihr Leben lassen mussten.  Überlebende berichteten, dass Schlepper vor der Küste Jemens zahlreiche „Passagiere“ - die meisten von ihnen kamen aus Somalia und Äthiopien – zwangen über Bord zu springen.
28 Tote wurden direkt am Strand begraben, weitere 38 Personen werden vermisst.
Dieses Jahr kamen 439 Menschen auf der Flucht auf tragische Weise ums Leben. 489 Personen gelten als vermisst…


(Quelle: UNHCR Genf-Pressemitteilung vom 23. Oktober 2007)

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Irena Sendler – Ein Leben im Marmeladeglas

Es ist nicht viel, was Elzbieta Ficowska an ihre Vergangenheit im Warschauer Ghetto und ihre jüdische Familie erinnert: ein silberner Löffel mit ihrem eingravierten Namen und ein Babyfoto. Die kleine Elzbieta ist fünf Monate alt, als sie im Juli 1942 aus dem Ghetto geschmuggelt wird. Ihre Eltern werden deportiert. Sie kommt unter falschem Namen zu polnischen Pflegeeltern.
Elzbieta Ficowska war eines von 2.500 jüdischen Kindern, die aus dem Ghetto vor dem sicheren Tod gerettet werden konnten. In einer Untergrundorganisation koordinierte die Krankenschwester Irena Sendler die für sie lebensbedrohlichen Aktionen, schmuggelte zahlreiche Kinder aus dem Ghetto und rettete auf diese Weise viele Leben. Die Kinder kamen unter falschen Namen zu Pflegeeltern oder ins Waisenheim. Irena Sendler legte Listen mit den alten jüdischen, den neuen polnischen Namen und den neuen Adressen der Kinder an. Diese versteckte sie in leeren Marmeladegläsern,  die sie im Garten eines Freundes unter einem Apfelbaum vergrub. Die mutige Frau war die einzige, die wusste, wo alle Kinder untergekommen waren. Wichtig war ihr, dass den Pflegeeltern bewusst war, dass die Kinder nach dem Krieg wieder mit ihren leiblichen Eltern vereint werden sollten. Als der Krieg vorbei war, grub Irena Sendler alle Gläser aus und machte sich auf die Suche nach den Kindern und deren Eltern. Mit großer Bestürzung musste sie feststellen, dass fast alle leiblichen Eltern im Holocaust umgekommen waren …
Irene Sendler selbst ist eine stille und nahezu unbekannte Heldin. Sie wurde während des Krieges denunziert und gefoltert. Doch sie gab ihr Geheimnis um den Verbleib der jüdischen Kinder nicht preis und wurde zum Tode


verurteilt. Kurz vor der Exekution ließ sie ein bestochener SS-Mann laufen. Heute lebt Irena Sendler 96-jährig in einem Warschauer Altersheim.  

Erst vor wenigen Jahren entdeckten US - amerikanische Schüler ihre Lebensgeschichte. Sie besuchten die betagte Dame und zahlreiche ihrer Schützlinge in Warschau und riefen das Projekt „life in a jar“ ins Leben.

Die Autorin Anna Mieszkowska hat jetzt erstmals die unglaubliche Geschichte der mutigen Irena Sendler aufgeschrieben. „Die Mutter der Holocaust-Kinder“ ist im März 2007 in deutscher Sprache im Verlag Dva erschienen.

Nähere Informationen unter: www.irenasendler.org

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Detailinformationen zu unserer Arbeit finden Sie unter: suchdienst.roteskreuz.at

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