15.05.2008 11:28

Rotkreuz-Hilfe in Sri Lanka

Jüngster Bericht über die IKRK-Tätigkeit vor Ort - Jüngster Bericht über die IKRK-Tätigkeit vor Ort

Sri Lanka - Hilfe des Roten Kreuzes

 

Sauberes Wasser, angemessene Sanitäreinrichtungen und Unterkunft für 125 000 Vertriebene


In Sri Lanka brauchen Tausende, die durch den bewaffneten Konflikt vertrieben wurden, Zugang zu Trinkwasser, zu angemessenen Sanitäreinrichtungen und zu Unterkunft. Manche unter ihnen wurden durch die jüngsten Kämpfe vertrieben, während andere ihre Herkunftsorte im Norden und Osten des Landes in den letzten zwei Jahrzehnten schon mehrmals verlassen mussten.

Seit Anfang 2007 hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Ampara, Batticaloa, Trincomalee, Vavuniya, Mannar, Kilinochchi, Puthukkudiyrippu und Jaffna dafür gesorgt, dass über 125 000 Vertriebene – darunter auch solche, die bei Gastgemeinschaften untergebracht waren – und Rückkehrer mit sauberem Trinkwasser versorgt wurden und über eine Unterkunft und Sanitäreinrichtungen verfügten. Allein im April wurde 2 000 vom Konflikt betroffenen Personen auf diese Weise geholfen.

Ferner säuberte und reparierte das IKRK Brunnen, setzte Handpumpen instand und rehabilitierte Wasserversorgungssysteme. Auch diese Anlagen dienen Vertriebenen und Rückkehrern. Die Häuser und Einrichtungen vieler Rückkehrer waren bei den Kämpfen oder von Tieren beschädigt oder zerstört worden. Deshalb half das IKRK ab November 2007 rund 15 500 Vertriebenen und Rückkehrern im Osten des Landes, ihre Häuser und Sanitäreinrichtungen, z.B. die Toiletten, neu zu bauen oder instand zu setzen.

Auf der Halbinsel Jaffna setzte das IKRK Brunnen und Toiletten instand, die etwa 29 000 Personen dienen, die in den 1990er Jahren vertrieben wurden. In der Region Vanni im Norden Sri Lankas reparierte und wartete die Organisation Brunnen und Handpumpen, die fast 17 000 Vertriebenen dienen.

"Sicheres Trinkwasser ist entscheidend für die Gesundheit, während angemessene Sanitäreinrichtungen zu einer besseren Hygiene beitragen", sagte Julie Pharand, Koordinatorin des IKRK des Bereichs Wasser und Habitat in Sri Lanka. "Oft haben dem bewaffneten Konflikt in Sri Lanka ausgesetzten Menschen nur ungenügenden Zugang zu Wasserversorgungssystemen, Sanitäreinrichtungen und Unterkunft, oder sie müssen diese mit anderen teilen."

Gesundheitsversorgung in Jaffna


In Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Jaffna, dem Rehabilitationszentrum Jaipur in Jaffna und dem Departement für Sozialdienste in Jaffna untersucht das IKRK Kinder und Erwachsene, die an angeborenen oder erworbenen Behinderungen wie zerebralen Lähmungen oder anderen neurologischen Störungen leiden. Am 15. Mai werden in einer medizinischen Einrichtung kostenlos Diagnosen gestellt und die Patienten registriert und bei Bedarf zur weiteren Behandlung an andere Einrichtungen überwiesen.

Das IKRK unterstützt das Rehabilitationszentrum Jaipur in Jaffna finanziell und logistisch und liefert Material und Ausrüstung zur Anfertigung orthopädischer Hilfsmittel. Ausserdem stellt es dem Zentrum seine Expertise in den Bereichen Physiotherapie, Prothetik und Orthetik zur Verfügung und unterstützt es bei der Ausbildung lokaler Mitarbeiter.

Seit Oktober 2006 hat das IKRK über 1 600 Patienten per Flugzeug von Jaffna aus an andere Orte überführt. Sie benötigten eine Behandlung, die auf der Halbinsel nicht verfügbar ist.

Wahrnehmung der Rolle als neutraler Vermittler am Übergang Omanthai


IKRK-Mitarbeiter sind sechs Tage pro Woche am Übergang Omanthai präsent, um den reibungslosen Transit von Zivilisten und Fahrzeugen zwischen Gebieten unter Kontrolle der sri-lankischen Regierung und solchen unter Kontrolle der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) zu erleichtern. Im April sorgte das IKRK für den sicheren Transit von über 37 000 Zivilisten und für die Durchfahrt von mehr als 3 500 Fahrzeugen. Über 150 Ambulanzfahrzeuge und mehr als 625 Patienten überquerten den Übergang Omanthai in beiden Richtungen.

Ausserdem brachte das IKRK die sterblichen Überreste von 56 gefallenen Kämpfern von Kilinochchi, Mannar und Vavunija über den Übergang Omanthai. "Angaben über die Gefallenen – insbesondere Ort des Todes, Geschlecht, die Personenziffer auf der Erkennungsmarke oder Beschreibungen der Uniform –, die wir von der Armee, der Polizei oder der LTTE erhalten, übermitteln wir an die Gegenseite ", erklärte Jean-François Campagna, ein in Vavunija stationierter IKRK-Delegierter. "Das IKRK erklärt sich jeweils bereit, die sterblichen Überreste über den Übergang Omanthai zu überführen, wenn die Gegenseite dies verlangt. Dies geschieht jedoch immer im Einvernehmen beider Parteien und nach Erledigung aller erforderlichen rechtlichen Formalitäten." Indem es die Gefallenen über die Frontlinien bringt, trägt das IKRK zur Klärung des Schicksals vieler bei, von denen man sonst vielleicht nie erfahren hätte, was ihnen zugestossen ist.

Schutz der Zivilisten und der im Zusammenhang mit dem Konflikt Festgenommenen

Das IKRK verfolgt Verletzungen des humanitären Völkerrechts, von denen Zivilisten im ganzen Land betroffen sind. Es erörtert sie mit den Konfliktparteien und ersucht sie, konkrete Massnahmen zu ergreifen, um solchen Verletzungen ein Ende zu setzen. Ferner trifft es mit Opfern sowie mit Familien zusammen, die das Verschwinden oder die Festnahme von Angehörigen oder aussergerichtliche Tötungen und Misshandlungen gemeldet haben.In Zusammenarbeit mit Vertretern der Regierung und der LTTE besucht das IKRK Personen, die aus Sicherheitsgründen festgenommen wurden. Diese Besuche dienen dazu, die Behandlung der Häftlinge und die Gefangenschaftsbedingungen zu überwachen. Im April sahen die IKRK-Delegierten bei etwa 60 Besuchen in 42 Haftorten mehr als 700 Festgehaltene. Sie versorgten sie mit Freizeit- und Hygieneartikeln sowie mit Kleidung.

 

Wiederherstellung des Familienkontakts


In Zusammenarbeit mit dem Sri-Lankischen Roten Kreuz hilft das IKRK Angehörigen, die durch den Konflikt von ihren Familien getrennt wurden, den Kontakt durch die Übermittlung von Rotkreuzbotschaften wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten. Im April überbrachten Rotkreuzmitarbeiter fast 670 Botschaften persönlich an die Empfänger.

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