18.09.2013 14:04

"In der Geschichte des Roten Kreuzes noch nie vorgekommen"

Josef Schmoll im Gespräch mit der Austria Presse Agentur über die tragischen Vorfälle in Annaberg.

"In der Geschichte des Roten Kreuzes noch nie vorgekommen"

"In der Geschichte des Roten Kreuzes hat es so etwas noch nicht gegeben", sagte Rotkreuz-Vizepräsident für Niederösterreich, Josef Schmoll, im Gespräch mit der APA über den Einsatz in Annaberg, wo ein Sanitäter sowie drei Polizisten bei einem Einsatz erschossen worden sind.

 

Dass ein Rot Kreuz-Mitarbeiter im Dienst ums Leben kommt, kommt "vielleicht alle fünf Jahre" vor, also so gut wie nie. Die Angehörigen der Opfer sind noch in der Nacht auf Dienstag um ca. 1.00 Uhr von den tragischen Vorfällen informiert worden und von einem Kriseninterventionsteam betreut worden.


Der Einsatz des Krisenintervention erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Akut-Team Niederösterreich. Neben den Angehörigen wurden auch Rot Kreuz-Mitarbeiter betreut, die mit den Opfern zusammengearbeitet oder sie gut gekannt hatten. Ob und wie weit das Angebot einer psychischen Betreuung angenommen wurde, konnte Schmoll nicht sagen.

 

Der Sanitäter, der getötet wurde, war ein langjähriger Mitarbeiter des Roten Kreuzes. "Er war der Motor der Dienststelle. Er hat die Dienststelle Annaberg mit seinen eigenen Händen errichtet", so Schmoll.


Zum Vorfall in Annaberg meinte der Vize-Präsident: "Das ist ein Wahnsinn. (...) Es handelt sich hier um Menschen, die ihr Leben, egal ob sie Polizisten oder Rettungsmitarbeiter sind, für die Bevölkerung einsetzen." Der Tod der Einsatzkräfte habe bei Schmoll "tiefe Betroffenheit" ausgelöst.

 

Welle der Solidarität

 

Es habe keine Möglichkeit gegeben, in dieser Situation deeskalierend einzuwirken, weil der Täter "aus dem Auto heraus" geschossen habe. "Das war eigentlich ein Einsatz, um Leben zu retten."


Der Vorfall habe "irrsinnig viel Solidarität" unter den Rot Kreuz-Mitarbeitern ausgelöst. Für die weiteren Einsätze in dem Fall seien die Kollegen vom "Gefahrenpotenzial" ihres Einsatzes informiert worden. "Da wird keiner gezwungen", so Schmoll.


Die Krisenintervention absolviert in Niederösterreich rund 900 Einsätze pro Jahr. "Das beginnt bei Todesfällen in Wohnungen, bei Verkehrsunfällen, bis hin zu solchen Einsätzen", so Schmoll. Die Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams, das aus 329 Personen besteht, stehen das ganze Jahr rund um die Uhr zur Verfügung.

 

Die Helfer können nicht nur im Akutfall, sondern auch zu einem späteren Zeitpunkt kontaktiert werden. Dabei handelt es sich um ehrenamtliche Mitarbeiter, die für einen solchen Einsatz ausgebildet wurden.


Nach dieser Ausbildung bekommt der RK-Mitarbeiter den ersten Einsatz zugeteilt, falls er sich das zutraut, so Schmoll. "Bei meinem ersten Einsatz bei dem Erdbeben 1999 in der Türkei haben mir noch die Knie gezittert," schildert Schmoll, wie er zum ersten Mal in der Krisenintervention tätig wurde. "Nach den Erdbeben in Algerien und dem Iran und dann nach dem Tsunami in Thailand war es Routine."

 

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Austria Presse Agentur (APA).

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