31.01.2014 08:04

40 Jahre Notarztdienst in Oberösterreich

Vor genau 40 Jahren wurde in Linz Österreichs erster Notarztwagen alarmiert – ein verletzter Arbeiter musste in der Nähe des Südbahnhofmarktes versorgt werden. Galt diese Art der Notfallversorgung damals noch als revolutionär, so ist sie heute eine Selbstverständlichkeit und international hoch angesehen.

40 Jahre Notarztdienst in Oberösterreich

„NAW 1 meldet sich einsatzbereit“, mit diesen Worten nahm am 1. Februar 1974 der erste Notarztwagen Österreichs, ein Mercedes Benz des Typs 408, in Linz seinen Betrieb auf. An Board waren zwei Ärzte des AKH Linz sowie zwei Notfallsanitäter. „Die Gründung dieses Notarztwagens geht auf die Initiative von Univ. Prof. Prim. Dr. Hans Bergmann zurück. Ihm ist es gelungen, gemeinsam mit dem OÖ. Roten Kreuz, dem Land Oberösterreich, dem AKH Linz sowie zusätzlichen Geldgebern dieses System zu realisieren“, reflektiert OÖ. Rotkreuz-Präsident Dr. Walter Aichinger.

 

Vom NAW zum NEF
Nach einer mehrjährigen Testphase startete der sukzessive Ausbau des Notarztwagens, beginnend mit der Einführung im Bezirk Vöcklabruck im Jahre 1986. Vier Jahre später folgten die Bezirke Wels, Ried und Steyr. Während in weiten Teilen der präklinische Notarztdienst weiterhin ausgebaut wurde, wurde im Bezirk Braunau ein neues System initiiert – das sogenannte Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF): „Das NEF bringt den Notarzt zum Einsatzort, wo es mit dem Rettungswagen zusammentrifft. Bedarf es keiner notärztlichen Begleitung übernimmt den Patiententransport der Rettungswagen. Die Notärztin bzw. der Notarzt ist nicht mehr gebunden und kann sich somit rasch zum nächsten Einsatzort begeben“, erklärt Aichinger den entscheidenden Vorteil der Systemumstellung und ergänzt:

 

International hoch angesehen
„Wir sind in Österreich in der glücklichen Lage, flächendeckend das System ‚Arzt kommt im Bedarfsfall zum Patienten‘ anbieten zu können. International genießen wir dadurch große Anerkennung, denn nur ganz wenige Länder bieten solch eine Form des Rettungswesens“.
Auch wenn sich das System bestens bewährt hat, so sieht der Präsident Handlungsbedarf, um auch künftig diese Art der Notfallversorgung gewährleisten zu können: „Um einen Mangel an Notärzten abzuwenden drängen wir darauf, dass die Notfallmedizin ein Teil der medizinischen Fakultät werden wird“. Die Finanzierung erfolgt durch das Land Oberösterreich sowie die Gemeinden. Diese Mittel werden für die Erhaltung des Systems bzw. für die Notfallsanitäter verwendet. Die Notärzte stellen die jeweiligen Krankenhäuser, wie beispielsweise das AKH Linz. 


Intensive Ausbildung erforderlich
Um überhaupt als Notfallsanitäter tätig werden zu können, ist zunächst eine langjährige Erfahrung im Rettungsdienst vorzuweisen. In weiterer Folge müssen die Bewerberinnen und Bewerber einen Einstiegstest absolvieren und sich nach positivem Bestehen  einer 500-stündigen speziellen Ausbildung unterziehen: „Einen wesentlichen Baustein in der kompetenten Versorgung der Patienten bildet selbstverständlich die Ausbildung der Notfallsanitäter. Wir agieren hier auf höchstem Niveau und versuchen ehest möglich neue medizinische Erkenntnisse in den Ausbildungsplan zu integrieren“, erklärt Aichinger. „Bei jedem Einsatz sind Notarzt und Notfallsanitäter einer großen psychischen Belastung ausgesetzt. Sie müssen rasche Entscheidungen treffen und dürfen sich in der Versorgung des Patienten als auch in der Bedienung der Geräte keinen Fehler erlauben. Daher ist es nötig, die handelnden Personen so gut es geht auf die Situationen vorzubereiten und in regelmäßigen Abständen über die neuesten Erkenntnisse zu informieren bzw. gegebenenfalls Fortbildungen zu entwickeln“ führt der Präsident und Arzt weiter aus.

 

Einzigartige Fortbildung für Notfallsanitäter durchgeführt
Neben den neuesten Erkenntnissen in der Medizin hat zudem die stets wachsende Spezialisierung der Krankenhäuser einen wesentlichen Einfluss auf das Aufgabengebiet der Notfallsanitäter. So haben sich vor wenigen Monaten 18 Notfallsanitäter einer speziellen Fortbildung unterzogen: „Wir sahen uns immer öfters mit Spezialtransporten von Intensivpatienten von Krankenhaus zu Krankenhaus konfrontiert, bei denen hoch spezifische Fachkenntnisse und ein komplexes Gerätemanagement gefordert sind. So haben wir für unsere Mitarbeiter eine eigene, österreichweit einzigartige Ausbildung kreiert und diese für die Zertifizierung am Lehrplan der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensivmedizin (DIVI) ausgerichtet. Wir können so den gestellten Anforderungen besser gerecht werden“, erklärt der Linzer Rotkreuz-Kommandant Paul Reinthaler. Etwa 300 Überstellungen pro Jahr werden nun fachgerecht optimiert übernommen.


Alarmierung eines Notarztes
Wann aber benötigt es überhaupt einen Einsatz des Notarztes? „Unsere Mitarbeiter der Rettungsleitzentrale sind darauf geschult, jeden Anruf zu analysieren und sich ein möglichst gutes Bild von der vorherrschenden Situation zu machen. Sollte es ihrer Meinung nach erforderlich sein, einen Notarzt hinzuzuziehen, wird dieser umgehend alarmiert. Aber auch die Einsatzkräfte vor Ort können einen Arzt zusätzlich anfordern“, so Reinthaler.


Lage des Notarztstützpunktes ist Qualitätsmerkmal in der Ausbildung
„Es kann natürlich auch vorkommen, dass es uns nicht gebraucht hätte. Lieber fahren wir aber einmal zu viel als zu wenig“, fügt Notfallsanitäter Werner Lang hinzu. Lang war maßgeblich am Auf- und Ausbau des Notarztdienstes sowie an der hohen Qualität der Ausbildung in Oberösterreich beteiligt. „Die Ausbildung der Notfallsanitäter lag in Oberösterreich bis dato immer über dem jeweiligen Standard. Das begann schon mit der Entscheidung, die Notarzt-Stützpunkte direkt an die Krankenhäuser anzubinden, denn durch die konsequente Bindung jedes Notarztdienstes an ein Stützpunktkrankenhaus erhalten die Notfallsanitäter wertvolle Einblicke in die Notaufnahme, Anästhesie, Intensivmedizin und Unfallchirurgie“, führt der Koordinator der Notarztdienste weiter aus.

 

In weniger als 10 Minuten ist Notarzt vor Ort
Seit der Einführung des Notarztdienstes vor 40 Jahren wurden in 431.000 Einsätzen 420.000 Menschen versorgt. „Die statistische Zeit, von der Alarmierung bis zur Abfahrt, dauert rund 2 Minuten, die durchschnittliche Anfahrtszeit unter 6:23 Minuten. Der Notarzt ist somit im Schnitt in weniger als 9 Minuten direkt beim Patienten und etwa 20 Minuten mit der Versorgung beschäftigt“, führt Werner Lang weiter aus.

 

Zahlen, Daten und Fakten

 

Der Auf- und Ausbau des Notarztdienstes im Überblick:
• 1974: Gründung des NAW Linz-Stadt
• 1986: NAW Vöcklabruck
• 1988: NAH (Notarzthubschrauber) Linz-Hörsching
• 1990: NAW Wels, Ried, Steyr
• 1993: NAW Kirchdorf, Freistadt, Bad Ischl, Rohrbach, Schärding, NEF Braunau
• 1994: NEF Gmunden, NEF Perg
• 1996: NAW Grieskirchen
• 2002: NEF Linz-Land, NAH Suben
• 2004: NEF Eferding, NEF Urfahr-Umgebung
Pro Bezirk ein NAD Stützpunkt (Ausnahme bildet aufgrund der Topografie Gmunden)

 

Notfallgeschehen:
• Erkrankungen
• Verkehrsunfälle
• Arbeitsunfälle
• Hausunfälle
• Sport/Freizeit

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