26.11.2014 12:44

Pflege: Reformvorschläge enden auf halber Strecke

Eine Reform der Gesundheitsberufe darf nicht nur auf stationäre Pflege im Krankenhaus, sondern auch auf den sozialen Sektor abzielen.

Pflege: Reformvorschläge enden auf halber Strecke

Damit gute Betreuung in allen Settings - vom Pflegeheim über mobile Dienste bis zu Krankenhäusern - möglich wird, müssen die Kompetenzen der einzelnen Berufsgruppen entsprechend angepasst werden. Das fordern die Organisationen der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG). 

 

„Das Rote Kreuz begrüßt die geplanten Änderungen in der Ausbildung der diplomierten Pflegekräfte“, sagt Monika Wild, Pflegeexpertin des Roten Kreuzes. „Der geplante Berufsabschluss an der Fachhochschule weist jedoch keine Veränderungen in Berufsbild und Tätigkeitsbereichen gegenüber dem derzeitigen Diplom der Gesundheits- und Krankenpflege auf. Wünschenswert wäre, dass die Ausbildung an der Fachhochschule zusätzliche Kompetenzen für Pflegekräfte vorsieht.“

 

Effizientere Langzeitpflege


Um den Anforderungen der Praxis gerecht zu werden, fehlt eine Verordnungskompetenz für ausgewählte Medizinprodukte, die die Kerntätigkeiten der Pflege betreffen. "Eine solche Verordnungskompetenz würde die Abläufe insbesondere in der Langzeitpflege effizienter machen", erklärt die Leiterin der Gesundheits- und Sozialen Dienste im Roten Kreuz.


An sich entspricht die Verlagerung der Berufsabschlüsse auf Fachhochschulebene einer langjährigen Forderung des Roten Kreuzes. In Hinblick auf die allgemeinen Veränderungen im Bildungsbereich ist das eine längst überfällige Maßnahme.


„Dennoch sind die Reformvorschläge zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege sind kaum mehr als alter Wein in neuen Schläuchen“, betont Monika Wild.


Pflegehilfe, Pflegeassistenz, Pflegeassistenz plus


"Wichtig wäre, dass die Kompetenzen der Pflegeassistenz plus mehr auf die Anforderungen der Langzeitpflege ausgerichtet würden, und die Bedürfnisse für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz, multimorbide Menschen etc. besser berücksichtigen".


Im vom Gesundheitsministerium vorgelegten Vorschlag vom August wird die Pflegehilfe zur Pflegeassistenz. Darüber hinaus wird mit einem Zusatzmodul eine Pflegeassistenz plus geschaffen. Zusatzmodule sind für die Akutpflege im Krankenhaus, in der Kinder- und Jugendlichen- oder Langzeitpflege vorgesehen.


Die Unterteilung in der Langzeitpflege ist nicht sinnvoll und in der Praxis kaum umsetzbar. Eine weitere Ausdifferenzierung des bereits bestehenden Berufsmix stellt kleinere Organisationseinheiten (z.B. Teams in der mobilen Pflege und Betreuung) vor die Herausforderung, stets Personal mit dem richtigen Kompetenzlevel einzusetzen. „Die notwendige Abstimmung könnte zu einer Verschlechterung der Abläufe führen“, warnt Monika Wild. „Bei der Pflege und Betreuung zu Hause würde sich die Anzahl der Betreuungskräfte pro Klient erhöhen, was weder in deren Sinne wäre noch in jenem der Angehörigen.“


Der Entwurf des Gesundheitsministeriums sieht vor, dass die Pflegeassistenz und Pflegeassistenz plus wie bisher die Pflegehilfe unter Anleitung einer diplomierten Pflegekraft arbeiten sollen. Es wäre wünschenswert, dass zukünftig in der Langzeitpflege ausschließlich die Pflegeassistenz plus zum Einsatz kommt, die generell unter begleitender Kontrolle arbeitet. Die Pflegeassistenz als solche sollte als gemeinsames Ausbildungsmodul weiterhin bestehen bleiben. Ohne abgeschlossenes Zusatzmodul sollte diese jedoch in der Praxis nicht zum Einsatz kommen.

 

Wiener Pflegekongress


Die Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) ist ein freier Zusammenschluss von Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe. Sie nimmt Stellung zu aktuellen sozialpolitischen Fragestellungen und versucht, Verbesserungen der Rahmenbedingungen sozialer Arbeit in Österreich zu erwirken. Die BAG veranstaltet gemeinsam mit dem pflegenetz den Pflegekongress, der morgen, am 27. und 28. November im Austria Center Vienna stattfindet, mit dem Motto: "Frei sein = Sicher sein? Lebensqualität im Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sicherheit".

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