03.12.2015 13:00

Freiwilligkeit ist der Kitt der Gesellschaft

5. Dezember 2015: Welttag der Freiwilligkeit und dritter Monatstag der aktuellen Rotkreuz-Flüchtlingshilfe. Ein Rück- und Ausblick.

Freiwilligkeit ist der Kitt der Gesellschaft
Zwischen 3.000 und 5.000 erschöpfte Flüchtlinge täglich erreichen größtenteils zu Fuß Österreichs Grenzen. Es ist unsere Pflicht, die Menschen auf ihrer Durchreise in den 24 bis 36 Stunden, in denen sie im Schnitt in Österreich sind, möglichst gut zu betreuen.
©LV NÖ/S.Gahr

Drei Monate ist es nun her, seit die Helfer vom Österreichischen Roten Kreuz die ersten Menschen versorgten, die aus vor Krieg und Gewalt nach Europa flüchteten. Aus diesen ersten Flüchtenden wurden 570.000, die – erschöpft, hungrig und nicht ausreichend bekleidet - dringend erstversorgt und teilweise in Notquartieren untergebracht werden mussten. Dort finden rund 20.000 Menschen Unterschlupf. Dass all den Menschen geholfen werden konnte, ist in erster Linie den Freiwilligen zu verdanken.

Freiwillige als tragende Säule

Dass ohne Freiwillige – allein im Roten Kreuz sind das um die 70.000 – die Herausforderungen der vergangenen Monate nicht zu stemmen gewesen wären, betont Gerald Schöpfer, Präsident vom Österreichischen Roten Kreuz: „Österreich hat sich von seiner menschlichen Seite gezeigt“, fügt aber hinzu „Freiwilligkeit ist der Kitt der Gesellschaft, hat aber auch seine Grenzen“. Dauere der Zustand an, müssten die Agenden in die Hände von Hauptberuflichen wandern, denn irgendwann seien die Kapazitäten von Freiwilligen einfach erschöpft. Bis jetzt waren 500 Freiwillige pro Tag auf den Beinen, aber irgendwann ist ihr Urlaub aufgebraucht oder ihre eigene Familie braucht sie.

Helfen ohne Bürokratie

Laut Bundesrettungskommandant Gerry Foitik ist die Zusammenarbeit mit Polizei und Bundesheer reibungslos verlaufen, auf Beamtenebene hätte es aber viele Reibungsverluste gegeben. „Es braucht Gesetze, die festlegen, wer operativ auf Beamtenebene Entscheidungen treffen darf!“. Dasselbe gilt laut Foitik für die Durchführung des Vergaberechtes in Krisensituationen. Zukünftige Hilfseinsätze nicht zu behindern ist dringend notwendig, denn die Situation in Syrien wird sich nicht ändern, im Gegenteil. „Wir rechnen in den Wintermonaten mit 3.000 bis 5.000 Flüchtlingen pro Tag, danach wieder mit mehr“, so Foitik. Momentan stellen zwischen 200 und 300 pro Tag einen Asylantrag in Österreich, die restlichen Menschen reisen weiter nach Deutschland oder Skandinavien. Bis Ende des Jahres rechnet Schöpfer mit rund 90.000 Asylanträgen in Österreich, 2016 mit rund 120.000.

„Strategien in Wohnbau, Bildung und Integration sind gefragt!“, fordert Schöpfer und nimmt auch jene europäischen Länder in die Pflicht, die momentan nicht Ziel der Flüchtlinge sind. „Bei vielen herrscht Egoismus statt Solidarität!“. Eine Verteilung auf die europäischen Länder und dass den Flüchtenden das Recht auf Familienzusammenführung gewährt wird, sind die größten Anliegen des obersten Freiwilligen vom Österreichischen Roten Kreuz.

FAKTEN ZU FREIWILLIGKEIT UND DEM FLÜCHTLINGSEINSATZ IM ROTEN KREUZ

  • Das Rote Kreuz hat 70.000 Freiwillige in Österreich
  • 2014 leisteten die Rotkreuz-Freiwilligen über elf Millionen Stunden. Das entspricht mehr als 300 Millionen Euro.
  • 570.000 Menschen auf der Flucht wurden in den vergangenen drei Monaten von durchschnittlich 500 Rotkreuz-Freiwilligen täglich betreut.
  • 1,5 Millionen Essensportionen, 7.000 Schlafsäcke, 400.000 Decken und 10.000 Isomatten wurden ausgegeben.
  • 70.000 Menschen wurden medizinisch versorgt. Dabei wurden 10 Tonnen medizinisches Material verbraucht.
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