07.09.2016 12:41

Freiwilliges Sozialjahr: Ein Gewinn für alle

Rund 70.000 Freiwillige sind beim Österreichischen Roten Kreuz – seit Anfang des Jahres ist Rebecca als Teilnehmerin des Freiwilligen Sozialen Jahres eine von ihnen.

Freiwilliges Sozialjahr: Ein Gewinn für alle

Der Pager piepst laut. Ein junges Mädchen mit Brille und langen, braunen Haaren unterbricht das Gespräch und schaut gespannt. „Jetzt geht’s los“, sagt sie und macht sich auf Richtung Ausgang. Dort erwarten sie schon zwei Kollegen mit dem Notarztwagen.



Das Mädchen heißt Rebecca, ist 19 Jahre alt und hat vor wenigen Wochen ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Österreichischen Roten Kreuz in Tulln begonnen. Rebecca kam, wie viele anderen auch, über persönliche Erlebnisse zum Roten Kreuz.

 

„Ich habe gleich mehrere Freunde bei Autounfällen verloren“, erzählt die junge Tullnerin, „das hat mich dazu gebracht, meine Zukunftspläne neu zu ordnen“. Nach ihrer dreijährigen Ausbildung zur Kindergartenpädagogin stand fest: Sie wollte sich als Teilnehmerin für ein FSJ bewerben. Rebecca hat sich ein großes Ziel gesteckt, sie möchte irgendwann hauptberuflich im Rettungsdienst arbeiten.



Eine gute Basis ist damit mit Sicherheit gelegt, schließlich beinhaltet das FSJ auch eine fundierte theoretische Ausbildung von mindestens 150 Stunden. Motiviert sein heißt es für die Teilnehmer aber nicht nur beim Lernen in den Schulungen und Fachkursen sondern bereits im Bewerbungsprozess. In manchen Bezirksstellen übersteigt der Ansturm die verfügbaren Plätze. Dann ist ein aussagekräftiges Motivationsschreiben ausschlaggebend.


Tränen und Trösten




„Man muss schon 200 Prozent geben“, so Rebecca zu ihren ersten Wochen beim Roten Kreuz. Und das meint sie durchaus positiv. „Kein Einsatz ist wie der andere, jeder Tag bringt etwas Neues“. Schon der erste Ausflug in die Praxis hatte es in sich, denn es handelte sich um einen Notfall. „Ich durfte den Notarztkoffer herrichten und das hat dank der routinierten und netten Kollegen trotz aller Nervosität super geklappt“, erinnert sich Rebecca.



Gerade bei den Neuen macht sich die gute Stimmung unter den Mitarbeitern, seien es Freiwillige, Zivildiener oder hauptamtliche Rettungssanitäter und Notärzte, bezahlt: „Egal wie viel oder wenig Erfahrung jemand hat, wir sind wirklich ein tolles Team und helfen einander uneingeschränkt“. Als Freiwillige im Rettungsdienst findet sich die Tullnerin aber nicht nur in akuten Notsituationen wieder – manchmal geht es auch um Sanitätseinsätze wo beispielsweise ältere Menschen zu Kontrollen oder Dialysen begleitet werden. Gerade auf solchen Fahrten ergeben sich laut Rebecca nette Gespräche: „Oft sind sehr liebe Patienten dabei, manchmal gibt es aber auch traurige Momente“. Auch Tränen und Trösten gehören zum Alltag von Freiwilligen im Rettungsdienst.



Arbeit als Erfüllung  


Ein FSJ dauert zwischen neun und zwölf Monaten, ein mindestens zehnmonatiger Einsatz kann bei Burschen zudem den Zivildienst ersetzen. Besonders genutzt wird diese Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung von jungen Menschen wie Rebecca, die sich so eine berufliche Grundlage schaffen oder testen wollen ob sie für einen bestimmten Job geeignet sind.



Gerade beim Roten Kreuz ist die Bandbreite groß, denn neben dem Rettungsdienst können sich FSJ-Teilnehmer beispielsweise auch in der Flüchtlingshilfe oder in der Arbeit mit Pflegebedürftigen oder Kindern engagieren. Neben dem Eintauchen in den Arbeitsalltag stehen in allen Bereichen eine fundierte theoretische Ausbildung und der Austausch mit erfahrenen Kollegen im Zentrum. Am Ende haben alle etwas davon. Aus Liebe zum Menschen. Wie groß diese Liebe ist, weiß auch Rebecca: „Ehrlich gesagt bin ich lieber hier als zu Hause“, lacht sie. Etwas Besseres kann einer Einsatzorganisation wohl nicht passieren.

 

Alle Infos zum Freiwilligen Sozialjahr beim Roten Kreuz.

socialshareprivacy info icon