17.09.2019 13:36

Zwei Erdbeben in Telfs - Katastrophen-Einsatz-Seminar in Telfs

Im Großraum Telfs bebt die Erde. Gebäude stürzen ein. Die Infrastruktur ist nur begrenzt nutzbar. Es herrscht Ausnahmezustand. Um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, trainieren rund 100 Rotkreuzler den Ernstfall.

Zwei Erdbeben in Telfs - Katastrophen-Einsatz-Seminar in Telfs
Das Rote Kreuz Tirol beübte in 9 Szenarien ein Erdbeben-Ereignis. 100 neue Katstrophenhelferinnen und -helfer wurden ausgebildet.

Das Katastrophen-Einsatzseminar des Roten Kreuzes Tirol gastierte vergangenen Samstag und Sonntag in Telfs. Realistische Szenarien wie Hauseinstürze, simuliert in Abrissgebäuden, Verschüttungen von Personen und Fahrzeugen sowie Zugunglücke wurden realitätsnah beübt. Rund 100 Katastrophenhelferinnen und -helfer lernen bei diesen Szenarien, mit der Situation umzugehen, im Stress korrekt zu handeln und zu arbeiten.

Zusammenarbeit der Einsatzorganisationen

Um Großereignisse erfolgreich bewältigen zu können, bedarf es einer ausgezeichneten Zusammenarbeit aller Blaulichtorganisationen erklärt Landesrettungskommandant Oswald Gritsch: "Freiwillige Feuerwehren, Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser Hilfsdienst und Rotes Kreuz müssen Hand in Hand arbeiten - nur gemeinsam sind wir stark. Handgriffe müssen sitzen, die Kommunikation untereinander ist ebenfalls äußerst wichtig." Durch Großübungen kann die Zusammenarbeit trainiert und verbessert, Probleme in der Kommunikation angesprochen und behoben werden.

9 realistische Szenarien - viele Nebenschauplätze

"Die Szenarien reichen vom Zugunfall über eine verschüttete Wandergruppe, Evakuierungen nach Gefahrgutunfall oder einem Brückeneinsturz bis hin zum teilweisen Einsturz eines gesamten Gebäudekomplexes. Nebenbei werden für verschiedene Einheiten des Roten Kreuzes, wie die Suchhunden oder den Suchdienst, weitere Szenarien eingespielt, um auch diese wichtigen Bereiche zu beüben", so Übungsleiter Martin Dablander.

Erstmals wird der Suchdienst des Roten Kreuzes Tirol in die Übung eingebunden. Dieser unterstützt Menschen, die aufgrund von Katastrophen, bewaffneten Konflikten oder Migration voneinander getrennt wurden, bei der Wiederherstellung des Kontaktes mit ihren Angehörigen.

Hilfe kennt keine Grenzen

Bezirksrettungskommandant von Telfs, Siegfried Schwaiger, über die Personalsituation im Großschadensfall: "Katastrophenhilfe kennt keine Grenzen. Auch Mitglieder der Organisationen sind selbst von diesen betroffen - man ist auf Hilfe aus der Nachbarschaft angewiesen. Im Roten Kreuz  wurden dafür einheitliche Standards geschaffen, die jede Helferin und jeder Helfer für den Katastrophenfall kennt. Somit kann das Personal aus anderen Bezirken und Bundesländern problemlos eingesetzt werden."

Einsätze über die Landes- und Bundesgrenzen hinaus sind für das Österreichische Rote Kreuz selbstverständlich. Oftmals sind längere Betreuungseinsätze nach Großereignissen notwendig. "Dafür muss eine entsprechende Menge an geschultem Personal vorhanden sein, um die Kolleginnen und Kollegen entsprechend abtauschen zu können. Niemand bleibt über mehrere Tage hinweg durchgehend einsatzfähig. Viele lokale Kräfte sind mit der Bewältigung der eigenen Situation beschäftigt." erklärt Schwaiger.

4 neue Einsatzleiter

Nach dem Abschluss der theoretischen Ausbildung wurden im Zuge der Übung auch angehende Einsatzleiter einer praktischen Prüfung unterzogen. Alle meisterten ihre Prüfung mit Erfolg. Der Einsatzleiter kümmert sich bei größeren Einsätzen um den Ablauf und entlastet die SanitäterInnen bei der Kommunikation mit anderen Organisationen.

Das Rote Kreuz Tirol bedankt sich bei allen Beteiligten. Befreundete Organisationen, Helfer, Darsteller, Küche... - alle tragen zum Funktionieren einer solchen Großübung bei. Ein großes Dankeschön auch an die Firmen im Großraum Telfs für die Zusammenarbeit.

Folgende Szenarien wurden beübt:

  • Zugunfall (2x): Ein Personenzug verunfallte aufgrund eines Erdbebens durch eine Notbremsung die wegen eines Einsturzes im Tunnel notwendig war.
  • Wandergruppe mit Verschütteten und Abgestürzten: Eine Wandergruppe geht vom Pollingberg hinunter und wird durch einen Erdrutsch, ausgelöst durch ein Beben verschüttet bzw. verletzt.
  • Hotelevakuierung: Aufgrund eines Erdbebens ist die Substanz eines Hotelbetriebs nicht mehr sicher und die Gäste müssen evakuiert und registriert werden.
  • Fahrzeugabsturz: Zwei Fahrzeuge, von der Peter Anich Hütte kommend, weichen einem Traktor aus und stürzen ab. Ein Traktor mit Holzanhänger weicht aus und Holzstämme fallen herunter.
  • Brückeneinsturz: Eine Brücke stürzt ein und begräbt mehrere Personen unter sich.
  • Explosion im Camp: Im Camp kommt es zu einer Explosion (simuliert) - das Camp in Pettnau am Sportplatz muss evakuiert werden, die Feuerwehr löscht das entstandene Feuer. 1 Person wird verletzt, 2 Personen sind abgängig und werden von den Suchhunden gesucht.
  • Gefahrgutunfall: Bei einer Firma kommt es auf Grund der Erschütterungen durch ein Nachbeben zum Austritt von Ammoniak aus einer Kühlanlage.
  • Einsturz Festzelt: Ein Festzelt bricht zusammen und begräbt die Besucher, einige entkommen.
  • Südtirolersiedlung: Gebäudeteile stürzen nach einem Beben ein. Nach erster Meldung ist unklar, wie viele Personen betroffen sind.

 

Zahlen

  • ca. 100 neu ausgebildete KatastrophenhelferInnen
  • 180 Figuranten, teilweise mehrfach eingesetzt
  • 270 verschiedene "Rollen" die gespielt wurden
  • 60-70 Rotkreuz-Mitarbeiter im Kommando, Führungskräfte, Schminker etc.
  • 9 Szenarien
  • über 24 Stunden Einsatzdauer
  • Übernachtung im Camp

Rückfragehinweis:

Landesrettungskommando Tirol
DI Andreas Mader, S5
andreas.mader(at)roteskreuz-tirol.at

 

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