Osttirol

11.05.2020 11:59

Notarzt-Versorgung im hinteren Iseltal auf stabilen Beinen

Seit Mitte Oktober 2019 ist die „mobile Notfalleinheit Matrei“ (mNE Matrei), die mit einem Notarzt und einem Notfallsanitäter besetzt ist, in Betrieb.

Notarzt-Versorgung im hinteren Iseltal auf stabilen Beinen

Die ersten Wochen waren geprägt von Aufbauarbeit, ua. der Rekrutierung von Notärzten, der Erstellung von Richtlinien und Regelung von genauen Abläufen. Seit dem Frühjahr kann jetzt auf ein verlässliches System, das rund um die Uhr der Iseltaler Bevölkerung und den tausenden Touristen der Nationalparkregion Hohe Tauern Region zur Verfügung steht, zurückgegriffen werden.

Durchschnittlich absolviert die mNE Matrei einen Einsatz pro Tag und steht zusätzlich den anderen Rettungsmannschaften telefonisch beratend, im Bedarfsfall, zur Seite. Das Einsatzgebiet umfasst in der Regel das hintere Iseltal, mit den Gemeinden Prägraten und Virgen (zusammen ca. 20 %), den Großraum Matrei (ca. 70 %), Kals (ca. 8 %), Hopfgarten in Defereggen und zum Teil St. Johann. Unterstützend kommt diese mobile Notfalleinheit auch in den Gemeinden des Lienzer Beckens zum Einsatz. In durchschnittlich acht Minuten, ab Alarm, konnten und können die diversen Einsatzorte erreicht werden. 

Im Einsatz sind routinierte Notfallsanitäter vom Roten Kreuz Osttirol und 16 erfahrene Notfallmediziner aus Nah und Fern, darunter Fachärzte für Anästhesie und Intensivmedizin, Allgemeinmediziner, (Unfall)-Chirurgen, und jeweils ein Facharzt der Disziplinen Pädiatrie, Psychiatrie, Innere Medizin und Neurologie. Die Koordination der Notärzte übernimmt Dr. Andreas Kreiger, selbstständiger Anästhesist aus Villach. Das fachlich bestens ausgebildete Team von Ärzten und Notfallsanitätern ist mit den aktuellsten Standards vertraut und rund um die Uhr über die Leitstelle Tirol und den Notruf 144 erreichbar.

Unterwegs ist das Team mit einem top-ausgestatteten Mercedes Vito mit Allrad und 190 PS, mit an Bord u. a. über 60 unterschiedliche Notfallmedikamente, Material zur (unfall-) chirurgischen Versorgungen von Patienten, einem Monitor mit EKG-, Defibrillations- und umfangreicher Diagnostikmöglichkeit, moderne Tools zur Atemwegssicherung, einem High-End-Beatmungsgerät mit acht verschiedenen Beatmungsmodi, Bergematerial, usw.

Die Art der bisherigen Einsätze ist recht gewöhnlich für bodengebundene Notarztsysteme  verteilt: In 56 % der Fälle rückte die Mannschaft zu Internistischen Notfällen, wie Herzproblemen, Kreislaufproblemen, Atemproblemen, etc. aus. 12 % der Einsätze waren Haushaltsunfälle, 10 % neurologische Notfälle, wie z. B. Schlaganfälle, der Rest verteilt sich recht gleichmäßig auf chirurgische Notfälle, Sport- und Freizeitunfälle und Verkehrsunfälle. Zwar in geringen Fallzahlen, aber auch zu bewältigen waren Arbeitsunfälle, psychiatrische Notfälle und Vergiftungen.

Zusätzlich kam die mNE, vor allem in den Wintermonaten und der touristischen Hochsaison, auch ohne Notarzt zum Einsatz, wo sie als qualifizierter und gut ausgestatteter First Responder diente. Wenn kein anderes Rettungsmittel im Iseltal verfügbar war, koordinierte sie als Einsatzleiter, wenn es mehrere Patienten zu versorgen gab, unterstützte man niedergelassene Ärzte bei Notfällen, bis andere Rettungsmittel eintrafen.

Für die Zeit der Corona-Krise konnte mit den Ärzten der mobilen Notfalleinheit Matrei und in Zusammenarbeit mit dem Notarztverband Osttirol, der die räumliche Lösung dafür organisiert hat, ein Backup geschaffen werden, welches es ermöglicht, innerhalb kürzester Zeit eine „Notordination“ zu eröffnen, die den extramuralen Bereich jederzeit und flexibel unterstützen kann, sollte dies notwendig werden.

Herr F. aus Matrei ist froh über das installierte Notarztsystem. Er wurde erst kürzlich von unserem Team versorgt und teilt seine Erfahrungen:

Ich bin 57 Jahre alt und normalerweise sportlich sehr aktiv. Seit einiger Zeit verspürte ich bereits bei Belastung einen für mich schwer eruierbaren Druck in Kopf und Oberkörper. Der Zustand verschlechterte sich stark übers Wochenende, woraufhin es für mich und meine Gattin Montagfrüh feststand, dringend den Notruf zu kontaktieren. In weniger als fünf Minuten war das Notarztteam bei mir vor Ort und ich wurde bereits zuhause im Wohnzimmer kardiologisch durchgecheckt. Es wurden erste vorsorgliche Maßnahmen getroffen und die Therapie, die im Krankenhaus fortgesetzt wurde, begonnen. Während der gesamten Behandlung bei mir zuhause, sowie beim durch den Notarzt begleiteten Transport ins BKH Lienz, fühlte ich mich sehr sicher und gut versorgt.

Dies trug dazu bei, dass ich bereits nach wenigen Tagen, nach einem notwendig gewordenen Eingriff im Krankenhaus, dieses wieder wohlauf verlassen konnte.

Der Auftrag vom Land Tirol an das Rote Kreuz bzw. die Rotes Kreuz Tirol, gemeinnützige Rettungsdienst GmbH, für die Vorhaltung der mobilen Notfalleinheit in Matrei, als Ersatz für die bisherigen Notarztsysteme, endet mit 13. Juli 2020. Ob das mittlerweile ausgezeichnet etablierte System darüber hinaus fortgesetzt werden kann und damit der Auftrag verlängert wird, steht noch nicht fest.

 

 

 

 

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