16.05.2018 08:52

Kirgistan: Seniorenzentrum in Tokmok

In Kirgistan werden aktuell Pflege- und Betreuungsdienste landesweit ausgebaut. Wir waren vor Ort - und haben Videos mitgebracht.

Kirgistan: Seniorenzentrum in Tokmok
Werner Kerschbaum mit Freiwilligen des Kirgisischen Roten Halbmonds

Valentina macht keine halben Sachen. Sie leitet die Dienststelle des Kirgisischen Roten Halbmonds in der Stadt Tokmok und ist damit für die drängendsten humanitären Bedürfnisse der etwa 63.000 Einwohner zuständig. Das Wohlergehen ihrer Mitmenschen nimmt die Kirigisin mit russischen Wurzeln ernst. Davon überzeugte sich auch Generalsekretär Werner Kerschbaum vor Ort persönlich.

In ihrer Dienstelle setzen sich etwa ein Dutzend Freiwillige mit Leib und Seele für Erste Hilfe, Katastrophenvorsorge, soziale Dienste und ganz besonders für ältere Menschen ein. Denn sie zählen in Kirgistan zu den verletzlichsten Gruppen der Bevölkerung. Im ganzen Land brauchen etwa 400.000 ältere Menschen Pflege oder Unterstützung, schätzt der Kirgisische Rote Halbmond. Diesen Bedarf können weder die staatlichen Sozialarbeiter noch die Familien der Pflegebedürftigen abdecken. 

Sozialarbeiter decken das gesamte Spektrum der sozialen Notlagen ab, für 20 Klienten gibt es eine Stelle. Familienverbände lösen sich auf, da die erwerbsfähige Generation ins benachbarte Russland zum Arbeiten zieht. Viele ältere Menschen bleiben alleine zurück.

Frau Valentina hat zumindest für ihre Stadt Tokmok ein Gegenmittel gefunden und im ehemaligen Krankenhaus ein Seniorenzentrum eingerichtet. Zweimal in der Woche sind die Türen für ältere Stadtbewohner geöffnet, dann wird geredet, gebastelt, gespielt, gegärtnert oder einfach nur Tee getrunken. Ihre gebastelten Erzeugnisse verkaufen sie auf Märkten in der Umgebung. Die Einnahmen kommen wieder der Dienststelle zu Gute. Etwa 50 freiwillige Heimpflegerinnen des Roten Halbmonds besuchen pflegebedürftige und alleinstehende Patienten in der Stadt und ihrer Umgebung.  

Valentina hat auch eine Backstube eingerichtet, deren Erzeugnisse verkauft werden und damit auch zum Einkommen der Dienststelle beitragen. Geld, das auch für die Renovierung des Hauses benötigt wird, denn Frau Valentina hat noch einiges vor:  Computer- und Nähkurse sollen angeboten werden, Massageräume und Behandlungszimmer für Ärzte entstehen und Unterstützungsangebote für ältere und Demenzkranke werden ausgebaut. Diese Bemühungen wird auch das ÖRK unterstützen. Damit Frau Valentina weiterhin gut für ihre Stadt und deren Bewohner sorgen kann.

Tokmok ist eines von bisher drei Projekten für ältere Menschen, die der Kirgisische Rote Halbmond betreibt. Mit Unterstützung durch das Österreichische und das Schweizer Rote Kreuz sollen Pflege- und Betreuungsdienste landesweit ausgebaut werden. 

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