16.05.2018 10:34

Rotes Kreuz: Zerstörung von Krankenhäusern muss aufhören

Vor zwei Jahren hat die UNO zum Schutz medizinischer Einrichtungen in Konflikten aufgerufen: Seit damals gab es jede Woche einen Angriff.

Rotes Kreuz: Zerstörung von Krankenhäusern muss aufhören
IKRK-Präsident Peter Maurer in Syrien.

Wien (Rotes Kreuz) – In den vergangenen zwei Jahren gab es jede Woche einen Angriff auf medizinische Einrichtungen oder deren Mitarbeiter. Und das, obwohl der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 3. Mai 2016 solche Attacken in Konfliktsituationen verurteilt und in Resolution 2286 appelliert hatte, die Unverletzlichkeit der Gesundheitsversorgung zu achten. Seit damals hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in 16 Staaten mehr als 1.200 gewalttätige Zwischenfälle registriert.

„Angriffe auf die Gesundheitsversorgung und medizinisches Personal sind eine doppelte Tragödie“, sagt IKRK-Präsident Peter Maurer. „Zunächst betreffen solche Angriffe Menschen, die medizinische Versorgung benötigen oder bereitstellen. Aber sie hindern auch eine Unzahl an Menschen daran, in Zukunft Hilfe zu bekommen und zerstören ihre Hoffnung auf Genesung.“ Das IKRK fordert das Einstellen von Angriffen auf jede zivile Infrastruktur, eine Ende der Blockaden von Hilfslieferungen und die Untersuchung illegaler Attacken.

Selbst der Krieg habe Regeln, ergänzt Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes: „Die Zerstörung von Krankenhäusern muss aufhören. Es ist ganz einfach eine Verletzung internationaler Verträge, wenn Gewalt den Zugang zu medizinischer Versorgung unmöglich macht. Es muss im Interesse aller Staaten liegen, stärker auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu pochen, damit es später weniger Hilfsbedarf gibt.“

Im Nahen Osten ist die Zerstörung medizinischer Infrastruktur besonders beunruhigend. Mehr als die Hälfte der öffentlichen Spitäler in Syrien sind geschlossen oder funktionieren nur zum Teil. Manche von ihnen wurden mehrmals von Luftschlägen getroffen, und in bestimmten Teilen des Landes wurde die Bereitstellung medizinischer Versorgung sowie die Evakuierung von Kranken und Verwundeten immer wieder blockiert. In Afghanistan haben tausende, wenn nicht Millionen Menschen keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung. Im Irak ist die Zerstörung ziviler Infrastruktur in manchen Gegenden massiv: Mehr als 7,3 Millionen Menschen brauchen dort medizinische Hilfe, etwa 20.000 Ärzte sind seit 2003 aus dem Land geflohen. Andere Staaten, in denen Gewalt die Gesundheitsversorgung beeinträchtigt, sind Jemen, Afghanistan, Niger, Pakistan oder die Ukraine.

Fotos: http://images.roteskreuz.at/?c=5768&k=fb11d1947b


Rückfragehinweis:
Dr. Stefan Müller
Österreichisches Rotes Kreuz,
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