22.05.2020 12:03

Ostafrika: Rotes Kreuz warnt vor Dreifachbedrohung durch COVID-19, Überflutungen und Heuschrecken

Die härteste Schädlingsplage seit Jahrzehnten und Rekord-Regenfälle treffen vor allem die Ärmsten besonders hart

Ostafrika: Rotes Kreuz warnt vor Dreifachbedrohung durch COVID-19, Überflutungen und Heuschrecken

Nicht nur das Coronavirus, auch Fluten und Heuschreckenplagen wüten derzeit in weiten Teilen Ostafrikas. Vor allem der Norden Kenias, Äthiopien, Somalia und der Südsudan sind von diesen Belastungen betroffen. Starke Regenfälle führten zu mehr als einer halben Million Flüchtenden und mehr als 300 Toten in der Region. 


Corona-Dunkelziffer könnte hoch sein


Zwar sind die bestätigten Corona-Fallzahlen derzeit noch vergleichsweise niedrig, aufgrund der wenigen Tests ist aber unbekannt, ob diese Ergebnisse auch stimmen. Die Maßnahmen gegen das Virus verzögern auch die Bekämpfung der Heuschreckenschwärme. Schon jetzt lässt sich absehen, dass es sich dabei um die größte Schädlingsplage der Region seit Jahrzehnten handelt. Sie erreicht ihren Höhepunkt voraussichtlich im Juli, dann könnte ein Großteil der heurigen Ernten vernichtet sein. 


Noch ist die Lebensmittelversorgung weitgehend gesichert, doch die wirtschaftliche Situation der Ärmsten wird von Tag zu Tag schwieriger. „Viele Menschen arbeiten als Tagelöhner in den Städten und schicken Geld an ihre Familien auf dem Land. Momentan gibt es wegen des Coronavirus aber kaum noch Arbeit, gleichzeitig dürfen sie aber auch nicht die Städte verlassen, um ihren Familien zu helfen“, schildert Florian Haas, ÖRK-Delegierter für Ostafrika, der die Hilfsprojekte des Roten Kreuz vor Ort koordiniert. 


In der Region gibt es weitreichende Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen, um das Coronavirus einzudämmen. In Nairobi, wo er derzeit stationiert ist, herrschen etwa streng kontrollierte Ausgangssperren von 19 bis 6 Uhr. Es darf niemand mehr die Stadtgrenze passieren, nur noch Lebensmittel gelangen in die Stadt, berichtet Haas. 


Maßnahmen gegen Coronavirus behindern Schädlingsbekämpfung


Die Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit behindern auch die Schädlingsbekämpfung. So können derzeit WHO-Flugzeuge, die großflächig Insektenschutzmittel versprühen, nicht abheben. Auch fehlt es an den dafür nötigen Chemikalien, weil diese nur mehr sporadisch nach Kenia transportiert werden können. 


Das ÖRK hilft gemeinsam mit den regionalen Partnerorganisationen und der Internationalen Föderation des Roten Kreuz und der Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) bei der Corona-Prävention, etwa durch Hygieneschulungen und Informationskampagnen. Auch koordiniert das Rote Kreuz Hilfsprojekte, um zerstörte Infrastruktur wiederaufzubauen und Betroffene mit Nahrung und Medikamenten zu versorgen. 


Um besonders hart betroffene und oftmals von der Außenwelt abgeschnittene Dörfer zu finden, greift das Rote Kreuz auf Satellitenbilder, Drohnen und Hubschrauber zurück. 


Überflutungen sind ein wiederkehrendes Problem im Osten Afrikas. Um diesen Teufelskreis zu stoppen, bitten wir Regierungen und Hilfsorganisationen, mehr in Prävention zu investieren“, sagt Simon Missiri, Regionaldirektor für Afrika des IFRC. 


socialshareprivacy info icon