16.06.2020 10:57

Covid19: ÖRK hilft in Armenien und Georgien

So nah an Europa, medial aber wenig beachtet ist der Südkaukasus. Zwei Länder, zwei Welten.

Covid19: ÖRK hilft in Armenien und Georgien
Michael Grabner ist seit vielen Jahren als Rotkreuz-Delegierter im internationalen Einsatz.

So nah an Europa, medial aber wenig beachtet ist der Südkaukasus. Die epidemiologische Situation in Georgien und Armenien ist sehr unterschiedlich. Georgien hat schnell und erfolgreich reagiert, sodass die Ausbreitung derzeit unter Kontrolle ist. In Armenien steigen die Zahlen leider nach wie vor stark an. "Beiden Ländern gemein ist, dass der Sozialstaat kaum vorhanden ist und sich die wirtschaftlichen Folgen der Krise besonders stark auf die Bevölkerung auswirken", sagt Michael Grabner, der in der Region als Delegierter vom Österreichischen Roten Kreuz seit vielen Jahren im Einsatz ist.

"Wirtschaft würde Lockdown nicht überstehen"

Armenien ist mit einem BIP pro Kopf und Jahr von rund 3.800 Euro (vgl. Österreich: 48.000 Euro) das ärmste der drei Kaukasusländer. Es hatte schon vor der Corona-Pandemie mit großen Herausforderungen zu kämpfen, allen voran Abwanderung, Arbeitslosigkeit und Armut. "Armenien kann sich einen Lockdown gar nicht leisten, heißt es oft. Die Wirtschaft würde das nicht überstehen", sagt Grabner.

Um besonders bedürftige Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen, verteilt das ÖRK in Zusammenarbeit mit dem Armenischen Roten Kreuz Hilfspakete mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten. Das Rote Kreuz bietet außerdem über eigens eingerichtete Hotlines psychosoziale Betreuung an, etwa für all jene, die ihre berufliche Perspektive oder Familienmitglieder verloren haben. Mehr als 20.000 Familien wurde in den letzten Wochen bereits geholfen.

Hilfspakete und mobile Hauskrankenpflege

Die Verteilung von Hilfspaketen für besonders Bedürftige gibt es auch im Nachbarland Georgien. Dort betreibt das ÖRK gemeinsam mit dem Georgischen Roten Kreuz außerdem mobile Hauskrankenpflege. "Die Versorgung von Älteren und chronisch Kranken ist hier ein großes Problem, weil es nur wenige staatliche Angebote gibt. Das Rote Kreuz bietet deshalb mobile Pflege und Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags an", erklärt Grabner.

Um auf die Coronakrise und ihre sozialen Folgen zu reagieren, wurde dieses Angebot stark ausgeweitet. Natürlich unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen: Pflegepersonal und Betreuer_innen verwenden Privat-PKWs anstatt öffentlicher Verkehrsmittel und wechseln ihre Schutzausrüstung (Maske, Handschuhe, Mantel etc.) nach jedem Patientenkontakt. Auch dank dieser Maßnahmen gibt es unter den vielen Betreuten, fast alle über 65 Jahre alt und damit in der Risikogruppe, noch keinen einzigen positiv getesteten Covid19-Fall.

Pflegende Angehörige unterstützen

Seit kurzem werden professionelle Krankenpflegepersonen in Georgien dahingehend weitergebildet, dass sie auch die vielen informell Pflegenden, etwa Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn, unterstützen können. Pflegende Angehörige tragen - wie in Österreich - die größte Bürde in der häuslichen Betreuung und sind damit oft überfordert. Die Unterstützung dieser Gruppe durch professionelle Krankenpflegepersonen nimmt etwas Last von den Schultern der Angehörigen und hilft ihnen dabei, psychosozialen Stress zu reduzieren.

"Sowohl in Armenien als auch in Georgien ist die ländliche Bevölkerung tendenziell ärmer und dadurch verwundbarer. Gleichzeitig gibt es abseits der großen Städte kaum Anbieter von Hauskrankenpflege", sagt Ina Girard, die für das ÖRK in Tiflis tätig ist. Deshalb ist das Rote Kreuz in beiden Ländern in engem Kontakt mit Gemeinden und Regierungen, um basierend auf den Erfahrungen vor Ort, aber auch in Österreich, ein landesweites Hauskrankenpflege-Programm zu entwickeln. Unterstützung kommt dabei auch von der österreichische Entwicklungszusammenarbeit.

Professionelles Krisenmanagement


"Wir sind schon jetzt der größte Anbieter von professioneller Hauskrankenpflege in Georgien. Damit können wir gegenüber der hiesigen Regierung argumentieren, warum es ein starkes Rotes Kreuz braucht", sagt Girard. Gemeinsam mit seinem Team arbeitet er außerdem an einem EU-geförderten Zivilschutzprogramm für Georgien, Armenien und der Ukraine, um diese Länder stärker für künftige Katastrophenfälle zu wappnen. Denn die aktuelle Coronakrise zeigt, wie wichtig funktionierendes Krisenmanagement in enger Zusammenarbeit zwischen Rotem Kreuz und den zuständigen Behörden ist. Aber auch professionelle Akut- und Langzeithilfe, wie sie vom ÖRK seit vielen Jahren in dieser Region durchgeführt wird.

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