14.05.2008 12:41

Streumunition: IKRK ruft Staaten dringend zur Annahme eines starken Übereinkommens in Dublin auf

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sagte heute, die Staaten, die über ein Übereinkommen über das Verbot von Streumunition verhandeln werden, müssten Entschlossenheit zeigen, um gegen das unannehmbare Leid, das diese Waffen über die Zivilisten bringen, anzugehen. Vom 19. bis 30. Mai werden in Dublin mehr als 100 Staaten zu einer Diplomatischen Konferenz zusammenkommen. Sie ist ein wichtiger Schritt in dem Prozess, der im Februar 2007 in Oslo eingeleitet wurde und seither zunehmend an Dynamik gewonnen hat.

Streumunition: IKRK ruft Staaten dringend zur Annahme eines starken Übereinkommens in Dublin auf
Jakob Kellenberger, Präsident des IKRK

"Streumunition hört nie auf, zu töten", sagte Jakob Kellenberger, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), der bei der Eröffnung der Dubliner Konferenz eine Rede halten wird. "Bei seinen Tätigkeiten zugunsten der von einem bewaffneten Konflikt betroffenen Menschen ist das IKRK oft Zeuge der schrecklichen Folgen geworden, die diese Munition für die Zivilisten hat. Die Staaten sollten jetzt einen Vertrag abschliessen, der unpräzise und funktionsunzuverlässige Streumunition verbietet, deren Räumung regelt und die Unterstützung ihrer Opfer sichert", sagte Jakob Kellenberger weiter.

Gewisse Typen von Streumunition enthalten bis zu 650 Stück explosiver Submunition, die eine Fläche von mehr als 30 000 Quadratmetern abdecken kann. Diese Munition ist bekanntermassen unpräzise und explodiert beim Aufprall oft nicht.

In über 20 Ländern sind heute ganze Landstriche, die mit nicht explodierter Submunition übersät sind, so gefährlich wie Minenfelder. Diese Munition kann über mehrere Generationen eine tödliche Gefahr darstellen. In Laos beispielsweise – dem weltweit am stärksten betroffenen Land – wurde in den 1960er und 1970er Jahren Streumunition mit schätzungsweise insgesamt 270 Millionen Submunitionen eingesetzt. Dutzende Millionen Stück explodierten beim Aufprall nicht und töten weiter Menschen.

Ohne ein rasches, abgestimmtes Handeln der Staaten könnte Streumunition einen sehr viel höheren menschlichen Tribut fordern als Antipersonenminen, die bereits von 156 Staaten verboten wurden. Zurzeit lagern Staaten Milliarden von Submunitionen. Viele Typen dieser Munition sind veraltet, unpräzise und funktionsunzuverlässig. Doch im Unterschied zu den Antipersonenminen, über die praktisch alle Streitkräfte verfügten, besitzen derzeit nur 75 Staaten Streumunition.

"Wir haben jetzt die Möglichkeit, menschliches Leid abzuwenden, das ein riesiges Ausmass annehmen könnte", sagte Jakob Kellenberger. "Die Staaten müssen diese wichtige Gelegenheit ergreifen, um zu verhindern, dass Streumunition unzählige weitere Zivilisten tötet oder verstümmelt."

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