27.05.2008 12:30

Steigende Nahrungsmittelpreise treffen die Ärmsten in Kriegsgebieten

Jakob Kellenberger, Präsident des IKRK

Genf (IKRK) – Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) warnte heute, der derzeitige Anstieg der Nahrungsmittelpreise könnte die Millionen Menschen besonders hart treffen, die bereits unter einem bewaffneten Konflikt leiden. "Die steigenden Nahrungsmittel- und Treibstoffpreise erschweren das Leben der Armen, die bereits den Folgen von Krieg und interner Gewalt ausgesetzt sind, zusätzlich", sagte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger, als er den Tätigkeitsbericht der Organisation für das Jahr 2007 vorstellte. "Dies trifft insbesondere auf Länder wie Tschad, Somalia, Jemen, Afghanistan und Haiti zu."

Jakob Kellenberger führte weiter aus, das IKRK wolle die Zivilbevölkerung, die es in 52 Ländern unterstützt, trotz des Anstiegs der Preise im vorgesehenen Umfang mit Hilfsgütern, Trinkwasser und medizinischer Hilfe versorgen. Ferner trifft die Organisation zurzeit Vorbereitungen, für die Menschen zusätzliche Nahrungsmittel und Gebrauchsgüter bereitzustellen, die von den kumulierten Auswirkungen von Krieg und steigenden Nahrungsmittelpreisen besonders stark betroffen sind, darunter Vertriebene, Verwundete und Kranke sowie Gefangene. So wird das IKRK z.B. mehr Nahrungsmittel an konfliktbetroffene Gemeinschaften im Jemen und in Somalia verteilen.

Wie aus dem Tätigkeitsbericht 2007 der in Genf ansässigen Organisation hervorgeht, beliefen sich ihre Ausgaben im Jahre 2007 auf insgesamt 944 Millionen Schweizer Franken. Vom Haushalt für Feldeinsätze entfielen 45 % auf Afrika und 21 % auf den Nahen Osten. Das IKRK führte Wasser- und Sanitärversorgungsprogramme sowie Bauprojekte durch, die über 14 Millionen Menschen zugute kamen. Ferner unterstützte es regelmässig Gesundheitseinrichtungen, die letztes Jahr fast 2,9 Millionen Patienten behandelten. Darüber hinaus sammelte und übermittelte es annähernd 500 000 Rotkreuzbotschaften (kurze persönliche Botschaften an Angehörige, die infolge eines bewaffneten Konflikts auf keine andere Weise kontaktiert werden können). Ausserdem besuchte das IKRK über eine halbe Million Gefangene in 77 Ländern.

Das Schicksal der Menschen, die infolge eines bewaffneten Konflikts vertrieben wurden, gehört weiter zu den Hauptanliegen des IKRK. Insbesondere in Regionen, in denen wegen der prekären Sicherheitsbedingungen keine anderen humanitären Organisationen präsent sind, unterstützte das IKRK im Jahre 2007 über vier Millionen Vertriebene – also etwa eine halbe Million mehr als im Vorjahr. Unter diesen waren neue Vertriebene, beispielsweise in Somalia und Kolumbien, und Vertriebene, die an ihre Herkunftsorte zurückkehrten, z.B. in Uganda und Sri Lanka. Das IKRK bemühte sich zudem, Vertreibungen zu verhindern. In der sudanesischen Provinz Darfur beispielsweise ermöglichte es verletzlichen Gemeinschaften in ländlichen Gebieten durch seine Hilfe, vor Ort zu bleiben, statt wie so viele andere in Vertriebenenlagern Zuflucht zu suchen.

Jakob Kellenberger gab seiner Besorgnis darüber Ausdruck, dass in vielen bewaffneten Konflikten die Zivilisten zum Ziel gemacht werden und so das Leben Tausender Männer, Frauen und Kinder zerstört wird. "Der Bericht macht auf die unzähligen Verletzungen des humanitären Völkerrechts aufmerksam, deren Zeugen wir im letzten Jahr weltweit wurden. Gleichzeitig dokumentiert er die Bemühungen des IKRK, diesen Verletzungen ein Ende zu setzen", sagte Jakob Kellenberger weiter. "Würden die Bestimmungen des humanitären Völkerrechts besser eingehalten, würden weniger Zivilisten getötet oder verwundet, weniger Frauen und Mädchen vergewaltigt und weniger Menschen vertrieben."

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