09.11.2018 10:27

World Disasters Report 2018: Rotes Kreuz fordert Umdenken

Es muss mehr getan werden, um allen Betroffenen von humanitären Krisen zu helfen. Die Zahl der Naturkatastrophen stagniert, aber die verursachten Schäden sind gestiegen.

World Disasters Report 2018: Rotes Kreuz fordert Umdenken
Trockenheit und Dürre entfalten sich schleichend, wie hier in Mauretanien, 2018. Jonaba in Magta Lajar im Süden des Landes ist seit 2017 von Trockenheit mit katastrophalen Folgen für Vieh und Landwirtschaft betroffen.

Das Rote Kreuz ist immer öfter im Einsatz, um Menschen nach Naturkatastrophen zu helfen. Hatten seine Teams in den Siebzigerjahren noch mit 80-100 wetterbedingten Krisen pro Jahr zu tun, waren es 2017 bereits 400. Von 2008-2017 gab es 3751 Naturkatastrophen. Davon spielte in 84 Prozent der Fälle das Wetter eine Rolle und zwei Milliarden Menschen waren betroffen, berichtet der World Disasters Report 2018, den die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) herausgibt. Der Schaden betrug 1,6 Billionen Dollar. Fluten (1.522) und Stürme (1.000) machten etwa zwei Drittel der Katastrophen aus. 

 

Im Vergleich zum Zeitraum von 1998-2007 ist die Zahl der Naturkatastrophen gesunken. Gestiegen ist allerdings die Zahl der von extremen Temperaturen, Dürren, Erdrutschen und Waldbränden Betroffenen – genau wie die durch Naturkatastrophen verursachten Schäden. Das liegt auch daran, dass es meist dieselben verwundbaren Regionen trifft. 40,6 Prozent der 3.751 Katastrophen ereigneten sich in Asien, der am dichtesten besiedelten Region der Welt. Beinahe 80 Prozent der Betroffenen lebten dort. Danach folgten Nord- und Südamerika und Afrika als am meisten betroffene Regionen. 


„Es wird wärmer auf der Erde und das hat einen Einfluss auf die humanitäre Arbeit“, sagt Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. „Oft treffen extreme Wetterereignisse ohnehin verwundbare Regionen, wo die Menschen am wenigsten zur Klimaerwärmung beitragen. Das ist extrem unfair. Ein weiteres Problem ist, dass Millionen von Menschen keine humanitäre Hilfe erhalten, obwohl sie diese benötigen.“

 

2018 brauchen laut UNO etwa 134 Millionen Menschen humanitäre Hilfe, davon werden 97 Millionen für UN-koordinierte Hilfsprogramme ausgewählt. Die übrigen sind auf Hilfe von Regierungen, dem Roten Kreuz oder anderen Hilfsorganisationen angewiesen. Viele können wegen Unterfinanzierung aber nicht erreicht werden. Dazu kommen Menschen, die nicht erfasst sind, weil sie in keiner Statistik aufscheinen oder keine Papiere haben, zum Beispiel irreguläre Migranten. Am Ende bleiben Millionen Menschen in ihrem Elend allein. 


„Wir müssen genauer hinsehen, damit alle Menschen die benötigte Hilfe erhalten“, sagt Kerschbaum. „Am wichtigsten wäre es mehr Ressourcen in lokale Hilfsorganisationen zu investieren, die dafür sorgen können, dass niemand von Hilfe ausgeschlossen bleibt. Nur 2,9 Prozent der internationalen humanitären Hilfe geht direkt an lokale Organisationen.“ Man müsse hinterfragen, warum manche Krisen mehr Spenden als andere bekommen und das Leid mancher Gruppen nicht als „unser Problem“ gesehen wird: „Menschliches Leid ändert sich, deshalb müssen wir auch die Hilfe entsprechend anpassen.“



Rückfragehinweis:

Dr. Stefan Müller
Österreichisches Rotes Kreuz
Medienservice
Tel.: +43/1/589 00-352
Mobil: +43/664 122 31 37

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