08.05.2019 08:19

Weltrotkreuztag am 8. Mai: "Ehrenamtlich tätig zu sein, ist für uns selbstverständlich!"

Zum jährlichen Weltrotkreuztag am 8. Mai möchten wir heuer die Rotkreuz-Ehrenamtlichen Sabine (53) und ihre Tochter Elisabeth (32) aus Göfis vor den Vorhang holen. Stellvertretend für alle unsere freiwilligen Rotkreuz-Mitarbeiter als Dank und Anerkennung für ihr ehrenamtliches Engagement!

Weltrotkreuztag am 8. Mai: "Ehrenamtlich tätig zu sein, ist für uns selbstverständlich!"
Sabine Lampert und Tochter Elisabeth Lampert engagieren sich leidenschaftlich im Ehrenamt.

Sabine, viele RK-Kollegen treten bereits in der Jugend dem Roten Kreuz bei. Wie bist du zum Roten Kreuz gekommen?

Sabine Lampert: Als ich nach meiner Ausbildung zur Kindergartenpädagogin zu arbeiten begann, suchte ich eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Durch Freunde wurde ich aufs Ehrenamt beim Roten Kreuz aufmerksam.


Was sind deine Aufgaben beim Roten Kreuz und was motiviert dich nach über 30 Jahren immer noch zu helfen?

Sabine Lampert: Für das Rote Kreuz Vorarlberg bin ich im Rettungs- und Ambulanzdienst tätig. Zudem bin ich als Nachbarschaftsanitäter (NASAN) im Einsatz und als Praxisanleiter für auszubildende Sanitäter. Jeder Dienst bringt Begegnungen mit wunderbaren Menschen, neue Erfahrungen und Eindrücke. Ich bin sehr dankbar, dass es meiner Familie und mir gut geht. Besonders durch die Arbeit beim Roten Kreuz wird mir immer wieder bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist. Mein Ehrenamt ist meine Chance, Menschen etwas zurück zu geben.

 

Welche Rotkreuz-Themen liegen dir besonders am Herzen?

Sabine Lampert: Das Ehrenamt ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Wenn jeder seinen Beitrag leistet, sind wir reich an Erfahrung und Menschlichkeit. Unsere auszubildenden Rettungsanitäter bekommen eine gute fachliche Ausbildung. Den wertschätzenden Umgang mit Menschen, die sich teilweise am Rande unserer Gesellschaft befinden, kann man in der Theorie nicht lernen. Das muss durch Vorbild und evaluierende Gespräche nach den Einsätzen vorgelebt werden. Diese Aufarbeitung mit unseren Azubis liegt mir ganz besonders am Herzen und ich versuche, meine Werte an die jungen Kollegen weiterzugeben.

 

Was war dein schönster Rotkreuz-Moment?

Sabine Lampert: Während der großen Flüchtlingswelle arbeitete ich in Dornbirn, Wien und Spielfeld mit. Die vielen Einzelschicksale haben mich sehr berührt. Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Abteilungen war etwas ganz besonders für mich. Auch wenn wir uns zuerst nicht kannten, verbanden uns die gleichen Werte. Und so waren wir im Nu ein eingespieltes Team. Nach außen sichtbar war das gleich durch die Uniform.

 

Auf wie viele ehrenamtliche Stunden kommst du pro Monat?

Sabine Lampert: Normalerweise mache ich zwischen zwei und drei Nachtdienste pro Monat. Dazwischen bin ich immer wieder für den NASAN im Einsatz. Mir ist es wichtig, möglichst viele Aus- und Fortbildungen zu besuchen. Denn das Leben ist lernen. Und am Ball bleiben ist mir wichtig. Wir müssen in allen Lebensbereichen vorwärts gehen und nicht stehen bleiben. Das kann in Stunden nicht angegeben werden, weil es sich von Monat zu Monat sehr stark unterscheidet.

 

Auch deine Tochter ist ehrenamtlich tätig. Hast du ihr die Rotkreuz-Werte bereits in der Kindheit vermittelt?

Sabine Lampert: Für uns war das nie etwas besonders. Die Rotkreuz-Werte sind unsere Lebenseinstellung. Dadurch, dass ich nach jedem Nachtdienst aus der Bäckerei frisches Frühstück mitbrachte, waren die Nachtdienste bei allen unserer drei Kinder beliebt und geschätzt.

 

Was hat sich in all deinen Dienstjahren beim Roten Kreuz geändert?

Sabine Lampert: Außer den gleichbleibenden Werten hat sich vieles getan! Die Lehrmeinungen, die Ausrüstung der Fahrzeuge, der Dienststellen-Standort und das Personal haben sich geändert. Auch die Einstellung der Gesellschaft im Umgang mit uns Ehrenamtlichen hat sich geändert: Viele Dienstleistungen werden "gefordert" - auch wenn sie nicht notwendig wären. Gewalt im Rettungsdienst war früher kein Thema. Einsätze mit psychisch erkrankten Patienten häufen sich.

 

Elisabeth, wie bist du zum Roten Kreuz gekommen?

Elisabeth Lampert: Vereine und Ehrenamt waren für mich schon immer wichtig. Seit 20 Jahren bin ich im Musikverein in Göfis. Vor drei Jahren war es Zeit für eine Veränderung und so begann ich meine Ausbildung beim Roten Kreuz. Meine Mama war dabei mein großes Vorbild und ich freue mich, dieses Hobby mit ihr gemeinsam ausüben zu dürfen.

 

Was sind deine Aufgaben beim Roten Kreuz und was motiviert dich zu helfen?

Elisabeth Lampert: Ich bin im Rettungs- und Ambulanzdienst und dem NASAN im Einsatz Schon als Kind wurde ich dazu erzogen, anderen Menschen zu helfen. Bei einem Unfall oder einer körperlichen Beeinträchtigung sind Menschen oft nicht mehr in der Lage, sich selbst zu helfen. Und genau da kommen wir vom Rettungsdienst ins Spiel. Wir helfen dort, wo andere an ihre Grenzen stoßen.

 

Welches Thema beim Roten Kreuz liegt dir besonders am Herzen?

Elisabeth Lampert: Mir ist es sehr wichtig, dass man im Einsatz nicht nur mit Hirn, sondern auch mit Herz und Verstand arbeitet. In vielen Situationen ist besonderes Feingefühl für den Patienten nötig. Neben der fachlichen Qualifikation darf die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleiben.

 

Was war dein schönster Rotkreuz-Moment?

Elisabeth Lampert: Ein schöner, wenn gleich auch trauriger Moment war, als ich in einem Dienst eine ältere Dame bis zu ihrem Tod begleiten durfte. Bei einem scheinbar einfachen Einsatz fanden wir eine Patientin vor, deren Gesundheitszustand sich innerhalb kürzester Zeit extrem verschlechterte. Während der Fahrt hielt die Frau die ganze Zeit meine Hand fest, und wollte nicht alleine sein. Im LKH Feldkirch durften wir nach der Übergabe die Ärzte und Pfleger weiter unterstützen und konnten der Patientin bis zur letzten Sekunde beistehen. Für mich war das ein sehr rührender Moment, den ich niemals vergessen werde.

 

Auf wie viele ehrenamtliche Stunden kommst du pro Monat?

Elisabeth Lampert: Für mich ist es wichtig, dass ich meine Freizeit sinnvoll nutze und dass ich Dinge mache, die mir Spaß machen. Beim Musikverein Göfis investiere ich viel Zeit in die Proben und Ausrückungen. Beim Roten Kreuz mache ich sechs bis sieben Dienste pro Monat und bin derzeit in der Ausbildung zum Notfallsanitäter. Dazu kommen dann noch Ambulanzdienste bei Veranstaltungen oder Blutspendeaktionen. Ehrenamtlich tätig zu sein ist für mich eine Selbstverständlichkeit!

 

Was hat dich motiviert beim NASAN mitzumachen?

Elisabeth Lampert: Wenn jemand in eine gesundheitliche Notsituation gerät, ist das eine Ausnahmesituation. Während man auf Hilfe wartet, kann sich jede Minute wie eine halbe Ewigkeit anfühlen. Da ist man froh, wenn Hilfe eintrifft und man die Verantwortung in die Hände von Fachkräften legen kann. Als NASAN kann ich Patienten, Angehörige, Ersthelfer und das Rettungspersonal unterstützen und bin somit ein weiteres Bindeglied in der Rettungskette.

 

Worin siehst du die Vorteile des NASAN-Systems?

Elisabeth Lampert: Wenn ein Notfall passiert, sieht der Mitarbeiter der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL), ob ein NASAN in der Nähe ist und kann diesen zeitgleich wie das Rettungsauto losschicken. Als NASAN kann ich mir früh schon einen Überblick über die Situation verschaffen, kann den Patienten erstversorgen, erste Werte über den Zustand des Patienten aufnehmen und den nachkommenden Einsatzkräften gegebenenfalls auch schon vorab Informationen zukommen lassen. Speziell in schwierigen Situationen ist es wichtig so schnell wie möglich ausgebildetes Personal vor Ort zu haben.

 

Wie viele Einsätze als NASAN hattest du bereits?

Elisabeth Lampert: Bisher hatte ich etwa zehn NASAN-Einsätze. Bis auf einen konnte ich auch alle annehmen. Bei einigen Einsätzen hatte ich das große Glück, dass Mama und ich am selben Ort waren und wir dann gemeinsam an den Einsatzort fahren konnten. Das ist einerseits gut, weil wir uns gemeinsam um den Patienten kümmern können, und andererseits können wir uns auch beim Eintreffen des Rettungs-Teams nach der Übergabe des Patienten weiter um die Angehörigen oder Ersthelfer kümmern. Dafür bleibt im regulären Rettungsdienst oft wenig Zeit.

 

Besprecht ihr nach Einsätzen zuhause eure Erlebnisse? Habt ihr auch gemeinsame Dienste?

Elisabeth Lampert: Selbstverständlich, ja! Wir lernen voneinander und wir verarbeiten die Einsätze auf diese Art und Weise. Immer wieder machen wir auch gemeinsam Dienst. Wenn wir nicht gleichzeitig eingeteilt sind, machen wir manchmal auch Diensttausch oder teilen uns selbst als zusätzlichen Beifahrer ein. Weil wir beide berufstätig sind, können wir auf diese Weise gemeinsame Zeit verbringen, und uns auch unseren "heimlichen Leidenschaften " gemeinsam widmen: Wir stricken gerne, während der einsatzfreien Dienstzeiten.

 

Weitere Informationen zu den Personen:

Sabine Lampert: aktiv beim Roten Kreuz seit 1985, zuerst als Rettungssanitäter; seit 1994 als Notfallsanitäter und heuer als Teilnehmer zur Ausbildung zum Notfallsanitäter mit Notkompetenz.

 

Elisabeth Lampert: aktiv beim Roten Kreuz seit 2017. Zuerst als Rettungssanitäter und nun auch in der Ausbildung als Notfallsanitäter.

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