06.03.2017 14:35

Das Wiener Rote Kreuz bei Dreharbeiten für Film- und Fernsehen

Vergangenen Samstag waren unsere KollegInnen des Ambulanzdienstes erneut bei einem kurzen TV-Auftritt zu sehen. Was gilt bei TV-Drehs zu beachten und wie läuft so ein Film-Dreh überhaupt ab? Wir haben nachgefragt.

Das Wiener Rote Kreuz bei Dreharbeiten für Film- und Fernsehen
(c) Alexander Zwickl
(c) Alexander Zwickl
(c) Alexander Zwickl

 

Am vergangenen Wochenende waren unsere KollegInnen des Ambulanzdienstes in einer kurzen Filmsequenz der Thrillerreihe „Spuren des Bösen“ im Österreichischen Rundfunk zu sehen. Dies war nicht das erste Mal, dass das Wiener Rote Kreuz (WRK) für einen Fernsehauftritt angefragt wurde. Die organisatorische Abwicklung für TV-Drehs erfolgt direkt von den KollegInnen der Abteilung „Ambulanzdienste“. Erhalten diese eine Anfrage einer TV-Produktionsfirma, wenden sie sich jedoch zuerst einmal an Alexander Zwickl. Alexander ist freiwilliger Rettungssanitäter auf unserer Bezirksstelle Wien-West. Warum die KollegInnen des Ambulanzdienstes bei TV-Anfragen zu ihm kommen, worauf man bei Fernseh-Auftritten achten muss und wie solche Film-Drehs überhaupt ablaufen erzählt er uns im Interview:

 

Alexander, am vergangenen Wochenende hatten wir mit einem unserer Rettungstransportwagen (RTW) erneut einen kurzen TV-Auftritt im sechsten Teil der Filmreihe „Spuren des Bösen“. Worauf muss man bei TV-Drehs Acht geben?

 

Es gibt einige grundlegende Regeln, wie zum Beispiel niemals in die Kamera zu schauen. Besonders bei Drehs mit mehreren Kameras ist dies oft leichter gesagt als getan. Oder sich die Dinge die man vor der Kamera macht exakt zu merken. Wenn mehrere Einstellungen (Blickrichtungen/Ausschnitte) einer Szene gedreht werden, dann muss die Handlung im Schnitt schließlich flüssig zusammenpassen.

 

In Bezug auf Auftritte als Rettungsteam ist, neben der korrekten Adjustierung, wohl der wichtigste Teil den oft schmalen Grat zwischen Realität (korrekter Lehrmeinung) und den Wünschen des Filmteams zu treffen. Ist der Wunsch, dass man aufgrund der Kameraeinstellung die Trage „verkehrt“ (Patient blickt gegen die Fahrtrichtung) schiebt, dann wird man dem natürlich nachkommen. Ist der Wunsch aber, dass der Patient intubiert und beatmet wird, obwohl er sich nur den Fuß verstaucht hat, dann muss man der Regie erklären wieso das nicht geht und inwieweit man hier Spielraum hat. Häufig ist der Wunsch, dass etwas möglichst spektakulär aussieht. Hier hilft mir meistens ein Blick ins Drehbuch, um abzuschätzen, wie eine Versorgung vonstattengehen soll. Immer öfter fällt mir aber auf, dass Regie-Teams Wert darauf legen, die Versorgung realitätsnahe darzustellen und kommen dazu von sich aus auf uns zu, um zu besprechen, wie wir diesen Einsatz in Realität abwickeln würden. Dann wird die Szene gemeinsam gestaltet.

 

Wie kam es dazu, dass sich die KollegInnen der Ambulanzdienste bei Anfragen von Produktionsfirmen zuerst einmal an dich wenden?

 

Der Grund wieso man meistens zu mir kommt, wenn eine Produktionsfirma für Dreharbeiten anfragt, ist historisch gewachsen. Vor über 15 Jahren hatte ich außerhalb des Roten Kreuzes meinen ersten Dreh bei einer Fernsehserie. Seither hat mich der „Virus“ Filmdreh und die Begeisterung wie ein Film entsteht gepackt. Ich war in dieser Zeit bei dutzenden Produktionen in verschiedenen Rollen & Aufgaben dabei. Das hat sich irgendwann auch innerhalb des Wiener Roten Kreuzes herumgesprochen und von da an wandte man sich regelmäßig an mich, um das WRK im TV & Kino korrekt und entsprechend unserer Werte in Szene zu setzen.

 

Wie viele TV-Auftritte hast du seit deinem Eintritt beim Wiener Roten Kreuz begleitet und welche Einsatzszenen wurden dabei gedreht?

 

Ich war für das WRK schon bei 10-15 Drehs involviert. Es gab bisher verschiedenste Szenen. Angefangen damit, dass das Sani-Team im Hintergrund das Bild quert oder das Rettungsauto durch das Bild fährt, bis hin zu Drehs, wo wir fiktiv Schussverletzungen versorgen, Patienten intubiert und beatmet in den RTW bringen, Patienten nach einem Wohnungsbrand behandeln oder eine Schauspielerin aus einem Grab retten.

 

Was war der ausgefallenste/lustigste Fernsehauftritt?

 

Spontan fällt mir zum Punkt ausgefallen eine Szene von Tatort ein. Dabei ging es darum, dass der Notarztwagen (NAW) von Verbrechern von der Straße gedrängt wurde und der Patient (ein wichtiger Zeuge) im Rettungsauto erschossen wird. Die Szene an sich war nur sehr kurz, man legte aber großen Wert darauf, dass der Patientenraum des NAWs wie ein Schlachtfeld aussieht. Es wurde daher massenweise Kunstblut verschüttet, mit einer Semmel wurde menschliches Gewebe nachgestellt. Im Nachhinein bereute das Ausstatter-Team die Dekoration etwas. Es dauerte nämlich mehr als 4 Stunden bis das Auto wieder sauber war.

 

Sehr ausgefallen war auch ein Dreh am Zentralfriedhof. Dabei sollten wir die Schauspielerin aus einem offenen Grab retten, versorgen und ins Auto bringen. Dieser Dreh war speziell. Einerseits war es eigenartig in ein offenes Grab zu steigen und dort zu arbeiten. Andererseits waren wir froh, dass es sich bei diesem Einsatz nur um einen Filmdreh gehandelt hat. Wir konnten daher etwas schummeln und mussten nicht in einem schmalen, knapp zwei Meter tiefen Erdloch einen Patienten versorgen.

 

Sind die Einsatzkräfte, die bei solchen Drehs auftreten Schauspieler oder reale Sanitäter?

 

Bei allen Dreharbeiten bei denen ich bisher beteiligt war, waren die Einsatzkräfte in wichtigen Aufgaben immer reale Sanitäter. Es kommt sehr vereinzelt vor, dass uniformierte Statisten unter uns gemischt werden. Die haben dann aber Aufgaben wie jemandem eine Decke über die Schultern zu legen oder im Hintergrund das Bild zu queren. Wer in Uniform einen Patienten vor der Kamera behandelt ist aber immer echt. Für das WRK gilt ganz klar: Wer eine RK-Uniform an hat, muss auch zumindest Rettungssanitäter sein & sich bei den Handlungen an die geltende Lehrmeinung halten.

 

TV-Auftritte des WRK-Ambulanzdienstes:

Tatort Wien – Operation Hiob

Tatort Wien –Sternschnuppe

Tatort Wien –Kein Entkommen

Spuren des Bösen – Racheengel

Spuren des Bösen – Schande

Spuren des Bösen – Liebe

Spuren des Bösen – Begierde

Schnell ermittelt – Jana Solm (4.Staffel, Folge 11)

Planet Ottakring (Kino-Film)

Wien Tag und Nacht (Block 5, Folge 23)

Sunshine (Intro für Theaterstück)

div. kleine Szenen (Kurzfilm, TV-Serien, etc.)

 

Der nächste TV-Auftritt lässt auch nicht lange auf sich warten. Am Donnerstag, dem 23. März, sind unsere KollegInnen des Ambulanzdienstes in der TV-Erstausstrahlung des Kinofilms „Planet Ottakring“ zu sehen. 21:55 Uhr, ORF 1. Wir wünschen viel Vergnügen beim Anschauen!

 

 

 

 

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