27.05.2019 11:45

Aus Liebe zum Text – heute wie damals

Was Eva Preiß (85) und Cornelia Mosser (29) gemeinsam haben, ist die Liebe zum geschriebenen Wort und zur Arbeit mit Menschen. Als Redakteurinnen verfassen sie Beiträge für die Medien des Wiener Roten Kreuzes über all das, was tagtäglich innerhalb der Organisation geleistet und geschaffen wird. Der Unterschied: Zwischen jeweils den ersten Arbeitstagen liegen ungefähr 60 Jahre.

Aus Liebe zum Text – heute wie damals
Eva Preiß
Cornelia Mosser

Eva Preiß

„Zeitungmachen“ - ein Beruf als lebenslanges Hobby

1957 erfüllte sich mein Traum. Ich hatte meinen ersten Arbeitsplatz als Redakteur-Aspirantin (brutto 1.710 Schilling). Damit war mein Wunsch nach Geborgenheit so umfassend erfüllt, dass ich von diesem Verlag aus 1994 als Redakteurin (brutto 60.300 Schilling) meinen Pensionsantrag einreichte. Anfangs teilten zwei Kollegen und ich uns ein Redaktionskammerl mit je zwei Schreibtischen, Telefonen und mechanischen Schreibmaschinen. 

Eine Nichtraucherin im Nebel

Von meinen beiden Lehrmeistern lernte ich auch sauberes Maschinschreiben und Telefonieren. Vor letzterem hatte ich panische Angst, da wir daheim kein Telefon hatten. Auch das Öffnen des Fensters musste ich mit aller Energie durchsetzen. Denn die Umrisse meiner Kollegen waren meist nur schemenhaft wahrzunehmen: Einer rauchte genüsslich seine Pfeife, wenn er nicht gerade eine neue Zigarrensorte erprobte. Der andere war Kettenraucher. 

Als ich meine drei Kinder erwartete, fand ich – der Gesundheit zuliebe – 1960 ein anderes Kammerl in unserem Stock. Maschinschreiben und resolutes Telefonieren hatte ich aus Lust am beruflichen Überleben bald erlernt. In der damals noch männerdominierten Welt gab es (männliche) Anrufer, die ihre Informationen nur dem „Herrn Redakteur“ preisgeben wollten. Einer Frauenstimme vertrauten sie ihre Geheimnisse nur an, wenn sie selbstbewusst oder grantig reagierte. Freundlichkeit galt offenbar als Schwäche. Doch als erste Frau in der siebenköpfigen Redaktionsrunde habe ich mich als überzeugte Emanze mit meiner Art wohl gefühlt.

Da mir das journalistische Arbeiten und der Umgang mit Interview-PartnerInnen viel Freude bereitete, fiel mir das Schreiben leicht. Die Jahrzehnte vergingen wie im Flug und sind voll schöner Erinnerungen.

 

Das Werkzeug war weniger lustig

Wer die Verwendung mechanischer Schreibmaschinen nie „genießen“ durfte, kann sich die Gelenks- und Sehnenprobleme der Sekretärinnen ebenso wenig vorstellen wie deren Nervenbelastung durch das Klappern mehrerer Maschinen im Raum. Wenig begabte Schreiberinnen – wie ich – schafften es, dass sich die Typenhebel verkeilten und händisch wieder auseinandergedrückt werden mussten, wobei die Fingernägel vom Farbband kohlschwarz wurden. Der Ersatz der Farbbänder durch geschlossene Kassetten war ein Segen. Meine ersten elektrischen Schreibmaschinen daheim und im Büro hätte ich am liebsten täglich, ebenso wie die Kopiergeräte geküsst. Schaudernd erinnere ich mich, wie ich beim Radieren auf dem mit Kohlepapier hergestellten Durchschlag die Seite zerriss.

 

Der Beruf wird zum Hobby

Kurz vor der Pension, machte ich in meinem letzten Urlaub 1993 die Ausbildung zur Sanitäterin, um im Ruhestand aktiv für ein erfülltes Leben danken zu können. Doch für eine 60-jährige Schreibtischfrau war das Heben kranker Menschen nicht ideal. Freudig nahm ich daher die Einladung des damaligen Landesrettungskommandanten Kurt Votava zur freiwilligen redaktionellen Mitarbeit im WRK an und mache das nun seit mehr als 25 Jahren. Eine Kollegin umschrieb es so: „Es gibt sozial engagierte KollegInnen, die bei uns den ehemaligen Beruf zum Hobby machen.“ Für dieses Hobby habe ich mir unter geduldiger Anleitung meiner KollegInnen sogar die fürs „Zeitungmachen“ notwendigen PC-Kenntnisse angeeignet.

Die weiteren Angebote der sozialen Medien sind mir allerdings ein spanisches Dorf geblieben. Doch dafür gibt es ja unsere jungen Kolleginnen – wie Cornelia Mosser.

 

Cornelia Mosser

Wenn der Laptop die Schreibmaschine ablöst

Meine Leidenschaft zum geschriebenen Wort zeigte sich erst spät. Da ich bereits mit 14 Jahren ein sehr aktivistisches Leben bei einer Umwelt-NGO führte, fing ich an, Meeresbiologie zu studieren. Mich ereilte die Vision, dass ich in einem Labor enden werde, mit dicken Brillengläsern, sozial isoliert, mein Plankton zählend. Ich machte eine Kehrtwende – es folgten Studien in Kultur- und Sozialanthropologie, Sozialer Arbeit und Publizistik. Es eint, was ich mag: Menschen und Schreiben.

 

Kein Plan – aber die Freude als Ziel

„Da hast du dir aber einen brotlosen Job ausgesucht“ – ein Satz, den man im Sozialbereich bald nicht mehr hören kann. Ich sah das immer eher gelassen, da für mich die Freude am Leben an erster Stelle steht. Ich wollte jedoch beweisen, dass der Satz nicht stimmen muss. Anfangs kombinierte ich meine Ausbildungen selten – entweder war ich in den Bereichen Pflege, Grätzlarbeit oder Flüchtlingshilfe unterwegs; oder ich schrieb. Meine erste redaktionelle Erfahrung sammelte ich als Reisejournalistin auf den Kanarischen Inseln. Mit Stift, Block und Kamera reiste ich durch verlassene Gegenden sowie Touristenorte, um kurz darauf Erfahrenes so schnell wie möglich über das Internet zu verbreiten. Zurück in Wien machte ich noch kurze Ausflüge in die Marktforschung und in PR-Agenturen – meine Erfüllung fand ich darin nicht. Mein Herz jubelte, als ich die Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Einrichtungen für mich entdeckte. 

 

Kein Ort zum Ausruhen, aber zum Wachsen

Seit zwei Jahren bin zusammen mit meinen KollegInnen für die diversen Kommunikationskanäle des WRK zuständig – angefangen von den Sozialen Medien, über die Homepage, die diversen Print-Magazine, bis hin zum Newsletter. Was bei Eva erst spät Einzug in den Arbeitsalltag fand, ist für mich nicht wegzudenken – die Arbeit ohne Computer kenne ich nicht. Schreibmaschinen, damit verbundener Gelenksverschleiß und Blaupapier sind längst passé – heute zählt, dass die neuen Plattformen und Technologien einen nicht alt aussehen lassen. In der Kommunikationsbranche sehe ich nicht den Ort zum Ausruhen: Was nicht zeitnah das Unternehmen verlässt, ist oft nicht mehr relevant. Wer sich nicht schnell mit neuen Tools auseinandersetzt oder mehreren Tätigkeiten gleichzeitig nachgehen kann, wird es schwer haben. Der Bereich ist reich an ehrgeizigen, talentierten und spezialisierten Menschen – man muss aufpassen, nicht unterzugehen und auch einer dieser Menschen zu werden. Eine Herausforderung, an der man wächst. 

An meiner Arbeit gefällt mir besonders, dass ich täglich von Menschen umgeben bin, die eine Passion für ihre Tätigkeit haben. Ich habe Freude daran, zu verbreiten, was für wundervolle Personen sich in unserer Einrichtung befinden – egal ob sie freiwillige oder hauptberufliche MitarbeiterInnen, KlientInnen oder UnterstützerInnen sind. Ich kann der Öffentlichkeit zeigen, dass engagierte Menschen und alltägliche Freuden die Welt regieren. 

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