05.06.2019 07:09

„Ich kann beruhigt die Augen zumachen“

Anneliese Jaksch entschied sich, das Wiener Rote Kreuz zu unterstützen, auch wenn sie nicht mehr da ist – und hielt diesen Willen in ihrem Testament fest. In einem Gespräch erzählte sie von ihren Beweggründen.

„Ich kann beruhigt die Augen zumachen“

An ihren ersten direkten Kontakt mit dem Roten Kreuz kann sich Anneliese Jaksch noch gut erinnern. Damals war sie 20 Jahre alt. Sie arbeitete als Friseurin und Kosmetikerin. Eines Abends unterhielt sie sich nach dem Dienst mit einer Freundin, als ihr Pudel Whisky plötzlich auf einen besonderen Menschen aufmerksam wurde und auf ihn zulief – nämlich auf den zukünftigen Ehemann von Anneliese Jaksch.

"Für mich ist es beruhigend zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich nach meinem Ableben um mein Begräbnis und um mein Grab kümmert – und weiß, wie ich es haben möchte.“ Anneliese Jaksch

Der erste Kontakt

Herr Jaksch war Polizeioberst und baute 1958 die Polizeidiensthundeabteilung neu auf, wofür ihm die goldene Verdienstmedaille des Roten Kreuzes verliehen wurde. „Mein Mann war schon immer Mitglied beim Roten Kreuz. Besonders, als er sich einmal seine Kniescheibe brach und regelmäßig zu Untersuchungen ins Wilhelminenspital musste, war er sehr dankbar für die Unterstützung – wochenlang hat ihn das Rote Kreuz immer abgeholt und wieder heimgebracht. Als er im Jahr 1992 verstarb, war es mir ein Anliegen, von da an das Rote Kreuz zu unterstützen, weshalb auch ich Mitglied wurde. 26 Jahre ist das mittlerweile her“, erzählt Anneliese Jaksch mit einem Lächeln und schwelgt in Erinnerungen.

Wer ist im Notfall für mich da?

Während sie in ihrem Wohnzimmer sitzt, das mit liebevollen Details eingerichtet ist, erzählt sie von ihrer Vergangenheit. Sie kommt „aus einem sehr einfachen Haus“, pflegte bereits in frühen Jahren ihre Mutter bis zu deren Tod und fing daraufhin an, als Friseurin zu arbeiten. Heute genießt sie ihr ruhiges Leben, liest Geschichtsbücher und Romane und trifft sich gelegentlich mit ihren Freundinnen auf einen Kaffee. Zu ihrer Familie hat sie nur noch wenig Kontakt, zumal ein großer Teil in Brasilien wohnt. Das warf unweigerlich eine wichtige Frage auf: Was passiert in Zeiten, in denen sie Hilfe benötigt? 

In guten Händen

Ihr Ehemann erzählte ihr von der Möglichkeit, das Wiener Rote Kreuz testamentarisch zu bedenken. Aus diesem Grund suchte sie gemeinsam mit ihrem zweiten Lebensgefährten den Notar auf und überschrieb dem Wiener Roten Kreuz ihr Erbe. Es gibt ihr ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ihr Nachlass zahlreichen Menschen zu Gute kommt und dass sie im Gegenzug das Rote Kreuz als verlässlichen Ansprechpartner in schwierigen Situationen hat. „Für mich ist es beruhigend, zu wissen, dass es jemanden gibt, der sich nach meinem Ableben um mein Begräbnis und um mein Grab kümmert – und weiß, wie ich es haben möchte“, erzählt Anneliese Jaksch. „Ich weiß, dass ich mich auf das Rote Kreuz verlassen kann und mich immer dort hin wenden kann. So kann ich jeden Abend beruhigt die Augen zumachen, denn ich weiß: Ich bin in guten Händen. Sowohl jetzt als auch später.“

"Mit einem Testament können wir auch über den Tod hinaus für Menschen vorsorgen.“ Robert Horacek

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