06.06.2019 07:15

Armut macht vielfach krank

Viel Leid, schwere Krankheiten und soziale Not stecken in den Hilferufen, die SozialarbeiterInnen von Jugendämtern, psychosozialen Ambulatorien und sozialen Einrichtungen an das Wiener Rote Kreuz (WRK) richten.

Armut  macht vielfach krank
Häufig liegt die Ursache der Hilfsbedürftigkeit in familiärer Gewalt
Im Jahr 2018 wurden in der individuellen Spontanhilfe 257 Fälle bearbeitet davon konnte 200 Mal Unterstützung geleistet werden.

Die Mitarbeiterinnen des WRK-Spontanhilfefonds, die mit der Bearbeitung dieser Ansuchen betraut sind, wissen aber, dass die Möglichkeiten der Hilfe vom Spendenaufkommen abhängig sind. Die Verantwortlichen sind daher für jeden Spendenbetrag dankbar, der dem WRK anvertraut wird. 

Der Verwendungszweck der Mittel, die im Jahr 2018 aus dem Spontanhilfefonds ausbezahlt werden konnten, ist in der Grafik dargestellt. Insgesamt konnten 200 (von 257) Ansuchen positiv beantwortet werden. Etwa zwei Drittel waren Unterstützungen für die Bezahlung von Mietrückständen und mehr als ein Fünftel waren Zuschüsse zu offenen Energierechnungen. Manch verborgenes Leid steckt im restlichen Teil der Ansuchen. 

Dank der Spendenbereitschaft der Rotkreuz-Gemeinschaft konnte geholfen werden. Gutscheine für den Kauf von Windeln oder Babynahrung, Zuschüsse zum Kauf eines Kinderbettes oder Unterstützung bei Therapiekosten haben eines gemeinsam. Jede dieser Hilfsmaßnahmen hat für das gegenwärtige Leben eines Einzelwesens oder einer Familie, oft auch für die Zukunft kranker Kinder prägende Wirkung.

 

Delogierung verhindert

Seit zehn Jahren lebt die aus Kroatien stammende 60-jährige Marijana P. allein in einer für sie leistbaren Mietwohnung in Wien und verdiente ihren Lebensunterhalt als Reinigungskraft. Die Frau kann nur so viel Deutsch, wie sie zur Bewältigung ihres bescheidenen Lebens braucht. Nach fünfjähriger gewissenhafter Arbeit erlitt sie – ohne in dieser Zeit auch nur einen einzigen Tag krank gewesen zu sein - einen schweren Unfall. Bei der Behandlung stellte sich heraus, dass die Frau durch eine „Scheinanstellung“ schwer benachteiligt worden war und keine Sozialversicherung hatte. Marijana P. hat keinerlei Einkünfte und war vom Wohnungsverlust bedroht. 

Die Sozialorganisation „neunerhaus“ kümmerte sich um die Krankenversorgung der Frau und informierte das WRK von der bevorstehenden Delogierung. Der Spontanhilfefonds übernahm die Bezahlung der Miete und einer Energierate.

 

Gewalt in der Familie

Jahrelange Gewaltattacken des (nunmehr von ihr geschiedenen) Ehemannes zerstörten die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit der 55-jährigen Ursula S.; und sie hemmten auch die vier - heute erwachsenen - Kinder in der Entwicklung ihres Lebens. Oft mussten die Familienangehörigen die Polizei rufen, bis der Mann – er hatte seine Familie mit einer Waffe bedroht - zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Die Familie zitterte vor der Haftentlassung des Mannes, der allen Rache angedroht hatte. Die von Depressionen, Panikattacken und Todesangst gequälte Ursula S. brach völlig zusammen und musste für lange Zeit ins Spital. 

In dieser Zeit breitete sich in ihrem Leben das finanzielle Chaos aus. Ihre Kinder – denen es auch nicht gerade gut geht – hatten zwar die Miete für die Wohnung der Mutter aufgebracht, doch die Bezahlung der Energieraten war ihnen nicht möglich – Sperre der Energiezufuhr drohte. Aus dem Spontanhilfefonds konnte zumindest dieser Bereich des schwierigen Lebens der kranken Frau saniert werden.

 

Therapie für Scheidungskinder

Alex und Lorenz, zwei Buben im Volksschulalter, pendelten in den wenigen Jahren ihres jungen Lebens zwischen den getrennt lebenden Eltern, Pflegeeltern, Krisenzentren und betreuten Einrichtungen für Kinder, die aus teils recht unterschiedlichen, aber immer belastenden Gründen nicht bei ihren Eltern leben können. Bei Alex und Lorenz war es die psychische Labilität der Mutter und des Vaters. 

Diese mangelnde Stabilität hat in den Kindern traurige Spuren hinterlassen. Sie entwickelten so viele Verhaltensprobleme, dass ein Aufenthalt in einer kinderpsychiatrischen Station unabdingbar wurde. Als nun die Übersiedlung der Brüder in ein therapeutisch betreutes Wohnheim bevorstand, bat eine Sozialarbeiterin das Wiener Rote Kreuz um Hilfe, denn in diesem gut geführten Wohnheim können wegen der begrenzten finanziellen Mittel ausschließlich die therapeutischen Grundbedürfnisse erfüllt werden. Die beiden vom Schicksal gebeutelten Buben aber brauchen ergänzende Musik- und Tiertherapie, um ihre traumatisierenden Erlebnisse rascher zu verarbeiten. Dank der zweckgebundenen großzügigen Hilfe vieler FreundInnen des Wiener Roten Kreuzes ist es nun möglich, Alex und Lorenz therapeutische Hilfe zu bieten.

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