10.06.2019 08:07

Vielfältig und flexibel

Im Auftrag von Außenministerium und Österreichischem Integrationsfonds hat die Marktforschung Karmasin die Studie „Engagement für Österreich“ durchgeführt. Die Ergebnisse und die Herausforderungen durch die „neue Freiwilligkeit“ erörtert im Interview der Landesrettungskommandant Karl-Dieter Brückner.

Vielfältig und flexibel
Karl-Dieter Brückner, Landesrettungskommandant und Mitglied der Geschäftsleitung

Die Studie besagt, ein Viertel der ÖsterreicherInnen engagieren sich ehrenamtlich und die Lücke zwischen Stadt und Land ist entgegen mancher Erwartung nicht groß – wie beurteilen Sie diese Ergebnisse?

Karl-Dieter Brückner: Die beiden Aussagen bestätigen unsere Erfahrung. Der Einbruch des freiwilligen Engagements, den viele zur Jahrtausendwende prognostiziert haben, ist in den vergangenen Jahren keinesfalls passiert. Die freiwilligen KollegInnen des Wiener Roten Kreuzes haben im vergangenen Jahr über 281.000 Stunden geleistet, das entspricht 32 Jahren. Im Katastrophen- und Rettungsdienst engagieren sich österreichweit 360.000 Menschen.

 

Die Zahl der Freiwilligen bleibt demnach konstant hoch – was sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land?

Karl-Dieter Brückner: Was das Engagement in der Stadt betrifft, ist folgende Entwicklung klar erkennbar: Die Sache steht im Vordergrund und nicht mehr ausschließlich die Organisation. Die Menschen wollen oft keine langen Ausbildungen besuchen, sondern sehr unkompliziert mithelfen, ohne sich an einen Verein zu binden. Das Angebot im urbanen Raum, freiwillig tätig zu sein, ist mannigfaltiger. Es gibt auch beim Wiener Roten Kreuz viele Möglichkeiten, sich freiwillig ohne Ausbildung zu engagieren: Lebensmittel austeilen, LesepatIn werden, Schulstartpakete übergeben oder Repräsentationsaufgaben bei Veranstaltungen sind nur einige davon, neben dem klassischen Engagement im Katastrophenhilfsdienst und dem Rettungsdienst. Hinzu kommt, dass diese Projekte meist die Möglichkeit bieten, sich auch kurzfristig, für eine bestimmte Periode zu engagieren. Dies wird vor allem in der Stadt immer häufiger nachgefragt und bietet uns die Möglichkeit, die Menschen später doch längerfristig an das Wiener Rote Kreuz zu binden. 

Vielfalt und Kurzfristigkeit sind auch eine Herausforderung für die Organisationen – wie begegnen wir dieser?

Karl-Dieter Brückner: Mit der Servicestelle Freiwilliges Engagement, den Verantwortlichen in den Bezirksstellen und den Bereichen Freiwillige Soziale Dienste und Katastrophenhilfsdienst haben wir uns in den vergangenen Monaten sehr gut für diese neuen Herausforderungen aufgestellt. Damit haben wir sowohl die Aufnahme und die Begleitung weiter professionalisiert. Die Factsheets zu den einzelnen Einsatzangeboten geben einen informativen Überblick über die Aufgabengebiete und die Anforderungen, so dass wir bei den Informationsveranstaltungen je nach Interessenslage ein Angebot machen können. Die Entwicklung des freiwilligen Engagements fordert uns alle und geht uns alle an. Es wird noch stärker darum gehen, den Menschen je nach Lebenssituation, zeitlicher Verfügbarkeit und den Interessen ein Angebot zu machen. Dies gilt unterschiedslos, ob für die Hilfe mit sozialen Dienstleistungen oder die akute Hilfe im Krisen- oder Katastrophenfall.

Im Zusammenhang mit der freiwilligen Tätigkeit kommt auch immer die Frage nach der Versicherung auf – wie ist Ihre Antwort?

Karl-Dieter Brückner: Beim Wiener Roten Kreuz ist es seit vielen Jahren Standard, dass die freiwilligen Kolleginnen und Kollegen sowohl haftpflicht- als auch unfallversichert sind. 

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