01.08.2019 14:14

Hilfe am anderen Ende der Welt

Bernhard Kleinhäntz lebt aktuell für sechs Monate in Ruanda, um den lokalen RK-Rettungsdienst aufzubauen. Wir fragten ihn, welchen Aufgaben er vor Ort nachgeht.

Hilfe am anderen Ende der Welt
(c) ÖRK/ Stefan Müller

 

Für sechs Monate lebt Bernhard Kleinhäntz, zuständig für die Qualitätssicherung der Bereiche Ambulanz- und Sanitätsdienste und Rettungsdienst des Wiener Roten Kreuzes, aktuell in Ruandas Hauptstadt Kigali (Ostafrika). Zusammen mit lokalen und internationalen Rotkreuz-KollegInnen ist er Teil eines Pilotprojektes: Sie begleiten den Aufbau des dortigen RK-Rettungsdienstes. Das Projekt wird vom Roten Kreuz Steiermark und der Else Kröner-Fresenius-Stiftung unterstützt. Sein Vorgänger, Roland Maier aus dem Landesverband Steiermark, bildete bereits RettungssanitäterInnen aus und nahm die ersten Fahrzeuge in den Dienstbetrieb – an diesem Punkt knüpft Bernhard an.

 

Ein halbes Jahr wirst du nun in Ruanda im Einsatz sein. Was sind deine Aufgaben vor Ort?

Hinsichtlich des Rettungsdienstes in Ruanda gibt es ein großes Problem: Es existiert keine staatliche Ausbildung zum Rettungssanitäter. Ein Teil meiner Aufgabe ist es, die Anerkennung des Berufsbildes voranzutreiben und eine Grundlage für eine neue Gesetzgebung mitzugestalten. Ein zweiter großer Aufgabenpunkt ist das Vorbereiten und teilweise Durchführen der Ausbildung weiterer 60 RettungssanitäterInnen. Denn außer in der Hauptstadt gibt es kaum einen flächendeckenden Rettungsdienst In Ruanda.  Bisher werden die meisten Rettungsfahrzeuge am Land mit einem Fahrer ohne medizinischer Ausbildung und einer Krankenschwester besetzt. Letztere kommt jedoch oft direkt aus der Notaufnahme und fehlt dann dort, solange sie mit dem Rettungswagen unterwegs ist. Diesen Zustand gilt es, durch die Ausbildung qualifizierter RettungssanitäterInnen, zu verbessern

Zusätzlich berate ich den lokalen Leiter des Rettungsdienstes in seinem täglichen Arbeitsumfeld im Qualitätsmanagement, dem Verfassen schriftlicher Arbeitsanweisungen sowie Checklisten und Ähnlichem. Auch die Behörden beraten wir in dem Bereich.

 

Das Ziel ist also, das Grundgerüst des Rettungsdienstes in Ruanda auszubauen und zu stärken?

Für uns sind viele Dinge selbstverständlich, wie die Rettung und Stabilisierung von PatientInnen und der adäquate Transport – in Ruanda sind die Rettungskräfte hierfür jedoch noch unzureichend ausgebildet. Diese Lücke versuchen wir durch die Ausbildung qualifizierter RettungssanitäterInnen zu schließen. Aber auch administrative Prozesse gilt es auszubauen, wie beispielsweise: Wie könnte eine Fahrzeugübernahme in Zukunft aussehen? Wie werden PatientInnen erfasst, ihre Daten erhoben und diese ausgewertet? Um qualifizierte Beratung zu geben, wird das Projekt wissenschaftlich begleitet. Bisher gab es bereits eine Wissensstand-Analyse und ich werde als nächsten Schritt eine Zwischenerhebung vorbereiten. Hierdurch sehen wir signifikante Veränderungen, die wir später in den Betrieb und die Ausbildungen einfließen lassen können.

 

Mit welcher Motivation stellst du dich dieser großen Herausforderung?

Ich habe vor 12 Jahren ein Volontariat in Indien gemacht. Zu jenem Zeitpunkt wurde vor Ort der Rettungsdienst aufgebaut – das Projekt war damals ungefähr am gleichen Stand wie jenes in Ruanda und hat mich vieles gelehrt. Beim Wiener Roten Kreuz war es mir möglich, durch mein Wissen, einige Projekte weiterzuentwickeln. Ich denke, es macht Sinn, dass das ÖRK die Expertise an die lokalen KollegInnen in Ruanda weitergibt, damit sie in Zukunft eigenständig arbeiten können. Und ich bin mir sicher, dass ich gleichzeitig viel von ihnen lernen kann. Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau mich unterstützt und sowohl Bereichs-, als auch Geschäftsleitung zugestimmt haben, dass ich das Unternehmen für dieses spannende Projekt so kurzfristig verlassen durfte. Ich freue mich auf alle weiteren Herausforderungen und darauf, nach dem Projekt wieder ins Wiener Rote Kreuz zurückzukommen.

 

 

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