Di., 08. März 2011

Eine Woche ist um, wieder eine …

Während wir hier versuchen, unsere Arbeit gut zu machen, lesen wir in den Online Printmedien von den Umstürzen/Unruhen/Kämpfen in Nordafrika. Etwas, dass mich hier besonders beeindruckt, sind die KollegInnen, die dort vor Ort helfen. Ich lasse mich hier nicht über die Geschehnisse aus, das ist nicht Aufgabe des Roten Kreuzes, aber meine Hochachtung allen, die im Schutzzeichen des Roten Kreuzes bzw. Halbmondes dort unter Einsatz ihres Lebens ihr bestes tun um Menschen zu helfen.

Wenn man hier so arbeitet und mit dem Team ins Feld fährt, tritt die Angst (nicht die Vorsicht) etwas in den Hintergrund, das auch wir hier keine ungefährliche Mission haben.  Am Freitag erst hatte ein Fahrer Bekanntschaft mit einem Baum machen müssen, weil irgend so ein wahnsinniger Buschauffeur die ganze Strasse brauchte und unser Fahrer nur noch ausweichen konnte. Gottlob ist niemandem etwas passiert. Auch das Auto sieht nicht ganz so schlimmaus, da er den Baum nur auf Höhe der Fahrertür seitlich erwischt hat. Ganz weiss ich nicht Bescheid, warum die Fahrerseite, aber egal. Also auch hier gilt: immer Augen auf.

Diese Woche hat unser Team zuwachs bekommen: Harald, ein Deutscher Kollege, wird ab April die Arbeit von Mike übernehmen, nachdem der knapp 1 Jahr hier gearbeitet und gelebt hat.

Jetzt kommt auf alle vermehrt Arbeit zu. Die Vorarbeit vom Shelterteam bzw. unseren Kunden sind abgeschlossen. Bald also wird der Bau der Hütten beginnen. Wie bereits beschrieben wird das am Fliessband geschehen. IKEA Haitian Style … Dann auch kann das Team mit dem Latrinenbau beginnen und werden die Menschen nochmals geschult - auch im Hygienebereich. Natürlich wurden auch bisher Latrinen gebaut, aber jetzt verstärkt - wenn ich kein Dach über dem Kopf habe, ist mir eine Latrine herzlich egal. Aus diesem Grund wirds jetzt bautechnisch rund gehen in der Umgebung von Leogane: Häuser, Latrinen, …

“Bitte meiden Sie dieses Gebiet grossräumig, da es zu erheblichen Verzögerungen wegen LKW Ladetätigkeiten geben kann. Benutzen Sie die Umfahrung nach Jacmel”

Was gabs diese Woche?

Zunächst mal ist es am Montag rund gegangen. Es hat geshaked … Nein keine Disco. In Haiti war es das erste mal für mich … Richtig: ERDBEBEN. In der Nacht bin ich mit schrecklichen Kopfschmerzen und einem leicht schwankenden Gefühl aufgewacht - das obwohl ich hier nichts alkoholisches trinke. Was macht man, wenn so ein Beben vorbei ist? Richtig aufs WC und wieder ins Bett gehen. Am nächsten Tag hat mir ein Fahrer erzählt, dass alles 30 sec. gedauert hat, habe also wieder mal alles verschlafen. Umso komischer war es dann, dass das Beben 2.9 hatte und das Epizentrum einige 100 km entfernt war. Hätte mehr gedacht.

Erstmals hatten wir diese Woche wieder volunteers community meetings, also eine Zusammenkunft, bei der geschaut wird, wie läuft die Arbeit, gibt es Probleme, bei denen wir helfen können (ausser Geld, Haus, Auto,…)? Eine Community hat wirklich auch das Thema Müll eingebracht. Also stört es sie doch. Einzig: es ist uns natürlich nicht möglich Leute zu bezahlen, damit sie den eigenen Mist weg räumen. Aber beim Thema Abfall werden wir sie wo es geht gerne unterstützen.

Auch versuche ich langsam zunächst mal mein Team für das Thema Malaria zu sensibilisieren. Wichtig sind hier zum Beispiel Moskitonetze zum Schlafen. Einer unserer lokalen Kollegen hat mir erzählt, dass es NGOs in Leogane gibt, die Netze verteilen. Auch hier ist es wichtig, sich untereinander abzustimmen, um das Geld gezielt und zum grösstmöglichen Nutzen einsetzen und sich koordinieren zu können.

Ich möchte noch ein bisschen Rotkreuz-Kunde mit den LeserInnen betreiben: Das Rote Kreuz und der Rote Halbmond sind nicht, wie ich es immer wieder mal höre zwei verschiedene Organisationen.

Am Anfang schuf Henry das Kreuz und es war rot. Nein, im Ernst: zu Ehren Henry Dunants, dem Gründer des RK, der Schweizer war, wurde die schweizer Fahne (weisses Kreuz auf rotem Grund) einfach umgedreht. Es hat also NIX mit irgendwelchen religiösen Zeichen zu tun. Der Halbmond, wurde als Zeichen für Länder eingeführt, die meinten, die Idee sei toll, aber das Kreuz aus geschichtlichen Gründen inakzeptabel. Also ist der Rote Halbmond das Rote Kreuz in vielen (nicht nur) muslimischen Ländern. Es gibt auch nur ein Zeichen pro Land (siehe Grundsätze). Als neutrales Logo wurde vor kurzem der Rote Diamant, Kristall, Raute - wie auch immer - eingeführt. Es soll, wie es an sich immer war, frei von jeglicher religiöser Symbolik sein.


Damit schliesse ich für heute und freue mich auf eine kurze Arbeitswoche (auf Haiti wird Fasching gefeiert und auch der Regenerationstag – also Aschermittwoch - frei gegeben.) Also gehts erst Donnerstag wieder weiter. Ich schliesse mit den Worten auf einem meiner Lieblings RK T- Shirts:

Sind wir nicht alle ein bisschen HENRY ?

Alles Gute allen RK KollegInnen im Einsatz- wo auch immer. An alle anderen, lasst doch mal Euren Henry raus es macht wirklich Spaß!!


Bürozeit ist jetzt nicht ganz so aufregend, gehört aber auch dazu … irgendwie …

Arbeit gibt es viel, nicht zu vergessen, das mit heute die Hälfte meiner Kurzmission schon wieder um ist.

Der Welt Wasser Tag am 22.3.2011. Hier soll daran gedacht werden, dass Wasser lebenswichtig und nicht selbstverständlich ist. Wir haben an zwei Schulen etwas geplant. Mehr dazu am 23.3 … man muss ja sicher gehen, dass die Spannung aufrecht bleibt.

Dann bleibt die weitere Kontrolle bzw. Evaluation (auf Neudeutsch) der Brunnen, bei denen das Wasser gechlort wird, sowie Rat und Hilfe für die Schulen. Auch hier gilt: nur weil gezeigt wurde, wie man die Händedesinfektionslösung zubereitet heisst es noch lange nicht, dass diese auch angewendet und vor allem richtig angewendet wird.

Nicht zu vergessen, dass die Regenzeit bald beginnt. Dies ist momentan schwer zu glauben, bei schwülen Temperaturen jenseits der 25°, ja es ist warm im Gegensatz zu Österreich. Ich weiß, ich soll es nicht zu oft sagen, aber es gibt keine Zensur hier. Also: ES IST WARM.

OK wieder Ernst. Natürlich gibt es immer wieder auch neue Locations, neue Orte, an denen wir helfen. Am Freitag waren wir in Haute Rosseau, ein Ort, der nicht mal den Namen Dorf verdient. Irgendwo im Nirgendwo bog der Landcruiser ab und fuhr etwas entlang, dass man in Österreich vielleicht noch als engen Feldweg durchgehen lassen könnte. Aber irgendwann konnte selbst das geländetaugliche Fahrzeug nicht mehr weiter. Ein Erdrutsch hatte alles verlegt, ein Vorbeifahren wäre lebensgefährlich.

Also raus aus dem Wagen und die letzten 2 km per pedes. Das war übrigens das 1. Mal seit ich hier bin, dass ich so etwas wie Sport machen konnte. Meine KollegInnen hatten zwar etwas Angst um meine Gesundheit, aber ich blieb tapfer. Am Ziel angekommen sahen wir ca. 3 Häuser und 2 Leute, die geschult wurden. Abgesehn von dem wahnsinnig schönen Panorama fragt man sich (zurecht), warum wir 2 Leute Schulen und uns das an tun. Die Antwort: die 2 Quellen, die es dort gibt, ist für viele Menschen in der Umgebung die einzigen Wasserstellen und sie legen dafür einige km täglich zurück. Eigentlich sollten ja sechs Leute geschult werden, aber wie es halt immer ist, zwei mussten arbeiten, zwei waren unterwegs. Unser Team hat die Schulung ganz toll aufgebaut. Auch hier wieder: es handelt sich nicht um unterbelichtete Menschen. Die weitere Unterteilung von “GRAMM” in dezi, centi, milli, mikro würden bei einer Strassenbefragung in Wien sicher nicht alle wissen. Hier schon.

Das es Notwendig ist auch präventiv zu arbeiten, haben wir auf dem Weg nach Haute Rosseau gesehen. Da wurde ein vermutlich Cholerakranker zu dem CTC (Cholera Treatment Center) von MSF (Ärzte ohne Grenzen) gebracht. Eine Art Trage, getragen von sechs Menschen … Also der Weg für uns ist lang und noch nicht zu Ende


In den letzten Wochen haben wir auch begonnen eine quasi Buchführung einzuführen. Hier wird alles in Gallonen (grob gerundet 1 Gallone = 4 Liter) gerechnet. Jetzt haben wir eine Stricherlliste, bei der 1,3 oder 5 Gallonen eingetragen werden. Also je nach Größe der Community werden im Schnitt bis zu 17.000 Liter pro Tag von den Freiwilligen gechlort. Eine wirklich tolle Leistung. Ein Lob an alle Voluntaires.

Und auch ein Projekt zum Thema Regenzeit: Malaria. Auch die kleinen Plasmodien (Erreger der Malaria) haben das Klima auf Haiti lieben gelernt und machen hier quasi Dauerurlaub. Sonne, Strand, Wasser… mehr braucht eine Anophelesmücke nicht um glücklich zu sein. Ach ja, doch: viel stehendes Wasser. Womit wir beim letzten Problem für heute wären: MÜLL. Es gibt keine MA 48 (ich bin Wiener) hier, von Mülltrennung ist man hier so weit entfernt, wie Österreich vom Nulldefizit. Es gibt niemanden, der ihn holt. Also wird alles irgendwo entsorgt, am besten beim Nachbarn, weil in meinem Garten siehts schirch aus. In sämtlichen Plastikflaschen, Sackerln und ähnlichem kann sich Regenwasser sammeln. Genau dort legen diese kleinen stechenden Mistviecher ihre Eier/ Larven ab. Also gilt es, den Müll zu beseitigen. Mülldeponie ist ein Fremdwort -  ich glaube nicht, dass es das auf KREOL überhaupt gibt. Alternativen: vergraben- Grundwasserspiegel zum Teil bei unter 1,5m, verbrennen - ungesund, aber alternativ wäre irgendwann im Müll ersticken. Und da es auch in das Thema Gesundheit und Hygiene (Promotion) fällt, hat es mich auch zu interessieren. Aber das wird ein längeres Projekt werden …

Zum Abschluß noch eine Story über den besten kroatischen Pizzabäcker in Haiti wo gibt. Wenn uns mal das Heimweh plagt, wird typisch europäisch gekocht. Was wäre typischer, als ein kroatischer Pizzabäcker. Ein dickes Lob an Alex, der seine Pizzen am BBQ Grill perfekt hinbekommen hat. Sollte der Einsatz hier zu Ende sein, hat er überlegt, ein Lokal zu eröffnen - nein nicht in Haiti, leider auch nicht in Kroatien. Island wäre sein Plan. Also sollte jemand ab 2013 planen in Island Urlaub zu machen, einfach an mich wenden wegen der Küche …

Und wenn wir schon beim Essen sind: als nächstes komme ich dran: entweder Palatschinken oder Erdäpfelpürre oder eine Mischung aus beiden. Man wird sehen.

 

 

So., 20. Februar 2011

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Dr. Kopetzky vor unserem "Ausstellungsshelter"

Sonntag abend ... das Wochenende ist schon wieder vorbei. Schade eigentlich ...

Letzten Donnerstag hatten wir die Ehre, Dr. Kopetzky bei uns begrüssen zu können. Er ist der Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, also jemand, den man gemeinhin als “hohes Tier” bezeichnen würde. Trotzdem ist er ein sehr bodenständiger Mensch, der sich die Mühe an getan hat, 2 Stunden von Port au Prince zu uns zu fahren, sich hier 2 Stunden alles anzusehen und dann wieder 2 Stunden nachPort au Prince zurück zufahren. JA, es gibt auch nette Chefs.

Als er angekommen ist, gabs zur Begrüssung mal typisch haitianischen Erdäpfelsalat und Cola ... neben  Reis, Huhn und Bananen derzeit unsere Standartlebensmittel. Danach gab's eine Übersichtstour zu unseren Projekten.


Es wurde unser Shelter (= Hütte) besucht, ebenso der derzeit statt findende Kurs für die Wasser-beauftragten der Communities.

Als Höhepunkt wurden wir in der Schule der Frère Olizard vom Direktor begrüsst. Hier hat das Gemeinschaftsprojekt aus österreichischem und deutschem Roten Kreuz massgeblich zum Wiederaufbau der Schule beigtragen. Mit großem Stolz wurden uns die Räumlichkeiten gezeigt.


Das Schulgeld, so erfuhren wir, beträgt 1.500 Gourd pro Kind und Jahr. Dies entspricht ca. 38 U$ (inkl. Mittagessen), also eigentlich nicht viel. Nur können sich diesen Preis etwa 3/4 aller Schüler bzw. der Eltern leisten. Trotzdem, versicherte uns der Direktor, würden auch die anderen Kinder am Unterricht teilnehmen. Der Betrag diene neben dem Essen auch zur Bezahlung der Lehrer.

 

Die Schule ist ein gutes Beispiel dafür, dass man versucht, nicht nur halbwegs unabhängig vom eigenen Obst und Gemüse zu leben, auch Brot wird selbst gebacken und verkauft, um das Überleben der Schule zu gewährleisten.

Nach ein paar herzlichen Worten von Dr. Kopetzky machte sich der Tross wieder auf nach Port au Prince.

Am Wochenende wars dann ruhig. Zumindest der Samstag wurde neben der obligatorischen Besprechung am Vormittag zur Regeneration genützt. Sonntag, also heute, fuhren mein Kollege und ich nach Jacmel, einem Ort im Süden. Man sieht dem Ort die Schäden des Erdbebens nicht mehr so an. Ein netter kleiner Ort, wo man sich wohl fühlt. Als wir dann in Richtung Strand fuhren, sahen wir halb auf der Strasse ein Auto, unbemannt. Es kam uns schon mal komisch vor ...

 

Als wir dann auf einem geraden Stück ein bisserl weiter einen Schulbus quer auf der Strasse stehen sahen und auch dahinter Blockaden, informierten wir umgehend die Föderation und drehten sofort um. Es waren zwar über den sehr zuverlässigen SMS Weg mögliche Blockaden für den Westen angekündigt, aber der Osten war nicht erwähnt worden.

Die Gefahr ist, dass man evt. nicht mehr wenden kann bzw. die Strasse vollends blockiert wird. Einzige Möglichkeit: umdrehen und schnurstracks nach Hause. Wieder ein gutes Beispiel, dass wir hier IMMER auf der Hut sein müssen und uns nie 100%g sicher fühlen können und sollen.

Also gabs Essen sicherheitshalber daheim: richtig erraten: Hendl (diesmal ohne Reis, aber mit Erdäpfeln). In diesem Sinne einen sicheren und schönen Abend

 

 

Do., 17. Februar 2011

110208 Sample shelter JC (3)

Und wieder mal liege ich im Moskitodome zurück gezogen und schreibe des nouvelles. Ich weiss nicht, ob sich mein Französisch mittlerweile gebessert hat, ich verstehe aber langsam mehr. Zumindest bilde ich mir das ein.

Nach einem erfolgreichen 1. Kurs hatten wir uns ein Wochenende verdient. Samstag abend veranstalteten wir ein kleines MAX Willkommens- (von Alex gebauten) Griller Einweihungs und sowieso und überhaupt BBQ (also auf Deutsch: Grillen). In gemütlicher Runde (wir waren acht) saßen wir etwas zusammen und unser Herr über das Hendl war der Konstrukteur und Erbauer- Alex. Nicht nur als Logistiker ist er begnadet (das sind die Leute, die dafür sorgen, dass ich mein Material zu dem Zeitpunkt in der Menge und an dem Platz habe, an dem ich es brauche) auch als kroatischer Chef de Cuisine ist er unübertroffen. Das ganze dauert 2 bis 3 Stunden. Nicht vergessen, wir haben vorher gearbeitet und auch wenn bei uns die Sicherheitsbstimmungen im Gegensatz zu Port au Prince liberaler sind, heisst es trotzdem, dass um 22 Uhr jeder in seinem Haus zu sein hat und alleine hat sowieso niemand was ausserhalb des Hauses bzw. des Office auf der Strasse zu suchen. Wie gesagt, es ist ruhig, aber nicht immer ungefährlich.

Die Hauptgefahr lauert auf den Strassen. Soweit ich weiss, sind die Hauptverletzungsursachen von Delegierten im Ausland Unfälle im Strassenverkehr. Wobei die Regel gilt bei LKW von vorne, links, rechts, hinten oder Nebenfahrbahn hat er Vorfahrt, es sei denn es geht sich aus. Diese MACK LKWs sind riesig, fahren im Schnitt 70-90 km/h und  sind von Natur aus stärker. In meinem 1. Einsatz waren wir durch die Landcruiser (Geländewägen einer japan. Automarke) geschützt. Hier fährt aber jeder so ein Ding. Warum wir um 22 Uhr im Bett respektive im Haus sein sollen erklären auch folgende Argumente:

1. Die Strasse, so es eine gibt besteht aus Asphalt und 50-70% Löchern, die schnell mal 30cm tief sind und sich über die gesamte Fahrbahnbreite erstrecken können.

2. In der Nacht fahren Autos mit entweder Fernlicht oder ohne Licht. Man kann sich jetzt aussuchen, was man lieber hat: geblendet werden oder den anderen auch nicht sehen.

Jeden Tag sterben Menschen, weil Autos ausweichen, sie übersehen oder weil der andere Verkehrsteilnehmer stärker ist. Es gibt auch einige Wracks nach Frontalcrash hier. Also ich bin lieber in meinem Moskitodome und schreibe hier.

Am Sonntag war dann frei. Nein, wir arbeiten nicht 7 Tage die Woche. Es gibt Kollegen, die sind seit Mai hier. Wer würde diese Art von Arbeit 10 Monate aushalten? Nicht zu vergessen, dass auch unsere lokalen Mitarbeiter gerne mal frei haben. Jeder hängt sonntags seinen eigenen Gedanken nach. Lesen, surfen, mit der Heimat sprechen - Skype sei Dank …

Aber genug davon. Heute wurde der 2. Kurs erfolgreich beendet. Er wurde diesmal in einer Kirche abgehalten. Überhaupt scheint die Religion hier eine große Rolle zu spielen. Der überwiegende Teil hier ist christlich (röm. kath, protestantisch, … die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) und ein bisschen Vodoo wird auch praktiziert, angeblich zumindest. Auf jeden Fall beginnt der Fortbildungstag mit einem kleinen Gebet der Teilnehmer. (Auch hier: wir akzeptieren diese Einstellung, heissen sie aber weder gut noch schlecht. Es sind lediglich meine Beobachtungen)

Ich lerne auch meine Teammitglieder immer besser kennen. Sie haben Geduld und sprechen so langsam (im Notfall mit ein bisserl English) dass ich mit komme. Einzig unsere Ladies, die die Schulungen durchführen: ich bekomme ganz ehrlich nicht mit, wann Nicol, die Trainerin auf English wechselt. Es hört sich alles irgendwie gleich unverständlich an. Ist aber auch egal und eher amüsant. Mein Team zeigt mir, wenn wir Zeit haben, die Schönheit des Landes, macht mich auf verschiedene Dinge aufmerksam.

Jackie zeigte mir die Schule, die wir mit betreuen, die ich aber bisher noch nicht gesehen hatte. Vie Räume für theoretisch knapp 4.000 Kinder die schulpflichtig wären. Es gibt eine Tafel, aber kaum Stifte geschweige denn Schreibpapier. Die Menschen, die es schaffen zu studieren und Ärzte, Professoren oder was auch immer zu werden, kehren oft der Heimat den Rücken, weil in französich sprechenden Ländern (Kanada, Frankreich, ...) mehr Geld zu verdienen ist. Ein nicht unerheblicher Teil des haitianischen Einkommens besteht aus Überweisungen von Haitianern, die ihr Geld auswärts verdienen, um der Familie daheim ein Überleben zu ermöglichen. Auch ich habe mich gefragt, wie es für mich wäre, ins Ausland gehen zu müssen, damit meine Familie daheim überleben kann. Ich bin zu keiner zufriedenstellenden Entscheidung gekommen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass während des Bebens auch die Universität in Port au Prince zerstört worden ist. Also wieder schwerer Fachkräfte auszubilden …

Mit diesem eher traurigen Thema möchte ich aber nicht enden.

Ich möchte zum Abschluß meinen Teamkollegen noch danken, dass sie mir nette Geschichten über Vogelspinnen erzählt haben. 3 Tage danach habe ich immer noch selbst in meinem Zimmer Schlapfen angezogen und checke den Weg aufs Klo immer genau ab. Ich weiss, dass sie ungiftig sind, aber sollte so ein Vieh vor meinem Moskitodom auftauchen, gibt es einen Anruf via Handy (das ist immer im Dom drin) ans Rote Kreuz nach Wien mit den Worten:” ICH BIN EIN STAR HOLT MICH HIER RAUS.” Dann werde ich ohne Stern gehen. Es gibt ohnehin (wie gestern und heute) Reis für alle.  Oder irgendwer muss mich bergen und mich wiederbeleben nach dem Herzinfarkt. In diesem Sinne. A plutard

Sa., 12. Februar 2011

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Ja heute war der Tag der Fortbildung.  Die Location war organisiert, Cola eingekauft ... Wasser ebenso. Die Volunteers oder Voluntaires (nicht immer nur die englischen Wörter) saßen bereit. Es war 9 Uhr. Seit 8 sollte auch der Wagen mit den beiden Fachkräften aus Port au Price da sein. SOLLTE! 9 Uhr ... nix, 9:30 Uhr rien, 10 Uhr nothing. Gegen viertel 11 fand sich am Horizont ein einsames Föderationsauto.  Der Fahrer hatte zuächste den Schlüssel nicht gefunden, dann war der Wagen verparkt und ich glaub der Erdmagnetisus war auch in die Verspätung verwickelt... irgendwie halt.

 

Waren wir nervös? Nö... Wenn man als RKler im Einsatz etwas lernt, dann ist es warten und Geduld haben und ich versuche gut zu lernen. Da regen einen solche Dinge auch nicht einmal peripher auf.

 

Also sind wir dann mit den beiden Damen zur ersten Community gefahren, wo 27 Freiwillige auf uns warteten. Es ist auch hier nicht einfach, 27 Menschen, die wie schon mal beschrieben keinen Cent dafür sehen, dass sie 2 Tage vom Roten Kreuz geschult werden, an einen Ort zu bekommen. Wenigstens haben sie im Laufe der Zeit verstanden, dass die Arbeit, die sie erbringen nicht für uns, sondern zum Wohl der eigenen Familien, Freunde, Nachbarn ist. Um sie dennoch für ihren Einsatz zu “belohnen” wird dieses Training abgehalten und es wird natürlich auch für das leibliche Wohl in der Pause gesorgt.

Die beiden Damen sind der Knaller. Abgesehen, dass eine Madame Lovely heisst - ich mag die haitianischen Namen, sie sind einfach nett und die beiden sind Motivation pur. Angefangen von Rollenspielen, über Infos (sogar geschichtliche) über die Cholera bis hin zum Singen haben die beiden alles drauf. Noch dazu gibt es glaube ich in der Gruppe niemanden, der nicht halbwegs singen und der Melodie folgen kann. So ich meinen Laptop anpassen kann werde ich noch ein Video nachreichen. Auf jeden Fall dürfte die Fortbildung, wie erhofft, auch bei den TeilnehmerInnen sehr gut an kommen.

Wir hatten auch hohen Besuch: Monsieur Dr. Camille Clermont, der Repräsentant des haitianischen Roten Kreuzes in Leogane sah sich die Schulung an und konnte auch mit den österreichischen Delegierten ein paar Worte wechseln.

Während der ganzen Fortbildung hatte ich ein bisschen Zeit, mit einem Fahrer zu tratschen. Der bot mir innerhalb von 20 Minuten an zu konvertieren und sich für mich im Falle von Einsamkeit nach einer Freundin umzusehen. Da ich aber als RK-Mitarbeiter von Berufswegen aus sowohl keine Religion besitze noch auf den Heiratsmarkt geworfen werden will, lehnte ich dankend ab. Sehe ich so Mitleid erregend aus? Nach einer Woche?

Am Abend kam dann Max Santner, der Leiter der internationalen Hilfe des KHD (Katastrophenhilfsdienstes). Ein wichtiger und trotzdem sehr netter Kollege. Was ihn für uns - vor allem die Kollegen, die schon länger hier sind -  noch netter macht, waren seine Geschenke: Schwarzbrot aus der Heimat, Schinkenspeck, und 15700 Mozartkugeln (OK nur ungefähr- evt. ein paar weniger). Max wird sich in den nächsten Tagen für das österreichische RK ein Bild von unserer Arbeit machen. Herzlich Willkommen!

 

 

Mi., 09. Februar 2011

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Es geht wieder mal um - nein keine Briefings aber knapp dran: Meetings. Gestern gabs mein 1. OCHA Meeting (Office for the Coordination of Humanitarian Affairs.). Das ist die UN-Dachorganisation, die, wie der Name sagt, die verschiedenen NGOs koordiniert. Hier gab es News über die Cholera, wie wir Beneficiaries (English: Nutzniesser - klingt meiner Meinung nach um einiges besser als Opfer) aufklären und schulen sollen.

In Summe so, wie wir es immer gemacht haben. Weiters gabs auch Infos über den stetigen Rückgang der Cholerafälle. Ist super, heisst aber nicht, dass wir keine Arbeit mehr haben. Abfall, damit verbunden Wasserlacken und Malaria, es gibt so viele Themen.

 

Heute hatten wir Cholera Meeting. Auch hier bekamen wir von den Canadiern die Info, dass sie die Betten im CTC (Cholera Treatment Centre) reduziert haben (von in Spitzenzeiten ca. 40 auf derzeit 16).


Wir versuchen jetzt langsam zu schauen, dass wir am Welt Wasser Tag (22.3.) in den Schulen Projekte veranstalten. Es ist nicht so einfach. Die Menschen sitzen nicht in ihren Hütten und warten auf uns. Hier ist nach wie vor tagtäglich ein Überlebenskampf der Menschen. Man versucht zu arbeiten, was bei einer Arbeitslosenrate von weit weit über 50% nicht einfach ist.

Unsere haitianischen KollegInnen sind wirklich toll und kämpfen sich durch. Derzeit promoten sie unter anderem an den insgesamt 9 betreuten Schulen die Händedesinfektion - immerhin über 1400SchülerInnen.

Was ich in der Nacht auf gestern feststellen musste: es gibt hier nicht nur hyperintelligente sondern auch scheinbar genmanipulierte Gelsen. Nicht nur, dass sie jedes Loch finden, nein vorgestern hat eine es geschafft, den Reissverschluss meines Moskitodomes ca. 10cm zu öffnen, reinzufliegen, mich ca. 8x zu stechen und danach wieder abzuhauen. Dabei bin ich aufgewacht. Deshalb konnte sie den Zipp nicht mehr rechtzeitig schliessen. Mistviech.


Heute habe ich endlich meine "Chlorvisitenkarten" laminiert bekommen. Es ist ein einfacher, kleiner Schummelzettel für die Mitarbeiter, auf denen die Menge an Chlor steht, die ich zur Hände, .... Desinfektion brauche. Wenn man's mal net weiss, zieht man es raus und voila liest es ab. Zum Glück war ich in der Schule schon immer gut im Schreiben solcher Schummelzettel.

Ich komme auch immer besser mit dem haitianischen Team zu recht. Ich bin neu, versteh die Hälfte nicht und bin noch neugierig.


So wir mal morgen kein Meeting haben, schau ich mal wieder mit raus. Ich hab jetzt jeden Tag Turnschuhe an. So das wars vorerst.

 

 

Mo., 7. Februar 2011

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So heute war es soweit: mein wirklich 1. Arbeitstag auf Haiti. Eigentlich habe ich ja schon gestern gearbeitet. Habe vom Mike einige Unterlagen bekommen und bin die mal durchgegangen.

 

Auf jeden Fall hab ich mir gedacht, ich werde den heutigen Tag mal schauen, wie es so ist im Office. OK habe die Rechnung ohne Newton und Co. gemacht. Also ... ab ins Feld - ich meine bildlich gesprochen - es war kein Feld... gut nur dass ich aufgrund des geplanten Tages sagen wir mal unpassendes Schuhwerk an hatte. Man kann sich so ungefähr denken, was man halt im Büro an hat.

Nein keine Bleistiftabsätze ...


OK zurück zum Thema. Es ging raus zu den ersten Communities. Alle 5 KollegInnen aus Haiti, der Fahrer und ein vollkommen falsch angezogener Wiener mit unterdurchschnittlichen Französischkenntnissen. Wir besuchten einige Brunnen, es wurden die Aufzeichnungen der Freiwilligen kontrolliert, und schliesslich auch eine neue Testmethode - der MERCK Tester gezeigt.


Auf jeden Fall lernte ich Voluntaires jeden Alters und Geschlechts kennen, Dorfvorsteher zwischen 30 und 70 Jahren und wir haben Restchlorgehalt von Wasserproben genommen. Ich nehme an man wollte sehen, wie gut ich drauf bin. Nicht anders kann ich es mir erklären, dass die Probenkontrolle aus dem Dorfbrunnen in einem Haushalt, der auf einem Hügel war statt fand, den ich mit meinen Schlapfen hoch stapfte.


Man hat aber auch gesehen, dass es nicht immer so einfach ist, scheinbar einfache Aufzeichnungen richtig aufzuzeichnen. Auf einer Stricherlliste auf der es  Unterteilungen in 4, 14 und 20 Galonen gab wurde einfach durchgehend gestricherlt. (Sorry, jetzt kommt der Wiener durch bei so vielen Stricherln). Eine Gemeinde hat stolz ihren neuen Gemeinschaftsraum präsentiert.
Man muss auch sagen, dass die Arbeit hier nicht nur im Häuser- (wieder) Aufbau liegt. Wir bauen auch soziale Strukturen wie Schulen, Versammlungshäuser auf, um damit das soziale Leben zu stärken .

Cool fand ich auch die einfachen Lösungen. Wie messe ich 3g Chlor ab? Du musst Cola (für alle Österreicher: BIER) trinken. In den Kronkorken passen 3 g HTH Chlor. Damit macht man 4 l Händedesinfektionslösung.

In Summe war es ein netter Vormittag, die Kinder haben mich mit grossen Augen angeschaut und ich war einfach mal da. Man muss net nur immer quatschen.


Den restlichen Nachmittag nützte unser kleines Team mit Chlorschulungen. Wie bereite ich eine 0,5%ige Chlorlösung zu. Als gute Tat zum Tag hab ich jetzt angefangen eine kleine Merktabelle zu kreieren. Wieviele g von irgendwas gibt so viel ...


Ja, jetzt ist die Arbeit auch bald getan- schon 18:30 Uhr.
Bilder werden nachgeliefert. Nachdem bei Euch ja heute schon morgen ist wünsch ich eine gute Nacht.

 

Sa., 5. Februar 2011

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Blick über Port au Prince vom Basecamp des Deutschen Roten Kreuzes

Ich war gestern im Basecamp des Deutschen Roten Kreuzes. Das ist ein Haus in- aber leicht oberhalb von Port au Prince mit einem atemberaubenden Ausblick und einem netten Team. Allen voran Cristhian Cortez - der auch so aussieht wie er heißt.

Nach einigen Briefings - wieder mal - wurde ich wieder zurück kutschiert und landete abermals im Basecamp, wo ich auch die Nacht verbrachte.

 

Ich habe festgestellt, dass es im Gegensatz zum Tsunami 2005, wirklich kein Spaziergang wird. Das Rote Kreuz würde seine Mitarbeiter niemals in Gefahr bringen. Aber manchmal wissen das die anderen nicht. Deshalb ist es wichtig, zu wissen wie man wann reagieren muss.


Auf jeden Fall bin ich heute Mittag endlich in Leogane angekommen. Auf dem Weg hierher hat es schon anders ausgesehen.. Mehr zerstörte Häuser, aber auch mehr NGOs, die aufbauen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es sich hier nicht um "Wilde" handelt, wie manche Europäer gerne denken. Wir sind nicht hier, um den Haitianern alles zu lernen. Wir unterstützen sie bei der Selbsthilfe, denn was nutzt das beste Wissen, dass es auch hier gibt, wenn das Werkzeug und Material fehlen.


OK genug davon. Nach den 1. Briefings (ich hab aufgehört zu zählen) bin ich nun im Wohnhaus angekommen. Es hat angenehme 25 Grad, die Sonne zieht sich zurück und ich hatte endlich wieder was warmes zu Essen seit Wien. Eintopf mit Gemüse, Huhn und viel scharf. Jetzt weiss ich auch wieder, was ich seit Aceh 2005 vermisst habe (nur der Reis fehlt NOCH).


Morgen ist frei und ich werde mich in die Materie vertiefen und evt. noch das eine oder andere Briefing bekommen.
Schön langsam siegt die Neugier über die vorsichtige Zurückhaltung.
Damit wars das für heute.

 

 

Fr., 4. Februar 2011

Das Rote Kreuz hilft. Wiederaufbau in Haiti.

Alors.. J'ai arivee. Nach einem Flug mit einer absolut geilen Propellermaschine durfte ich zum 1. Mal haitianischen Boden küssen. Unterwegs habe ich eine Kollegin von World Vision kennen gelernt, die schon öfter da war und mich vor dem Chaos am Flughafen gewarnt hat.

 

Und Dank meiner Französischlehrerin - SIE hat's verschrien - war natürlich auch kein Taxi da. Don't panic-stay cool. Man nehme sein Handy und wähle und wähle und... Zum Glück gab es Alex, unseren Logistiker. Früher als die von ihm prophezeiten 30 Minuten wurde ein Rotkreuz-Wagen sichtbar.

 

Die ersten Eindrücke: noch sehe ich nicht viel Zerstörung, das wird aber fürchte ich noch kommen. Da rennt gerade mein 1. Gekko über die überdachte Veranda. Es hat gute 20-25°, die schweren Stiefel sind viel zu heiß, aber die hätten mir im Rucksack zu viel Platz verbraucht.

 

Die Stadt macht mir keinen hektischen Eindruck, der überwiegende Teil der Fahrzeuge sind Landcruiser diverser NGOs. Vom Flugzeug aus sah man kleinere Berge, Felder und einen See.

 

Ich freue mich schon sehr auf die Menschen und die Kultur hier. Und ich freue mich dass der eine oder andere auch etwas English spricht. Ansonsten on parle Francais...

 

 

Di., 1. Februar 2011

1. Tag als Rotkreuz-Public Health DELEGATE. Meetings meetings meetings- dazwischen handover. Der Kopf hat etwas geschwirrt, aber nach den letzten beiden Injektionen bei der Tante Doc gehts wieder besser. Vom Zahnarzt hab ich das Pickerl bekommen, bei Frisör auch. Na dann... Neue Lage 48 Std.

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