Tipps aus der Pflege- und Demenzberatung: Wenn Sie als Arzt mit Validation arbeiten sieht das so aus

 

Beispiel: Sie sind ein Internist. Sie sind seit 30 Jahren der Hausarzt der 90-jährigen Frau Wagner. Wenn Sie sie untersuchen, beharrt sie darauf, dass Sie ihr Mann sind und möchte von Ihnen unbedingt nach Hause gebracht werden.

Was sollten Sie tun?

  • 1. Ihrer Patienten behutsam versichern, dass Sie nicht ihr Ehemann sind. Sie daran erinnern, dass er vor 20 Jahren gestorben ist. Ihr beteuern, dass sie bei ihrer Tochter wohnt. Ihr sagen, dass sie ihr Haus schon lange verkauft hat. Nein!

Anm.: Sie gegen ihren Willen überzeugen zu wollen, wird ihre 90-jährige Patientin nur gegen Sie aufbringen. Sie wird sich allein und verlassen fühlen. Sie hat ihre Fähigkeit verloren, Menschen einzuordnen. Sie verhalten sich wie ihr Mann — Sie berühren ihren Körper – so werden Sie zu ihrem Ehemann. Sie sind ein Symbol für ihren Ehemann. Im Rahmen der Validation ist ein Symbol für etwas bzw. jemanden in der Gegenwart, das für jemanden oder etwas aus der Vergangenheit steht. Sie befriedigt ihre menschlichen Bedürfnisse, jemandem nahe zu sein. Ihre logischen Denkzentren sind beeinträchtigt und sie kann die Uhrzeit nicht mehr ablesen. Sie flüchtet sich in die Vergangenheit. Ihr Zuhause symbolisiert Unabhängigkeit und Wohlbefinden. Sie hat nie gelernt, alt und allein zu sein.

 

  • 2. Ihr Medikamente geben, um ihre Angst abzubauen Nein!

Anm.: Oft können Medikamente dazu führen, dass Menschen sich zurückziehen. Ihre Gefühle sind nun unterdrückt. Sie sagt nicht mehr, dass sie nach Hause gehen will. Sie verleiht Ihren Gefühlen keinen Ausdruck mehr. Sie hört auf zu sprechen und sitzt da, starrt aus dem Fenster, in völliger Benommenheit wie eine lebende Tote.

 

  • 3. Auf ihr Bedürfnis eingehen, in die Vergangenheit zurückkehren zu müssen, in der sie sich geliebt und gebraucht fühlte. Akzeptieren Sie ihren körperlichen Verfall, ihren Verlust des logischen Denkens und ihrer Unfähigkeit, die Uhrzeit abzulesen, ihren Verlust sozialer Kompetenzen. Ja! Wenden Sie folgende Validation-Techniken an:

 

Sich sammeln und zentrieren: Wenn Ihnen das Verhalten eines älteren, mit Demenz diagnostiziertem Patienten peinlich ist oder wenn es sie frustriert, können Sie ihm nicht zuhören. Sie werden wertend. Mit Ihren eigenen Emotionen beschäftigt, ignorieren Sie die der anderen Person. Zentrierung ist eine Art zu atmen, um sich von Emotionen zu befreien, damit man sich den Gefühlen eines anderen annehmen kann. Atmen Sie durch die Nase ein und folgen Sie dem Atem im Geiste bis ca. 5 cm unter Ihrem Bauchnabel. Das ist Ihr Schwerpunkt. Atmen Sie im Geiste von Ihrem Zentrum aus. Wiederholen Sie diese Atmung, einatmen durch die Nase, ausatmen von dem Zentrum, fünf Mal wiederholen.

 

  • Gehen Sie auf ihre Gefühle ein und fassen Sie sie in Worte: z. B.: „Sie sehnen sich nach Johann (ihr Ehemann). Sie vermissen ihn sehr. Sie standen sich so nahe.“
  • Verwenden Sie Polarität – nach dem Extremen fragen: z. B.: „Was vermissen Sie am meisten an ihm?“
  • Umformulieren: z. B.: „Sie möchten wieder in Ihren eigenen vier Wänden wohnen. Was würden Sie dort tun?“
  • Erinnern: z. B.: „Haben Sie das Haus gemeinsam mit Johann gebaut?“

 


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