Hauskrankenpflege – gefragter denn je

Der Pflegebereich steht aktuell vor einer großen Herausforderung: In ganz Wien steigt der Bedarf an der Leistung der Hauskrankenpflege kontinuierlich. Ein Grund hierfür ist unter anderem das Bedürfnis von Senioren und Seniorinnen, möglichst lange innerhalb der eigenen vier Wände und damit in einer gewohnten Umgebung zu bleiben.

Eine Entwicklung, welcher der Bereich Pflege und Betreuung des Wiener Roten Kreuzes Gehör schenkte. 2018 konnten die Leistungszahlen in der Hauskrankenpflege im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert werden: Nämlich um 9 Prozent – umgerechnet sind das 7.883 Stunden. Das wurde durch einen erhöhten Personalaufwand und verstärktes Recruiting erreicht.

Um den steigenden Bedarf an Hauskrankenpflege decken zu können, wurde unter anderem ein neues Konzept in Zusammenarbeit mit der Akademie des Ausbildungszentrums vom Wiener Roten Kreuz entwickelt. Es bietet Heimhelferinnen und Heimhelfern die Möglichkeit zur beruflichen Weiterbildung zur Pflegeassistenz. Vanja Barbaric ist eine jener Personen, die diese Chance nutzten. 

 

Seit 11 Jahren arbeitet Vanja Barbaric im Bereich Pflege und Betreuung beim Wiener Roten Kreuz. Die gebürtige Bosnierin hat den Job gefunden, der ihr Herz höher schlagen lässt. Sie erzählte uns, was ihr tagtäglich das ansteckende Lachen ins Gesicht zaubert.

 

Wie haben Sie Ihren Weg in die Pflege gefunden?

Früher arbeitete ich als Verkäuferin. Es war sehr stressig – wir hatten viel zu tun und keiner war so richtig glücklich. Da ich schon immer gerne mit Menschen arbeitete, bewarb ich mich als Heimhelferin beim Wiener Roten Kreuz. Im Jänner 2008 hatte ich meine erste Klientin. Die Dame war sehr abweisend und wollte nicht mit mir arbeiten – was nicht verwunderlich war, immerhin hatte sie keinen Mann, keine Kinder, nicht einmal einen Fernseher. Sie litt. Nach einem Monat fing sie an, mir zu vertrauen. Plötzlich war sie total lieb und erzählte mir einfach alles. Das ist das Besondere an dieser Arbeit – man baut eine Verbindung zu den Menschen auf. Ich habe mich sofort in den Job verliebt.

 

Heute sind Sie Pflegeassistentin – wie kam es dazu?

Sechs Jahre war ich in der Heimhilfe tätig. Alles passte: Der Job, die Kollegen, die Klienten. Die Beziehung zu diesen Menschen hat mich motiviert, mich in diesem Bereich weiterzuentwickeln und Pflegerin zu werden. Leicht war es nicht, wir mussten vieles lernen, von Grundsätzen der Akut- und Langzeitpflege, über die Grundzüge medizinischer Diagnostik und Therapie, bis hin zur Entwicklung und Sicherung von Qualität. Aber ich schaffte es. Bis heute habe ich die Entscheidung nicht bereut. Den Klienten, egal ob alt, jung oder mit einer Beeinträchtigung, bedeutet die Aufmerksamkeit so viel und mich kostet es nichts. Am Ende des Tages geht es mir, den Klienten und der Firma gut – allen geht es gut.

 

Wie ging es nach der Ausbildung weiter?

Zwei Jahre arbeitete ich als Pflegeassistentin, bis mein Lebensgefährte eines Tages meinte, dass ich in einem anderen Bereich mehr verdienen und mich weiterentwickeln könnte. Ich bewarb mich in einem Spital und erhielt eine Stelle in der Kinderabteilung. Als ich meine Kündigung beim Wiener Roten Kreuz einreichte, fing ich an zu weinen und wurde unsicher. Aber meine Entscheidung stand fest. Es dauerte nicht lange, bis ich im Spital unzufrieden war – beim Roten Kreuz war alles sehr familiär, aber die Beziehung zu den neuen Kollegen war so kühl. Nach drei Monaten fiel meine Entscheidung: Ich wollte unbedingt wieder zurück zu meiner alten Arbeit. Also rief ich bei Herrn Blöch, meinem Regionalleiter beim Wiener Roten Kreuz, an. Er meinte: ‚Denken Sie noch ein bisschen darüber nach. Wenn Sie es dann immer noch wollen, können Sie jederzeit zu uns zurückkommen.‘ Ich musste nicht darüber nachdenken, am 1.1. war ich wieder ‚Zuhause‘. Seit drei Jahren bin ich jetzt wieder da und werde nicht mehr gehen. Es fühlt sich an, als wäre ich Teil einer großen Familie. Man ist nie alleine und in schwierigen Situationen ist immer jemand für dich da. Das ist einmalig bei uns. Ich bin so stolz, hier arbeiten zu dürfen.

 

Was macht Sie an Ihrer Arbeit glücklich?

Es kommt so viel zurück. Wenn ich bei meinen Klienten bin, lachen wir und haben Spaß. Sie sind so dankbar. Für diesen Job muss man eine Bindung aufbauen und dafür zählen die kleinen Dinge. Oft mache ich nur einen Tee und erzähle, was ich in der Zeitung gelesen habe oder etwas über meine Familie. Sie brauchen nur wenig, damit sie glücklich sind. Und wenn du dann noch ein bisschen mehr gibst – dann hast du ihr Herz erobert.

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