Häufige Fragen zur Stammzellspende

Was sind Stammzellen?
Blutstammzellen sind für die Bildung der Blutzellen - zum Beispiel weiße und rote Blutkörperchen - zuständig. Sie befinden sich in geringem Ausmaß im Blut, hauptsächlich aber im Knochenmark von Rippen, Brustbein und Beckenknochen. Die Blutstammzellen vermehren sich (wie andere Zellen) durch Zellteilung.

 

Wer benötigt eine Therapie mit Stammzellen?
Für Patienten mit diversen bösartigen Bluterkrankungen („Blutkrebs“ bzw. Leukämie) ist eine Stammzelltherapie oft Mittel der Wahl.

 

Wieso ist das Spenden von Stammzellen wichtig?
Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Leukämie können gespendete Stammzellen Leben retten. Die Wahrscheinlichkeit, dass für einen Erkrankten ein passender Spender gefunden wird, liegt bei einem Verhältnis von 1:500.000. Daher ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen für eine derartige Spende registrieren lassen. Obwohl weltweit rund 30 Millionen Personen registriert sind, finden nur 80 Prozent der Patienten einen Spender.

 

Wer kann sich als Stammzellspender registrieren lassen?
Bei der Registrierung als Stammzellspender gelten folgende Kriterien:

  • Altersgrenze zwischen 18-45 Jahren
  • Gewicht: Mindestgewicht von 50kg
  • Obergrenze: Body Mass Index 40
  • Es dürfen keine schwerwiegenden oder chronischen Erkrankungen vorliegen (z.B. Hepatitis B, HIV-Infektion, Rheumatische Arthritis, Morbus Basedow, Herz-Kreislauferkrankungen, Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus, Epilepsie, Multiple Sklerose, Krebserkrankungen (auch ausgeheilt), Gerinnungsstörungen, chronische Magen- oder Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa, Einschränkungen der Leber- oder Nierenfunktion, Einschränkungen der Lungenfunktion wie Asthma bronchiale)
  • Genauere Informationen zu Ausschlussgründen sind wochentags während der Bürozeiten unter der kostenlosen Servicenummer 0800 190 190 erhältlich.

 

Als Stammzellspender registrieren kann man sich in Österreich bis zum 45. Lebensjahr.

 

Warum gibt es eine Altersgrenze für die Registrierung und die Stammzellspende?
Eine Stammzellspende ist bis zum 55. Lebensjahr möglich. Das hat medizinische Gründe: Im Alter nimmt die Teilungsrate der Blutzellen im Knochenmark ab. Das bedeutet, dass die Stammzellen jüngerer Menschen beim Empfänger besser helfen können. Da zwischen der Registrierung zur Stammzellspende und einer Spende lange Zeit vergehen kann, gibt es die nationale Übereinkunft, Registrierungen nur bis zum 45. Lebensjahr durchzuführen.

 

Wo kann sich ein potentieller Spender registrieren?
Unter www.roteskreuz.at/stammzellen können Personen, die als Stammzellspender in Frage kommen (d.h. über 18 und nicht älter als 45 sind und gewisse gesundheitliche Kriterien erfüllen) einen kostenlosen Wattestäbchen-Testkit anfordern. Der für die Registrierung als Stammzellspender notwendige Wangenabstrich kann unkompliziert daheim erledigt werden.

 

Was geschieht mit den persönlichen Daten nach der Registrierung?
Aus dem Wangenabstrich werden wesentliche Gewebemerkmale bestimmt. Diese sind zum Abgleich einer Übereinstimmung mit dem Patienten notwendig. Seitens des Roten Kreuzes erfolgt eine pseudonymisierte Meldung (d.h. eine Meldung ohne Bekanntgabe der Identität des potentiellen Stammzellspenders) dieser Merkmale sowie von Alter und Geschlecht an das nationale und von dort weiter an das internationale Register mittels einer Spender-ID. Der potentielle Spender bleibt in der Folge bis zum 55. Lebensjahr aktiv registriert; die Deaktivierung der Registrierung erfolgt
- auf Widerruf des Spenders,
- nach einer erfolgten Spende,
- bei Ausschluss aufgrund von Krankheiten oder
- im Falle eines Registerwechsels in eine andere Spenderdatei im In- oder Ausland.

 

Was ist der Unterschied zwischen der „Registrierung“ und der „Stammzellspende“?
Die Chance, dass zwei Personen passende Gewebemerkmale haben, beträgt 1:500.000. Deshalb wird bei der Suche nach passenden Stammzellspendern international vernetzt gearbeitet. Das System funktioniert nur, wenn möglichst viele Spendewillige registriert sind. Nur zehn Prozent aller Registrierten werden als potentielle Spender kontaktiert. Zu einer tatsächlichen Spende kommt es nur in einem Prozent der Fälle nach einem neuerlichen Gewebeabgleich. Die Registrierung nur für eine Person ist deshalb nicht möglich.

 

Muss sich der registrierte Spender im Falle eines Umzugs nochmals registrieren?
Eine einmalige Registrierung ist bei Umzug im Inland ausreichend. Wichtig ist die Bekanntgabe der neuen Wohnadresse, damit der potentielle Stammzellspender im Fall des Falles rasch kontaktiert werden kann. Im Falle eines Umzugs ins Ausland erfolgt ein Registerwechsel, d.h. der- oder diejenige muss sich im Zielland neu registrieren. Eine neuerliche Bestimmung der HLA-Merkmale ist jedoch nicht erforderlich.

 

Wie erfährt der Spendewillige, dass seine Stammzellen benötigt werden?
Bei Übereinstimmung der Gewerbemerkmale von Empfänger und Spender kommt es zur Anfrage aus dem internationalen Register an das Österreichische Rote Kreuz, Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und Burgenland. Diese kontaktiert den Spender und begleitet durch den weiteren Ablauf.

 

Wie läuft eine Stammzellspende ab?
Zur Gewinnung von Stammzellen gibt es zwei Methoden: die periphere Spende von Stammzellen und die Knochenmarkspende. Zumeist können die für eine Behandlung notwendigen Stammzellen mittels peripherer Spende aus dem Blut gewonnen werden:

 

Periphere Spende von Stammzellen: Die Entnahme der Stammzellen erfolgt über das periphere Blutsystem mittels zweier Kanülen und dazwischen geschaltetem Zellseparator. Dies dauert jeweils 4-6 Stunden und erfolgt ambulant, d.h. der Spender geht nach der Spende nach Hause. Zur Vorbereitung auf die Spende sind einige Voruntersuchungen notwendig sowie die Gabe eines Wachstumsfaktors über 4 Tage vor der Spende zur Mobilisierung der Stammzellen aus dem Knochenmark.

 

Knochenmarkspende: Nur jede zehnte Spende ist eine Knochenmarkspende. Diese erfolgt über eine Punktion des Beckenkamms, bei der die Stammzellen direkt aus dem Knochenmark entnommen werden.  Der Spender erhält eine Vollnarkose, daher ist ein Krankenhausaufenthalt mit einer Übernachtung notwendig. Die Knochenmarkspende dauert ca. 45-60 Minuten. Es sind einige Voruntersuchungen notwendig.

 

Wie oft darf man Stammzellen spenden?
In Österreich spendet man einmalig und ist danach für andere Patienten gesperrt. Ausnahme: Falls derselbe Patient erneut erkrankt und neuerlich Stammzellen benötigt, kann eine nochmalige vereinfachte Form der Spende durchgeführt werden.

 

Kann man sich bei der Spende mit Krankheiten anstecken?
Bei allen Untersuchungen und bei der Spende werden Einmalsets verwendet. Es besteht keinerlei Infektionsgefahr.

 

Fehlen dem Spender nach der Spende Stammzellen?
Das Verfahren ist mit einer Blutspende vergleichbar, die Stammzellen werden nachgebildet. Die aufgrund der Mobilisierung der Stammzellen und der anschließenden Spende entstandenen Veränderungen des Blutbildes normalisieren sich nach spätestens 3 Monaten. Das Blutbild wird daher in dieser Zeit nachkontrolliert.

 

Warum bekommt man für eine Spende kein Geld?
Die Spende von Blutstammzellen ist ein Akt der Solidarität für einen schwer kranken Mitmenschen. Genauso wie für die Blutspende gilt auch für die Spende von Blutstammzellen, dass eine Spende freiwillig und unentgeltlich erfolgen muss. Dies wird auch im Transplantationsgesetz vorgeschrieben. Dazu kommt die Frage der Sicherheit: Würde eine Vergütung in Aussicht gestellt, könnte ein Spender der Versuchung erliegen, wichtige Angaben für die Beurteilung seiner Spendetauglichkeit zurückzuhalten.

 

Entstehen dem Spender Kosten durch die Stammzellspende?
Es entstehen dem Spender keine Kosten. Im Fall einer Spende übernimmt die Versicherung des Patienten die Kosten für sämtliche medizinische Abklärungen, den Spitalsaufenthalt des Spenders oder die ambulante Entnahme von peripheren Blutstammzellen. Alle direkten Kosten im Zusammenhang mit der Spende werden rückvergütet. Dies sind z.B. Lohnausfall, Reisekosten bzw. Unkosten für Kinderbetreuung.

 

Wieso wird Geld für Registrierungen gesammelt?
Für jede Registrierung eines Spenders von Stammzellen oder Knochenmark fallen Kosten an, sie kostet rund €40,-. Im österreichischen Gesundheitssystem ist eine Finanzierung durch die Krankenkassen nicht vorgesehen. Daher ist das Rote Kreuz für die Registrierung von Spendern auf finanziellen Zuwendungen angewiesen. Geldspenden können hier getätigt werden.

 

Erfährt der Spender etwas über den Patienten, für den er spendet?
Eine Spende läuft auf Spender- und Patientenseite in pseudonymisierter Form ab, das heißt: ohne, dass die Identität bekannt gegeben wird. Der Spender erfährt das Geschlecht und das Alter des Patienten und das Land, in das die Spende geht.

 

Können Spender und Patient in Kontakt treten?
In Österreich ist ein Briefkontakt über die Gesundheit Österreich Gmbh (GÖG) als zwischengeschaltete Stelle und in pseudonymisierter Form möglich. Nach fünf Jahren kann man sich unter bestimmten Voraussetzungen und auf beiderseitigen Wunsch kennenlernen.

socialshareprivacy info icon