Was ist eine Vergiftung?
Eine Vergiftung ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Reaktion in Folge der Aufnahme eines giftigen Stoffes. Gifte können fest, flüssig oder gasförmig sein und schon in kleinen Mengen schädlich wirken.
Typische Ursachen: Medikamente, Alkohol, Gase, Pflanzen, Chemikalien (z. B. Haushaltsreiniger) oder verdorbene Lebensmittel.
Wichtig: Selbstschutz geht vor Fremdschutz. Bei Bedarf Einmalhandschuhe tragen.
Wie erkenne ich, dass sich jemand vergiftet hat?
Die Symptome einer Vergiftung können sehr unterschiedlich sein. Sie hängen davon ab, welche Substanz aufgenommen wurde, wie viel davon und auf welchem Weg (z.B. geschluckt, eingeatmet oder über die Haut).
Beschwerden lassen sich oft der Art der Aufnahme oder bekannten Nebenwirkungen (z.B. von Medikamenten) zuordnen. Auch wenn mehrere Personen gleichzeitig ähnliche Symptome (z.B. Kopfschmerzen, Benommenheit, Kratzen im Hals) zeigen, sollte an eine Vergiftung gedacht werden. Wichtig ist: Mit fortschreitender Vergiftung können sich die Symptome verändern.
Wie leiste ich Erste Hilfe?
- Bei Augenkontakt mit giftiger Substanz: Sofort ausgiebig mit Wasser oder geeigneten Spüllösungen (falls vorhanden: Augenspülflasche) spülen.
- Bei Hautkontakt mit einer giftigen Substanz: Betroffene Stelle sofort ausgiebig mit Wasser spülen, mit lockerem Verband abdecken. Getränkte Kleidung (vorsichtig) ausziehen.
- Bei Verschlucken einer giftigen Substanz: Mundhöhle reinigen (ausspülen, nicht schlucken). Kein Erbrechen auslösen, da so erneut die Speiseröhre geschädigt werden kann.
- Bei inhalativen Vergiftungen (z.B. Kohlenmonoxid (CO)) befindet sich der/die Ersthelfer:in in einer Gefahrenzone/Selbstgefährdung. Abstand halten und Einsatzkräfte (122 oder 144) rufen. Umstehende Personen warnen.
Treten keine oder nur leichte Beschwerden auf wie leichte Übelkeit, leichte Kopfschmerzen, leichte Bauchschmerzen oder besteht lediglich der Verdacht auf eine Vergiftung, soll umgehend die Vergiftungsinformationszentrale (VIZ, Tel. 01/406 43 43) angerufen werden. Sie ist rund um die Uhr erreichbar. Dort erhält man eine ärztliche Beurteilung der Situation sowie Anweisungen, ob bzw. was als Nächstes zu tun ist. Auch aus dem Ausland kann die VIZ von Ersthelfer:innen z.B. im Urlaub als Informationsstelle zur Beratung herangezogen werden.
Wichtig:
Bei plötzlich auftretenden, starken und anhaltenden Beschwerden, die auf eine Vergiftung hindeuten können, wie z.B.
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schmerzen oder Atemnot
- Schwindel, Kopfschmerzen oder Bewusstseinsstörungen bis hin zur Reglosigkeit,
muss zuerst der Rettungsdienst 144 verständigt werden.
Ist das Gift bekannt, kann zusätzlich die Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) durch den/die Ersthelfer:in kontaktiert werden. Das Gespräch mit dem Notruf 144 darf dadurch jedoch nicht verzögert oder beeinträchtigt werden.Lagerung: Seitenlage, um bei einem möglichen Erbrechen die Atemwege freizuhalten.
Vorgehen bei Vergiftungen:
- Keine oder geringe Beschwerden, Verdacht einer Vergiftung: VIZ anrufen
- Plötzlich auftretende, starke und anhaltende Beschwerden: Notruf 144, optional zusätzlich VIZ
- Betroffene Person reagiert nicht / unklare Situation: Notruf 144, Eigenschutz beachten, lebensrettende Maßnahmen